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Palette der Leidenschaften

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Das Ensemble Colorito zeigt die Lebendigkeit venezianischer Musik des 17. und 18. Jahrhunderts mit einem raschen Wechsel gegensätzlicher Stimmungen. © Red

Usingen . Dass Venedig im 17. Jahrhundert europäische Musikhauptstadt war, dürfte den wenigsten bekannt sein, meinte Katrin Ziegler, die im Ensemble Colorito das Barockcello spielt. Sie gab den Besuchern in der evangelischen Laurentiuskirche in Usingen eine kleine Einführung in die Venezianische Musik des 17. Jahrhunderts.

CD-Aufnahmen aus Usinger Kirche

Diese Musik prägte unter dem Titel »Affetti musicali« das vom Kulturkreis Usinger Land und der evangelischen Kirchengemeinde gemeinsam organisierte Konzert. Das Programm enthielt Stücke aus der gleichnamigen CD, die 2018 in der Usinger Kirche aufgenommen und 2020 veröffentlicht wurde. Das Barock-Ensemble beschäftigt sich mit historischer Aufführungspraxis, die alles andere als asketisch war, vielmehr spannungsreich und mitreißend. Ute Riemer am Cembalo und Toshinori Ozaki im Wechsel an der Theorbe und der Barockgitarre lieferten als Basso Continuo den harmonischen und rhythmischen Unterbau.

Spannend waren auf Originalinstrumenten die Interpretationen von Antonio Vivaldis Konzert für zwei Violinen a-Moll RV 522, mit Donata Wilken und Steffen Hamm an den Barockviolinen, und sein Konzert für Violoncello c-Moll RV 402.

Vivaldi dürfte wohl der bekannteste venezianische Komponist gewesen sein. Das restliche Programm stammte von beinahe unbekannten Komponisten des venezianischen Barock, von denen es laut Ziegler unzählige gegeben haben muss. Venedig verfügte auch über bedeutende Orchester und Musikschulen und in den Ospedali, den Waisenhäusern von Venedig, hat nicht nur Vivaldi Kinder aus ganz Europa musikalisch ausgebildet.

Kleine Opern ohne Worte

Bezeichnend ist aber, dass in Venedig bahnbrechende Musikgattungen entstanden. Vor allem wurden aus der Barockoper die Affekte als zentrales Gestaltungsmittel auf rein ins-trumentale andere musikalische Genres übertragen. Solche kleinen »Opern ohne Worte« präsentierte das Ensemble Colorito mit Giovanni Legrenzis »La Benaglia«, Alessandro Stradellas Sinfonia Nr. 22, Marco Uccellini »La Bergamasca«, zwei Sonaten von Dario Castello und einer Sonate von Francesco Turini.

Im Wechsel von häufig sehr gegensätzlichen Stimmungen präsentierte das Ensemble die reiche Palette menschlicher Leidenschaften wie Freude und Wut, Lebenslust und Traurigkeit. Mal schwungvoll tänzerisch, mal lyrisch zart, mal in wilden Temperamentsausbrüchen ließen die Musiker die an Stimmungen so reiche musikalische Aufbruchszeit lebendig werden.

»Das Lebendige in der Musik hat uns alle zu Musikern werden lassen. Wir Interpreten müssen selbst herausfinden, um was es geht«, beschrieb die Cellistin die Herangehensweise bei der Einstudierung. Die Zuhörer hatte es einfacher, sie genossen sichtlich die sprühende Lebendigkeit und Ausdruckskraft der Musik.

Da die Gemeinde den Kirchenraum für die CD-Aufnahme kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, spendete das Ensemble Colorito als Dankeschön den Konzerterlös der Kirche.

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