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Wie es in der Konzernzentrale von Thomas Cook weitergeht, ist mehr denn je unklar. Die Hoffnung ist, dass zumindest 500 Arbeitsplätze am Standort erhalten bleiben. 

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Thomas Cook wird zerschlagen - Perspektive ist düster

Nach dem Verkauf der Reisebüros von Thomas Cook wird über weitere Teilverkäufe verhandelt. Ob und wie viele Arbeitsplätze in Oberursel erhalten bleiben, steht noch nicht fest. Kündigungen an die Beschäftigten kommen zum Monatsende.

Oberursel - Wer bis jetzt noch die vage Hoffnung hatte, es könnte doch etwas damit werden, dass sich für den in finanzielle Schieflage geratenen Reisekonzern Thomas Cook Deutschland ein Käufer finden würde, ist nun eines Besseren belehrt. Der vorläufige Insolvenzverwalter der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm hat klargestellt, dass der Markt das zurzeit nicht hergibt. Und wenn das Unternehmen nicht in einem Stück veräußert werden kann, dann eben in Stücken. Sprich: Thomas Cook Deutschland wird zerschlagen.

Der jüngste Coup ist der Verkauf von 106 Thomas Cook Reisebüros an Galeria Karstadt Kaufhof. Im Verkaufspaket enthalten ist auch die dazugehörende E-Commerce Plattform "Golden Gate", quasi die Online-Seite des physischen Reiseverkaufs. Hier können Kunden am PC buchen, hier werden entsprechende Apps und IT-Lösungen von IT-Spezialisten entwickelt, erklärt hww-Pressesprecher Harald Kettenbach. Interessant für die Übernahme durch Galeria Kaufhof seien sicherlich auch die Fülle an gesammelten Marktdaten gewesen.

Zerschlagung der deutschen Thomas Cook

Insgesamt, so hww, seien durch den Verkauf der Reisebüros und der E-Commerce-Plattform berufliche Perspektiven für rund 500 Arbeitsplätze entstanden. In ganz Deutschland wohlgemerkt, wo bislang 2100 Frauen und Männer in Lohn und Brot bei Thomas Cook standen. Ein knappes Viertel von ihnen kann also etwas entspannter in die Zukunft blicken.

Was aber bedeuten diese Zahlen für den Standort Oberursel, wo am Zimmersmühlenweg rund 1200 Beschäftigte der Deutschlandzentrale mit viel Engagement für die Rettung durch einen großen Käufer gekämpft haben? Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten in dem Haus, von dem aus seit 1992 Reisen verkauft werden. Den Grundstein hatte seinerzeit die NUR Touristic hier gelegt, also das Reiseunternehmen Neckermann.

Thomas Cook in Oberursel: Perspektive für wenige

Für die heute hier Beschäftigten hat der Verkauf der 106 Reisebüros und der dazugehörigen E-Commerce-Plattform zunächst nur wenig Auswirkung. Im IT-Bereich seien rund 45 Mitarbeiter davon betroffen und hätten dadurch eine neue berufliche Perspektive, so hww-Pressesprecher Kettenbach.

Dazu kämen nochmals 90 Beschäftigte, die für die zum Konzern gehörenden Öger Tours und Bucher Reisen gearbeitet haben. Wie vom vorläufigen Insolvenzverwalter zu hören ist, gibt es für beide konkrete Kaufangebote. Wobei jetzt schon so gut wie sicher ist, dass in diesem Fall für die Arbeitnehmer ein Umzug nach Hamburg (Öger) oder nach Meerbusch bei Düsseldorf (Bucher), wo diese Anbieter sitzen, anstehen könnte. Das Gros der Beschäftigten aber werde zum Monatsende "von der Arbeitspflicht entbunden", so Kettenbach, also gekündigt. Das operative Geschäft werde dann beendet. "Ab dem 1. Dezember kommt niemand mehr ins Büro", sagt der Pressesprecher.

Thomas Cook: Bangen und Hoffen in Oberursel

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) bezeichnet die Entwicklung am Standort Oberursel als "einen herben Rückschlag für uns alle. Wir hatten gehofft, dass es nicht so weit kommen würde." Man habe viel in den vergangenen Wochen unternommen und engen Kontakt zur Politik auf Landes- und Bundesebene sowie dem Insolvenzverwalter gehalten. "Doch leider sind unsere Appelle nicht gehört worden." 

Es sei umso bedauerlicher, weil die deutsche Gesellschaft von Thomas Cook gut gearbeitet habe. Dadurch, dass viele Mittel nach England an den Mutterkonzern abgeflossen seien, sei man nun in diese Situation geraten. Zugleich zeigt sich Brum gegenüber dieser Zeitung hoffnungsvoll, dass letztlich etwa 500 Arbeitsplätze vor Ort gerettet werden könnten. Der Bürgermeister hofft, dass sich in den kommenden Tagen noch einiges bewegt.

Thomas Cook in Oberursel: Gespräche über starke Marke Neckermann

Das wiederum passt zu Äußerungen des Pressesprechers beim vorläufigen Insolvenzverwalter hww, der auf weiterhin laufende Gespräche mit potenziellen Käufern unter anderem für das Franchise-System "Holiday Land" abhebt.

Und dann fällt doch noch der Name "Neckermann" - auch über diese "starke Marke" würden zurzeit Gespräche geführt, so Harald Kettenbach. Er sagt weiter: "Ich gehe davon aus, dass es noch im November weitere erfreuliche Transaktionen geben wird."

Von GABRIELE CALVO HENNING

Alle aktuellen Informationen finden Sie in unserem Newsticker zu Thomas Cook.

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