In Haus Heliand läuft der Betrieb seit Ende Juni wieder an. Trägerverein und Hausvater hoffen, hier wieder viele Kinder. Jugendliche und Erwachsene begrüßen zu können.
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In Haus Heliand läuft der Betrieb seit Ende Juni wieder an. Trägerverein und Hausvater hoffen, hier wieder viele Kinder. Jugendliche und Erwachsene begrüßen zu können.

Haus Heliand in Oberursel

"Wir hoffen, dass die Leute bei uns buchen"

  • VonGabriele Calvo Henning
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Im Oberurseler Haus Heliand bleiben die Zeiten wegen Corona schwierig

Oberursel -90 Betten stehen für die Gäste in Haus Heliand zur Verfügung. Normalerweise verzeichnet man hier rund 16 000 Übernachtungen pro Jahr. Seitdem aber die Corona-Pandemie nicht locker lässt, bleiben viele Betten ungenutzt.

Dabei gab es im Frühjahr Anlass zur Hoffnung. Denn nachdem in 2020 das eigentlich gut gebuchte Freizeitzentrum erst mit dem Lockdown, dann mit reihenweise Stornierungen zu tun hatte und deshalb am Rand der Insolvenz stand, hat eine groß angelegte Spendenaktion "Ein Tausender für Haus Heliand" das Ruder rumgerissen. Am Ende konnten sich Johannes Weide vom Arbeitskreis "Zukunft Haus Heliand" beim Trägerverein "Freunde der evangelischen Jugendwerke" (FEJ) und Hausvater Ralf Dreher stellvertretend für alle über 155 000 Euro freuen. Haus Heliand war gerettet. Ein Spiegel im Eingangsbereich erinnert mit seinen bunten Punkten an die vielen Spenden.

Dabei geholfen in 2021 über die Runden zu kommen, hat auch, dass die Stadt im Haus eine Notfallbetreuung für Kita-Kinder im Lockdown eingerichtet hatte, Unterschlupf fanden auch die Taunuswichtel, als deren Kita wegen eines Wasserschadens nicht bespielt werden konnte. Dazu kam ein städtisches Ferienangebot, das ebenfalls hier stattfand. Und jetzt?

Ortstermin am Haus Heliand, wo auf dem weiten Gelände gleich am Wald die Hühner im eigenen Gehege gackern. Sport- und Grillplätze gibt es hier, Klettermöglichkeiten und eine Seilbahn stehen bereit. Kürzlich wurde hier 90 Jahre Heliand-Pfadfinderschaft gefeiert. Natürlich unter Coronabedingungen mit einer eigenen Teststation, farbigen Bändchen für die Getesteten und Maskenpflicht in den Innenräumen. Man sei in der glücklichen Lage, anreisende Gruppen von einander zu trennen. "Die können bei uns unter sich bleiben und haben sogar ihre einen Speiseräume", sagt Hausvater Ralf Dreher,

Der Betrieb ist wieder etwas angelaufen. Trotzdem, nach einem Einbruch bei den Übernachtungen von 75 Prozent in 2020 kämpft das traditionsreiche Haus, weiter mit den Folgen der Coronabeschränkungen, zumal Übernachtungen ohnehin erst wieder seit 24. Juni dieses Jahres erlaubt sind.

Die Vorstellung vielleicht wieder in einen Lockdown samt Kurzarbeit gehen zu müssen, ist für den Hausvater nicht schön: "Das war schon gespenstisch. Das Team war da, aber keine Gäste. Es war so still." Dabei sollten doch die Stimmen von Kindern und Jugendlichen durch das Haus schallen. Seit Jahrzehnten machen Schulen ihre Klassenfahrten hier hin, Konfirmandengruppen gehören zur Stammkundschaft genauso wie Musikgruppen und Familien. Auch wenn im Haus viele Aktivitäten der evangelischen Jugendarbeit stattfinden, wird nicht zwischen Bekenntnissen unterschieden. Alle sollen sich wohlfühlen.

Mut und Sorge in Sachen Zukunft

Der Blick in die Buchungsanfragen fürs kommende Jahr macht erstmal Mut. Dennoch bleibt die große Frage, ob auch alle kommen oder ob wegen Corona doch wieder kurzfristig storniert wird. "Irgendwie ist alles auf Sand gebaut", sagt Hausvater Dreher. Sicheres Wirtschaften sieht anders aus, zumal die Betriebskosten bleiben.

Zuversicht ist angesagt. "Wir sind ein christlich getragenes Haus, deshalb haben wir Hoffnung", sagt Weide. "Wir hoffen einfach, dass die Leute bei uns buchen." Jetzt gelte es, über den Winter zu kommen. Er weiß zugleich, dass weiter in das Haus, dessen ältester Teil aus dem Jahr 1938 stammt und das immer wieder erweitert worden ist, investiert werden muss: Der große Saal könnte eine Sanierung gebrauchen. Die Elektrik steht genauso auf der To-Do-Liste wie das Mobiliar in den Gruppen- und Leitungsräumen. Langfristig muss energetisch saniert werden.

Zwar unterstützt die Evangelische Kirche von Hessen Nassau (EKHN) jede Übernachtung mit 15 Euro, das aber deckt zusammen mit den selbst generierten Einnahmen gerade mal die Betriebskosten, rechnet Weide vor. Für Investitionen brauche man weiterhin Unterstützung von außen. Für ihn Investitionen in die Zukunft, die das Haus auf jeden Fall habe, Kinder und Jugendliche könnten hier das soziale Miteinander einüben, sich ausprobieren und in einer guten Atmosphäre Selbstbewusstsein tanken. Gerade jetzt sei das wichtiger denn je, so Weide und Dreher einmütig. Schon deshalb dürfe das Haus "jetzt nicht draufgehen", sagt Johannes Weide.

Wer es unterstützen möchte, kann dies über diese Bankverbindung tun: Freizeitzentrum Haus Heliand, Zahlungsempfänger: FEJ FG HH, IBAN: DE 17 5206 0410 0604 1024 10.

Weitere Infos online unter www.hausheliand.de. Von Gabriele Calvo Henning

Hausvater Ralf Dreher (l.) und Johannes Weide vom FEJ vor dem Spiegel, auf dem die bunten Punkte für die vielen Spenden stehen.

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