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Blick aufs ehemalige Vickers-Areal: 285 Wohneinheiten sollen hier entstehen. Mit Folgen für die Verkehrsführung rund um den Schaberweg, die Frölingstraße und die Schleußnerstraße. 

Kompromisse beim Verkehrskonzept fürs Vickers-Areal

Parkdruck im neuen Quartier

Knapp zehn Jahre nachdem die Stadt die Industriebrache zwischen Frölingstraße und Schaberweg gekauft hat, entsteht nun auf dem ehemaligen Vickers-Areal ein neues Wohngebiet mit rund 285 Wohneinheiten. Das hat auch Folgen für den Verkehr im Quartier.

Bad Homburg – 285 neue Wohneinheiten, eine Kita und ein Supermarkt entstehen auf dem ehemaligen Vickers-Areal im Bereich zwischen Frölingstraße, Schleußnerstraße und Schaberweg, und die Stadt bereitet derzeit den Umbau der Verkehrsanlagen - Straßen, Radwege, Gehwege, Bushaltestellen - in diesem Bereich vor.

In einem ersten Schritt wird demnächst mit dem Austausch des Entwässerungskanals in der Frölingstraße begonnen, von Mitte 2020 an sind Rohrleitungsarbeiten der Stadtwerke geplant, bevor dann von 2021 an nach und nach die Verkehrsanlagen um- und neu gebaut werden können. Mitte 2023 soll das alles fertig sein - und das Areal nicht nur aufgrund des Neubaugebietes, sondern auch aufgrund veränderter Verkehrsinfrastruktur nicht mehr zu erkennen sein. Stadtplanungsleiter Holger Heinze und Frank Lanfermann vom Ingenieurbüro Ohlsen GmbH in Grünberg erklärten am Donnerstag interessierten Bürgern im Rahmen einer Bürgerinformationsversammlung, was sich alles verändert.

100 Stellplätze fallen weg

Die Sache zusammengefasst: Im Schaberwegwird, bis etwa in Höhe des geplanten Supermarktes auf dem ehemaligen Vickers-Areal, die Einbahnstraßenregelung aufgehoben. Von der Schleußnerstraße kommend gilt die Einbahnregelung allerdings weiter, man kann von dort nach wie vor nicht in den Schaberweg einbiegen. Parkplätze bleiben wie gehabt. Radwege sind dort nicht vorgesehen. Das monierte Ralf Gandenberger, Sprecher des Arbeitskreises Radverkehr des ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) wies allerdings die Kritik von sich. Der ADFC selbst habe keinen Bedarf gesehen, den Schaberweg ins Radverkehrskonzept aufzunehmen.

In der südlichen Schleußnerstraßewerden auf der Ostseite neue Radfahrstreifen angelegt. Dabei sind die Spuren der Autofahrer und die der Radler durch eine Markierung voneinander getrennt. Auf der Westseite sind eine Busbucht und ebenfalls neue Radfahrstreifen. Die Spurzahl für Autos bleibt unverändert.

Die Schleußnerstraße bis Höhe Jacobistraßebekommt ebenfalls beidseitig Radfahrstreifen. Vom Hessenring kommend wird die Abbiegespur in die Frölingstraße verlängert. Das braucht allerdings alles Platz, und deswegen fallen Stellplätze weg.

In der Frölingstraße- wir sprechen von dem Teil ab Schleußnerstraße bis Urseler Straße - wird auf der Nordseite in Fahrtrichtung Humboldtschule ein Radfahrstreifen mit Schutzstreifen angelegt, in südliche Richtung ein Radweg (der in der Höhe baulich abgesetzt ist von der Autofahrbahn, aber auf gleicher Höhe ist wie der Gehweg). "Die Frölingstraße ist eine Hauptverkehrsroute für Fahrradfahrer, deswegen ist das so wichtig", betonte Heinze. Um das zu realisieren, entfielen deswegen auch auf einer Seite der Fröling-straße die Stellplätze komplett.

Zwei gegensätzliche Bedürfnisse konkurrieren bei der Planung der Verkehrsführung des neuen Vickers-Areals: die der Autofahrer und die der Radler. Das wurde bei der Bürgerversammlung im Kurhaus deutlich. 

Das Thema Wegfallen von Stellplätzen und dadurch entstehenden Parkdruck brannte vor allem den Anwohnern unter den Nägeln. Lanfermann sprach von 100 Parkplätzen weniger im Quartier. Das ist in etwa die Hälfte. Wie soll das gehen?, fragten viele Anwohner. Heinze zeigte sich verständnisvoll, betonte aber wie OB Hetjes, dass es sich um einen Kompromiss handele, denn es habe gegolten, viele Interessen zu berücksichtigen.

Außerdem habe das Verfahren zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept gezeigt, dass der Radverkehr künftig eine viel stärkere Rolle einnehmen werde - und dem müsse man Rechnung tragen. Entsprechend sei das Radverkehrskonzept mit in die Planung eingeflossen. Im übrigen könne eine Stadt nicht alle Parkplatz suchenden Autos im öffentlichen Straßenraum unterbringen. Schützenhilfe bekam er von einem Besucher der Veranstaltung, der sagte, der öffentliche Verkehrsraum gehöre schließlich nicht nur den Autofahrern.

Gleichwohl sieht die Stadt das Problem der Autobesitzer. Deswegen soll's für die Anwohner ein Nachtparkerangebot geben fürs Parkhaus "Am Bahnhof". Dort soll es Monatstickets für 35 Euro geben für jene, die ihr Auto zwischen 18 und 9 Uhr abstellen.

Ganz zufrieden waren aber auch die Radfahrer nicht. "Wenn Schutzstreifen schützten, wäre es toll", sagte ein Besucher, aber er sehe voraus, dass auf diesen Streifen dann wieder Anlieferverkehr parke und die Radfahrer, vor allem die zur Humboldtschule fahrenden Schulkinder, dazu zwinge, auf dem Gehweg zu fahren.

Nicht genug Abstand

Der ADFC betonte, dass "die derzeit vorliegende Verkehrsplanung nicht unseren Anforderungen an eine moderne Verkehrsinfrastruktur entspricht." Es gehe um die sichere Verkehrsführung für alle Verkehrsteilnehmer, vor allem auch die der Schüler der Humboldtschule", betonte Gandenberger - und die sei bei Radstreifen, die nur 1,85 Meter breit seien, einfach nicht gegeben. 2,30 Meter müssten es sein. Wie sonst sollten auch die 1,50 Meter Sicherheitsabstand beim Überholen zwischen Auto und Rad gegeben sein? "Dann müssten die Autos auf die Gegenfahrbahn fahren beim Überholen. Aber das tut ja niemand. Stattdessen quetschen sich die Autos eng an den Radfahrern vorbei."

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