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Im Taunus wurde in der Vergangenheit gegen die Pläne der Stadt Frankfurt zum Bau eines neuen Stadtteils an der A5 protestiert. 

Neuer Frankfurter Stadtteil

"Die Vernunft hat gesiegt": Freude im Taunus über Aus für Josefstadt

Die Stadt Frankfurt muss ihre Pläne für den neuen Stadtteil voraussichtlich ad acta legen. In Steinbach und Oberursel ist die Erleichterung groß. 

Oberursel/Steinbach – Wenn am heutigen Freitag die 99 Mitglieder der Regionalversammlung zusammenkommen, um über verbindliche Kriterien für die künftige Entwicklung in Südhessen zu entscheiden, werden die ursprünglichen Pläne der Stadt Frankfurt zur sogenannten "Josefstadt" wohl endgültig zu den Akten gelegt.

Mit einem gemeinsamen Antrag haben CDU, SPD und Grüne bereits im Haupt- und Planungsausschuss in der vergangenen Wochen die Weichen dazu gestellt, dass der "Sprung über die A 5" für das Großprojekt nahezu unmöglich geworden ist. Damit hat der vehemente Widerstand der vergangenen Jahre aus den maßgeblich betroffenen Kommunen Oberursel und Steinbach sein wesentliches Ziel erreicht.

Oberursel und Steinbach: Kompromiss zur Josefstadt "sehr gute Lösung"

"Die Vernunft hat gesiegt!", jubelt die Initiative "Heimatboden-Frankfurt", die im September mehr als 3000 Demonstranten zu einer Menschenkette gegen die "Josefstadt" zusammengetrommelt hatte. Durch den schwarz-rot-grünen Kompromiss seien Eingriffe in Frischluftschneisen in Zukunft grundsätzlich ausgeschlossen. "Nach zweieinhalb Jahren Aufklärungsarbeit, vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen freuen wir uns über diesen gemeinsamen Erfolg", teilt die Bürgerinitiative, die in Weißkirchen entstanden ist, mit.

Auch in der Nachbarstadt ist die Freude groß. Als "sehr gute Lösung" bezeichnet Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) den erzielten Kompromiss. Er geht davon aus, dass damit eine Bebauung westlich der Autobahn endgültig vom Tisch ist. "Der Protest aus Steinbach und Oberursel hat sich gelohnt." Wichtig sei aber auch die Unterstützung durch Landrat Ulrich Krebs (CDU) und den Kreistagsvorsitzenden und Chef der CDU Hochtaunus, Jürgen Banzer, gewesen. Banzer hat als Fraktionsvorsitzender der CDU in der Regionalversammlung maßgeblich an der nun erzielten Lösung mitgewirkt.

Oberursel und Steinbach: Region entwickeln, aber "Raum zum Atmen" haben

"Wir haben damit einen gemeinsamen Nenner gefunden nach welchen Kriterien sich die Region Südhessen entwickeln soll", sagte er nun in einem Interview. Dabei gebe es eben "Grenzen des Wachstums". Banzer hatte selbst einen Sternmarsch gegen die Bebauung westlich der A5 organisiert. Den Vorwurf des Kirchturmdenkens wies er in dem Interview zurück. "Wir müssen die gesamte Region entwickeln." Dabei müsse das Klima beherrschbar bleiben und die Menschen, "noch genug Raum zum Atmen haben".

Die Diskussion um die "Josefstadt" dürfte mit dem Beschluss in der Regionalversammlung erst einmal beendet sein, erwartet Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). Den parteiübergreifenden Antrag bezeichnet er als "klugen Kompromiss, der sehr viele Emotionen wegnimmt". Auf der einen Seite berücksichtige er den Wunsch nach dem Erhalt von Grünflächen, andererseits ermögliche er weiteres Wachstum. Schließlich sei der Druck beim Thema Wohnraum enorm. Das gelte für Frankfurt genauso wie für Oberursel. Gleichzeitig sei bei größeren Bauprojekten auch überall mit Konflikten zu rechnen.

Oberursel: Weiter Skepsis wegen Josefstadt

Das dürfte auch für eine Bebauung östlich der A5 gelten. Die Bestimmungen des neuen Regionalplans beschränkten auch dort die Möglichkeiten Frankfurts, erläutert Oberursels Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne). Aus seiner Sicht sind die Vorgaben aber "eine gute gemeinsame Arbeitsgrundlage", um einen neuen Flächennutzungsplan zu erarbeiten. Die Diskussion in der Regionalversammlung habe deutlich gezeigt, dass es keine Mehrheit für eine Bebauung "auf unserer Seite der Autobahn gibt", betonte Fink.

Die Oberurseler Grünen gehörten zu den ersten, die sich vehement gegen die Pläne für einen neuen Frankfurter Stadtteil gewandt hatten. Ebenso wie der frühere Steinbacher Bürgermeister Stefan Naas (FDP). Der ist allerdings skeptisch, dass die "Josefstadt" mit dem heute zu erwartenden Beschluss tatsächlich beerdigt wird. Er sehe weiterhin die Gefahr, dass Frankfurt sein Vorhaben doch noch umsetzen könnte. Deshalb werde die FDP ihren eigenen Vorschlag noch einmal zur Diskussion stellen. Der sieht vor, dass eine Bebauung westlich der A5 ausgeschlossen wird, dafür im östlichen Teil des vorgesehenen Areals drei Quartiere entstehen können. 

Von Torsten Weigelt

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