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Pegel fallen, Verbrauch steigt

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So ist es richtig: Dieser Mann zapft auf Usinger Gemarkung sein Brauchwasser für den Garten an einer öffentlich zugänglich gefassten Quelle - wo das Wasser aus einem Rohr kommend sonst im Erdreich versickert. © pieren

Kommunen sorgen sich um Trinkwasser und appellieren an Bürgerschaft

Usinger Land -Mit den seit Wochen andauernden heißen Frühsommertagen sowie den nach Wasser lechzenden Gärten und Blumenrabatten sind die Erinnerungen an die Dürresommer der Jahre 2018 bis 2020 wieder präsent - mit all den schmerzhaften Folgen für den Taunuswald. Heißt es im geschundenen Forst nur "abwarten und beobachten", so schrillen in den Kommunen bei der Frage nach der Wassersicherheit bereits mehr oder weniger laut die Alarmglocken.

Grävenwiesbach ist die erste Kommune, die - wie berichtet - bereits Mitte Juni den Trinkwassernotstand ausgerufen hat, der vorerst bis Mitte Juli gilt. Der Gemeindevorstand forderte gemäß der nun aktivierten Gefahrenabwehrverordnung bei Notständen die Bevölkerung auf, den Verbrauch von Trink- und Brauchwasser deutlich zu drosseln. Über Verhaltensweisen und Auflagen informiert die Gemeinde online auf www.graevenwiesbach.de.

Wasserampel

in Schmitten rot

Dramatisch ist die Situation bereits in Schmitten, wo die sogenannte Wasserampel am Montag auf "Rot" gestellt werden musste. "Es ist erst Mitte Juni - vor diesem Hintergrund betrachte ich die aktuelle Trinkwassersituation als sehr kritisch", sagt Sebastian Kral, der stellvertretende Wassermeister der Feldberggemeinde. "Die Schüttmengen der Quellen sind stark rückläufig, einzelne Quellen sind bereits versiegt. "

Demnach müssen aktuell bereits die gemeindeeigenen Tiefbrunnen diese fehlenden Mengen ausgleichen. Bedenklich: Auch die Liefermengen der überörtlichen Versorgungsverbände werden voll ausgeschöpft. "Parallel zu den sinkenden Ständen des Grundwassers müssen wir derzeit leider auch einen stark steigenden Wasserverbrauch feststellen", so Kral.

Im Durchschnitt stieg der Verbrauch zuletzt demnach um mehr als 30 Prozent. Diese großen Mengen könnten auf Dauer keinesfalls ausgeglichen werden. Sollte sich keine Verbesserung im Verbrauchsverhalten der Bevölkerung zeigen, wäre der nächste Schritt der "Trinkwassernotstand". Auch dem Wasserbeschaffungsverband Usingen, einem Zusammenschluss der Städte Usingen, Neu- Anspach sowie der Gemeinde Wehrheim, bereitet die aktuelle Hitzesituation Sorgen, da der Trinkwasserverbrauch hier ebenso und gerade an den Wochenenden immens gestiegen ist.

Pro-Kopf bis zu 170 Liter gestiegen

"Der Pro-Kopf-Verbrauch an diesen heißen Tagen erhöhte sich um täglich 30 bis 40 Liter auf nunmehr 155 bis 170 Liter", teilt dazu der technische Betriebsleiter des WBV Steffen Körber auf Anfrage mit. "An einem normalen Tag liegt der Verbrauch pro Bürger lediglich bei 125 bis 130 Litern."

Da sich im Vergleich zu den Vorjahren die Brunnen des WBV Usingen aufgrund der höheren Niederschläge im Jahr 2021 leicht erholen konnten, könne man den momentanen Mehrverbrauch noch kompensieren und sehe sich noch nicht gezwungen, einen Trinkwassernotstand in Betracht zu ziehen. Bei den oberflächennahen Gewinnungsanlagen wie Schürfungen und Stollen werde ein Rückgang der Wassermengen festgestellt. "Der WBV-Usingen arbeitet gerade mit Hochdruck an einer 'Wasserampel', die in der kommenden Woche freigeschaltet werden soll", so Körber.

Wie andernorts können sich dann auch die Bürger von Usingen, Neu-Anspach und Wehrheim tagesaktuell über dieses Instrument darüber informieren, wie es um die Wasserversorgung steht und wie alle einem erhöhten Verbrauch entgegenwirken können. Wenn sich an dem Verbrauchsverhalten nichts ändern sollte, müsse man Einschränkungen aussprechen, um die Grundversorgung sicherstellen zu können.

"Wasser ist ein kostbares Lebensmittel", sagen die beiden Bürgermeister Götz Esser (FWG / Weilrod) und Gregor Sommer (CDU / Wehrheim) wortgleich und rufen damit die Bevölkerung zum verantwortlichen Umgang mit Trinkwasser auf - und das, obwohl die Wasserversorgung in beiden Kommunen, anders als in Schmitten oder Grävenwiesbach, noch nicht ganz so angespannt ist.

"Mir ist es völlig unverständlich, wie manche Bürger das kostbare Lebensmittel zum Rasensprengen verschwendet", so Esser im Gespräch. "Es ist wie in den Vorjahren: gerade dann, wenn die Versorgungslage schwierig wird, steigt die Menge des Pro-Kopf-Verbrauches zum Teil deutlich."

Ihn treibe die Frage um, wie den Menschen die Möglichkeit Wasser zu sparen, nahe gebracht werden könne. Es sei ein Einfaches, weniger lang zu duschen oder auch Brauchwasser zu sammeln und zum Blumengießen zu nutzen. "Leider machen sich viele Bürger keine Gedanken darüber, wie aufwändig und kostspielig es zudem ist, Trinkwasser aufzubereiten. Trinkwasser aus den Hähnen ist eigentlich viel zu billig.

Beide Bürgermeister wissen nur zu gut, dass viele Besitzer auch regelmäßig Schwimmbecken mit neuem Wasser füllen - frei nach dem egoistischen Denken: ich bezahle ja auch dafür. "Der Rasen kann und darf auch braun werden, er wird auch wieder grün", sagt Gregor Sommer. "Im Bewusstsein der Menschen muss ein Umdenken stattfinden. Wir alle müssen unseren Beitrag zur Einsparung von Trinkwasser leisten." map

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