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»Pechvogel« im Glück: Wirbel um ausgesetzten Hahn in Wehrheim

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Einsam und verlassen war der ausgesetzte Hahn im Wehrheimer Feld unterwegs, bis er gefunden wurde. Inzwischen hat er ein neues Zuhause. © Ingrid Schmah-Albert

Spaziergänger entdecken im Wehrheimer Feld einen Hahn und suchen den Besitzer. Der will das Tier aber nicht zurück, was in den Sozialen Medien Wellen schlägt. Doch am Ende wird alles gut.

Wehrheim. Am Ende ist dann doch noch alles gut ausgegangen für einen »entsorgten« Hahn: Das Tier konnte dank des Einsatzes seiner Retter und des Geflügelzuchtvereins in gute Hände vermittelt werden. Die neuen Besitzer sind ganz glücklich, denn es handelt sich um eine seltene Rasse, wie sich nun herausgestellt hat, und auch der Hahn dürfte sich über das neue, sichere Zuhause wohl freuen, nachdem er so schmählich einfach ausgesetzt worden war.

Frei herumlaufender Hahn im Feld sorgt für Aufsehen

Aber der Reihe nach: Anfang des neuen Jahres fanden Spaziergänger einen frei herumlaufenden Hahn zwischen Feld und Gebüsch oberhalb der Straße Am Ried. Zunächst noch davon ausgehend, dass der Hahn vielleicht ausgebüxt sein könnte, veröffentlichten die Finder Fotos und Aufruf in den sozialen Medien.

Tatsächlich meldete sich der Besitzer und gab in seinen Beiträgen auf Facebook zu, den Hahn absichtlich »natürlich entsorgt« zu haben, weil dieser ein »abartig viel krähendes Exemplar« sei. Er habe den Hahn dem Lauf der Natur, sprich dem Fuchs die Arbeit der Entsorgung überlassen wollen, bekannte sich der mutmaßliche Besitzer zu der Tat, die übrigens laut Tierschutzgesetz mit einer saftigen Geldbuße bestraft werden kann.

Besitzer wollte Hahn offenbar loswerden

Mit diesen Äußerungen hat der mutmaßliche Besitzer für viel Wirbel in den sozialen Medien gesorgt. »Wir reden aber bisher deshalb noch von ›mutmaßlich‹, weil wir nicht wirklich belegen können, dass er tatsächlich der Besitzer ist, und ob er selbst es war, der den Hahn ausgesetzt hat, oder vielleicht ein anderes Familienmitglied«, äußerte sich Markus Brockötter, Vorstand des Geflügelzuchtvereins, auf Nachfrage dieser Zeitung.

Er, ebenso wie die Finder des ausgesetzten Hahns, wollen daher von einer Anzeige zunächst absehen und lieber mit dem Besitzer sprechen. Es gehe nicht primär darum, jemanden anzuprangern, sondern vielmehr darum, klarzumachen, dass man Verantwortung übernimmt, wenn man sich ein Tier anschafft. Einen Hahn auszusetzen, sei vergleichbar mit dem Anbinden eines Hundes an einer Laterne auf dem Autobahnrastplatz, nennt Brockötter den traurigen »Klassiker« des Tieraussetzens als mahnendes Beispiel. »Das ist ein absolutes Unding, ein Tier einfach in der Natur auszusetzten und sich selbst zu überlassen. Das geht gar nicht, denn so ein Tier kann alleine in der freien Natur nicht überleben«, findet auch die Tierschützerin Karen Sander aus Pfaffenwiesbach klare Worte.

Geldstrafe bis zu 25 000 Euro möglich

Im Gespräch mit dieser Zeitung zitiert sie das Tierschutzgesetz. Gemäß Paragraf 3, Absatz 3 ist es verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. Das Aussetzen sei eine Ordnungswidrigkeit und könne gemäß Paragraf 18, Absatz 1 mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro bestraft werden. Komme das Tier zu Tode, könne dies sogar als Straftat gemäß Paragraf 17 mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden, weist die Tierschützerin auf die Konsequenzen hin.

So drastisch wird es in diesem Fall wohl nicht werden, zumal das Tier schnell in eine gute Obhut genommen werden konnte. Landwirt Paul Erich Etzel half beim Einfangen des Hahns und brachte ihn vorübergehend bei sich unter. »Wenn der Hahn nicht so schnell hätte weitervermittelt werden können, dann hätten wir ihn auf dem Vereinsgelände irgendwie unterbringen müssen, notfalls, wenn alle Stricke reißen, hätte ich ihn erst einmal selbst aufgenommen«, erklärte Brockötter.

Das Problem mit den »Streithähnen«

Dass dies nicht ganz so einfach ist, liegt daran, dass mehrere Hähne nicht unbedingt gut zusammenleben können. »Da gibt es mitunter ziemlich wilde Raufereien, nicht umsonst heißt es ›Streithähne‹ oder gibt es die berüchtigten Hahnenkämpfe«, macht Sander auf ein Problem aufmerksam.

Auch dass viel und laut krähende Hähne in der Nachbarschaft nicht gerade beliebt sind und schon oft auch zu rechtlichen Streitigkeiten geführt haben, ist ein Punkt, warum viele Hühnerhalter, wenn überhaupt, maximal nur einen Hahn halten. So ganz geht es aber nicht ohne, wenn man gerne weitere Tiere züchten will.

Wehrheimer Geflügelzüchter bieten Unterstützung an

Der hier gefundene Hahn sei ein »schwedischer Bluesilverrudd« (auch »Silverrudd blau« genannt), hat Brockötter herausgefunden. Eine bisher in Deutschland noch eher seltene, aber zunehmend beliebte Rasse, wie er ausführt.

Umso mehr freuen sich alle Beteiligten, dass der Hahn gerettet werden konnte. »Bei allem Verständnis dafür, dass man mit einem Haustier doch auch überfordert sein kann, gibt es immer die Möglichkeit, sich bei Experten Rat zu holen und eine Lösung zu finden«, macht Brockötter deutlich und bietet an, zumindest bei Hühnern, Tauben oder anderem Geflügel zu helfen. »Der Verein hat eine beratende Funktion«, erklärt Brockötter. Wer also diesbezüglich Rat sucht, kann sich an Markus Brockötter unter Tel. 01 78/4 54 82 89 wenden.

Ingrid Schmah-Albert

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