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Jette Priedemuth hat ihr Sozialpraktikum beim Hospiz St. Barbara absolviert.

Jette Priedemuth

Schülerin berichtet über ihr Praktikum in einem Hospiz

Trauer, Tod, Sterbebegleitung eines nahestehenden Menschen - es gibt Erwachsene, die sich mit diesem Thema schwertun. Doch wie erleben Jugendliche, die selbst noch nicht so genau wissen, wer sie eigentlich sind, die Konfrontation mit dem Tod?

Jette Priedemuth ist 16 Jahre alt, und normalerweise macht man sich als Teenager wenig Gedanken über das Sterben. Trotzdem ist die Zehntklässlerin, die die Altkönigschule in Kronberg besucht, zweieinhalb Wochen lang auf Tuchfühlung mit dem Tod gegangen. Freiwillig - im Zuge des Sozialpraktikums an ihrer Schule. Während die meisten ihrer Klassenkameraden in Altenheimen oder in Inklusionskindergärten Dienst taten, hat sich Jette für das Hospiz St. Barbara in Oberursel als Praktikumsplatz entschieden. Jetzt hatte sie dort ihren letzten Arbeitstag.

"Den Ausschlag hat eigentlich eine Infoveranstaltung in der Schule gegeben", erinnert sie sich. "Die elften Klassen haben über ihre Erfahrungen im Praktikum gesprochen, und da war eine Schülerin dabei, die von der Arbeit im Hospiz erzählt hat", sagt Jette. "Das klang spannend, und ich wollte auf jeden Fall mal was ganz anderes machen." Als dann auch noch im Religionsunterricht das Thema Tod angesprochen wird, steht ihr Entschluss fest.

Per E-Mail beworben

"Ich habe eine Mail mit meinen Bewerbungsunterlagen an das Hospiz geschickt und bekam ziemlich schnell eine Rückmeldung mit der Einladung zum persönlichen Gespräch", berichtet die Schülerin. Doch vor dem ersten Arbeitstag sei sie doch sehr gespannt darauf gewesen, wie wohl der Kontakt mit den Gästen des Hospizes sein werde.

Jette Priedemuth wird in der Hauswirtschaftsabteilung der Einrichtung eingesetzt. Von 10 bis 16 Uhr hat sie dort fünf Tage pro Woche gearbeitet. "Ich habe geholfen, das Essen zuzubereiten und zu servieren. Habe nachgefragt, wer von den Gästen mittags gern Kaffee und Kuchen haben möchte. Ich selbst durfte zusammen mit den Gästen im Wohn- und Essbereich essen, und dadurch sind einige Kontakte und Gespräche entstanden", erinnert sich die Schülerin. "Die Gäste haben mir zum Beispiel erzählt, wie es damals bei ihnen in der Schule so war, aber oft haben wir auch nur über ganz Alltägliches gesprochen."

Sie selbst habe bisher zum Glück noch keinen Verlust einer nahestehenden Person verkraften müssen. "Aber mir ist natürlich klar, dass der Tod zum Leben gehört, und es ist schon traurig, zu wissen, dass die Gäste im Hospiz todkrank sind und sterben werden. Trotzdem ist es ein schöner Ort mit vielen Fenstern, die alles hell und freundlich machen, vielen Blumen und bunten Farben", beschreibt Jette die Einrichtung. Und sie zieht ein positives Fazit des Praktikums.

Um schöne Zeit bemüht

"Für mich hat der Tod jetzt nicht mehr so etwas Beängstigendes", stellt sie fest. "Das hat auch damit zu tun, dass ich hautnah mitbekommen habe, wie sehr den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen daran gelegen ist, den Gästen eine so gute und schöne Zeit wie nur irgendmöglich zu bescheren. Und auch die Angehörigen werden gut eingebunden", so die Kronbergerin.

"Es klingt vielleicht komisch, aber viele der Gäste haben auf mich zufrieden gewirkt. Sie freuen sich über Kleinigkeiten, zum Beispiel wenn sie mehr Appetit haben als sonst." Und noch etwas hat sich für Jette Priedemuth verändert. "Ich glaube, wenn das Thema irgendwann mal auf mich zukommt, dann werde ich damit besser umgehen können als vorher. Diese Erfahrung hilft mir vielleicht beim Verarbeiten meiner eigenen Trauer", vermutet sie. Doch das dauert hoffentlich noch recht lange, bis es so weit ist.

VON CHRISTINE SARAC

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