1946 wird die Opel-Villa von den amerikanischen Besatzungsmächten übernommen. Sie bietet beste Voraussetzungen für den Aufbau der Organisation Gehlen, später Bundesnachrichtendienst (BND).
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1946 wird die Opel-Villa von den amerikanischen Besatzungsmächten übernommen. Sie bietet beste Voraussetzungen für den Aufbau der Organisation Gehlen, später Bundesnachrichtendienst (BND).

Usinger Land

Opel-Jagdhaus ist einer der Geburtsorte des Bundesnachrichtendienstes (BND)

US-Soldaten übernehmen die Villa im Anspacher Forst im Sommer 1946.

Usinger Land -Das Gefechtsgrollen des ausklingenden Weltkrieges werden sie gehört haben, die Bombenabwürfe, die Einschläge. Auch die den Anspacher Forst durchjaulenden Salven, mit denen US-Soldaten den sorgsam gehegten Rotwildbestand des Vorfahren niederstrecken. Als Nachfolger seines Onkels Fritz hat Georg von Opel mitsamt Familie - Ehefrau und Cousine Irmgard nebst beiden Kleinkindern - die letzten Kriegsjahre im Jagdhaus am Weihersgrund verbracht. Unbeschadet und fern der Verheerungen.

Am 24. August 1946 rollen amerikanische Jeeps durch das Tor und vor die Haustür, im Handstreich wird das prächtige Anwesen übernommen. Nach der Beschlagnahmung bleibt den Opels keine Zeit für die geordnete Räumung: Bilder, Jagdtrophäen, Porzellan und Möbel, die seit 1912 angesammelten Erinnerungsstücke, bleiben zurück. Der eilige Rückzug von Georg und Irmgard von Opel markiert eine Zäsur - kein Mitglied der Gründerfamilie hat seitdem die Waldvilla betreten und in Obhut genommen. Erst mehr als zwei Jahrzehnte später nimmt der Erbe in Begleitung seines nun erwachsenen Sohnes Carlo die geschichtsträchtige Stätte wieder in Augenschein, verschwendet an eine Wiederbelebung aber keinerlei Gedanken.

Formierung der Organisation Gehlen

Im Sommer 1946 bieten sich im abgelegenen Forstschlag mit unabhängiger Stromversorgung, Fernmeldeanschluss und genügend Stellplätzen beste Voraussetzungen für eine neue Nutzung. Das im Camp King bei Oberursel residierende US-Kommando ist im Begriff, seine Russland-Kenntnisse auf wissensstarke Fundamente zu stellen. Zusammengezogen werden nun unter strenger Geheimhaltung ehemalige Abwehrspezialisten der deutschen Wehrmacht, vormals Angehörige der Abteilung "Fremde Heere Ost" (FHO). Es sind die ersten Schritte auf dem Weg zum sogenannten Kalten Krieg und zur Formierung der Organisation Gehlen, aus der sich später der Bundesnachrichtendienst (BND) formieren wird.

"Das hat alles seinen Ausgang im Taunus genommen", sagt Bodo Hechelhammer, BND-Chefhistoriker und Mitverfasser des Grundlagenwerkes "Geheimobjekt Pullach". Während sich das Headquarter der Unternehmung im Norden Oberursels einrichtet, beziehen Presse- und Wirtschaftsfachleute das Schloss Kransberg, nehmen Teile der "Informationsbeschaffung" Quartier im Schmittener Hotel Wenzel.

Das mittlerweile mit einem neuen Zaun umgürtete und von Hunden bewachte Opel-Jagdhaus wird zum Arbeitsplatz von Hermann Baun, einem Spionage-Experten für "frontnahe Beschaffung" Der 1897 in Odessa geborene Offizier gilt als "Hauptträger des geheimen Nachrichtendienstes gegen Russland".

Räume in Oberursel werden zu klein

Mit etwa zwei Dutzend Leuten bevölkert Baun das Opelsche Aubach-Anwesen und ist angetan von der Abseitigkeit. Weil in Oberursel mit Einzug der Gruppe um Reinhard Gehlen - dem späteren Leiter des Bundesnachrichtendienstes - die Räume eng werden, steht eine Ortsveränderung bevor. Baun, so Bodo Hechelhammer, habe den größten Wert auf Abschottung gelegt.

In der Anspacher Waldung wird fortan nur der amerikanische Verbindungsmann Lieutenant Colonel Deane mit seiner wöchentlichen "Auftragserteilung" das einsiedlerische Dasein stören. Durch Erhöhung des Informationsvolumens und Rekrutierung weiteren Personals kommen auch die Kapazitäten im Opel-Haus an ihre Grenzen. Das Gastspiel deutscher Geheimdienstler bei Küstentanne, Swimming Pool und Klavier dauert jedenfalls kaum mehr als 13, 14 Monate.

Obwohl die Episode durchaus eine kurze genannt werden darf, formuliert Historiker Hechelhammer während eines Gesprächs: "Zum Opel-Jagdhaus wäre ein eigenes Buch zu schreiben." Eines, in dem auch Fürstin Maria Gisela Kudascheff ihren Auftritt haben muss. Als 19-Jährige hat die Tochter eines 1943 im Kaukasus gefallenen Generalleutnants ein dreiviertel Jahr in der Villa verbracht. "Ich sprach fließend Englisch und war als Dolmetscherin dort", so die 93-Jährige auf Anfrage des Verfassers. Für "den Dienst" sei sie nicht lange tätig gewesen, habe aber den Umzug Ende 1947 nach Pullach bei München noch mitgemacht. "Die Opel-Gebäude und der Park waren damals in einem tadellosen Zustand."

Maria Kudascheff erinnert sich an Hausangestellte, die "zur Firma" gehörten - keine "Auswärtigen" gewesen seien. Zwei Automobile nebst Fahrer sind ihr ebenso im Gedächtnis geblieben, wie der etwa 18-jährige Sohn von Hermann Baun. Einen besonderen Eindruck hat das von kühlem Quellwasser gespeiste Schwimmbecken hinterlassen: "Fast jeden Tag bin ich geschwommen - stets im Beisein unseres Schäferhundes." Von Olaf Velte

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