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Vanessa I. (hinten, Mitte) gab sich beim Empfang kämpferisch und kündigte an, den Taunuskarnevalszug nachholen zu wollen. Dafür erntete sie viel Applaus der anwesenden Narren. fotos: aw

Fastnacht

Fastnachtsumzug in Oberursel: Narren lassen sich nicht unterkriegen

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Der Fastnachtsumzug in Oberursel musste wegen starker Windböen abgesagt werden. Doch die Karnevalisten lassen sich nicht entmutigen und wollen den Umzug nachholen.

  • Umzug zu Fastnacht in Oberursel abgesagt
  • Starke Windböen machten Umzug unmöglich
  • Drittgrößter Fastnachtsumzug in Hessen soll nachgeholt werden

Oberursel - Echte Narren sind sturmerprobt und lassen sich nicht unterkriegen. Auch von einem Sturm mit Böen von bis zu 120 Kilometern pro Stunde nicht. Obwohl: Das eine oder andere Tränchen meinte Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) beim traditionellen Empfang am Fastnachtssonntag in den Augen einiger Narren gesehen zu haben. Kein Wunder, sollte doch der Taunuskarnevalszug gestern Nachmittag der Höhepunkt der Kampagne sein. Aber um 9 Uhr zog der Zugmarschall und Vorsitzende des Taunuskarnevalszug-Ausschusses im Vereinsring, Klaus Müller, die Reißleine und sagte den Zug ab.

Fastnacht in Oberursel: Starke Windböen vorhergesagt

"Wir hatten leider keinen Spielraum", sagte er. "Bei Windböen von über 60 Kilometern pro Stunde müssen wir absagen. Und nun waren Windstärken angekündigt, die doppelt so stark waren." Die Sicherheit der Zugteilnehmer und der Besucher könne er unter diesen Bedingungen nicht mehr gewährleisten. Man stelle sich vor, der Sturm wehe einen Dachziegel vom Haus an der Zugstrecke, und der lande inmitten der Zuschauer ...

Bereits seit zwei Tagen habe man sich immer wieder der Frage stellen müssen, ob der Zug stattfinden könne, sagte Müller im Gespräch mit dieser Zeitung. Dabei habe der Deutsche Wetterdienst zunächst noch Mut gemacht und von abflauenden Winden gesprochen, doch das habe sich leider nicht bewahrheitet.

Fastnacht in Oberursel: Drittgrößter Fastnachtsumzug in Hessen muss ausfallen

Müllers Handy war am Sonntagmorgen im Dauereinsatz. Schließlich ist der Orscheler Karnevalsumzug der drittgrößte in Hessen. Allen angemeldeten Gruppen musste abgesagt werden. "Vereinen von weither hatten wir schon vorab signalisiert, dass sie erst losfahren sollten, wenn klar ist, dass der Zug auch tatsächlich rollt", berichtete der Zugmarschall. Zudem nahm er Kontakt nach Oberhöchstadt auf. Hier bekam er die Zusage, dass alle Gruppen, die am Oberurseler Zug teilnehmen wollten, dort am Dienstag beim Zug durch "Fichtegickelshausen" teilnehmen dürfen. "Kurze Anmeldung genügt", sagte Müller. "Die Wagen sind gebaut und mit Kamellen beladen, also wäre es schade, wenn sie nicht zum Einsatz kämen." Für andere Gruppen stellte er den Kontakt nach Weilmünster her. Dort waren die Wetterprognosen günstiger, und der Karnevalszug konnte mit Wagen und Gruppen aus Oberursel aufgestockt werden.

Fastnacht in Oberursel: "Wir holen das nach!"

"Es ist die richtige Entscheidung", betonte auch Rathaus-Chef Brum und erntete mit dieser Aussage beim Empfang Applaus. "Es war bisher eine tolle Kampagne, mit tollen Sitzungen und vollen Sälen." Aber natürlich sei es für die vielen Vereine, die mit viel Herzblut für das Gelingen des Umzugs gearbeitet hätten, ein bitterer Moment. Es sei aber nicht auszudenken, wenn dieses fröhliche Fest durch einen Unfall überschattet worden wäre.

Gleicher Meinung war auch Vanessa I. Die Oberurseler Fastnachtsprinzessin hatte aber nach der ersten Enttäuschung bereits ihr Lachen wiedergefunden und gab sich kämpferisch: "Wir holen das nach!", meinte sie. "Außerhalb der Kampagne!" Sie werde dann zwar nicht mehr im Ornat daran teilnehmen können, aber ein Weg werde sich sicher finden, doch noch einen Zug stattfinden zu lassen. Schließlich hätten die Orscheler damit schon so ihre Erfahrungen gemacht.

Bereits um 10.30 Uhr am Sonntagvormittag begann der THW damit, auf der Adenauerallee die Sandsäcke wieder abzutransportieren.

Denn 1996 musste der Zug ebenfalls wegen einer Sturmwarnung abgesagt werden - und wurde im Sommer nachgeholt. "Und wenn es nicht durch ganz Oberursel geht, dann ja vielleicht nur durch Bommersheim", meinte Vanessa I., deren Heimatverein der Bommersheimer Carneval Verein (BCV) ist. Allerdings kann der Zug freilich nicht mehr als Fastnachtszug stattfinden, denn bekanntlich ist am Aschermittwoch alles vorbei - und die nächste Kampagne startet erst wieder am 11. November. Doch Vanessa I. hatte schon eine Idee: "Wir könnten den 33. Geburtstag des BCV mit einem Umzug feiern." Und da könnten ja die Fastnachtswagen und Gruppen doch noch zum Einsatz kommen.

Oberursel: Karnevalisten stehen zusammen

Einer, der den Ausfall besonders bedauerte, war Rolf Riegel. "Vor 25 Jahren war ich als Rolf II. Oberursels Karnevalsprinz. Mittlerweile wohne ich bei Regensburg und bin extra wegen meines Jubiläums nach Orschel gekommen, um den Zug zu genießen. Schade, dass das jetzt nicht klappt", sagte er.

Unterdessen begann der THW schon mit dem Abtransport der riesigen Sandsäcke, die zum Schutz vor terroristischen Attentaten entlang der Zugstrecke aufgestellt worden waren.

Harry Hecker, Chef des Narrenrats, sah sich durch die demonstrative Einigkeit der Narren beim Empfang bestätigt: "Wir Karnevalisten sind eine Familie. Wir stehen zusammen." Orschel. Helau!

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