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Tanja Klein lebt in Wales

Eigentlich hatte sie einen anderen Traum

Wie eine Pfaffenwiesbacherin in Großbritannien glücklich wurde

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Tanja Klein ist von Pfaffenwiesbach nach Großbritannien ausgewandert und arbeitet dort als Tierkrankenschwester. Von Wales aus beobachtet sie den Brexit mit Sorge, die Radikalisierung vieler Leute sei spürbar.

Pfaffenwiesbach - Tanja Klein lebt und arbeitet seit über fünf Jahren als Tierkrankenschwester in Wales für ein Unternehmen namens „Vets Now“, das sich auf Tier-Notfallmedizin an Tagesrandzeiten spezialisiert hat. Eine Tierkrankenschwester („Vet Nurse“) ist besser qualifiziert als eine deutsche Tierarzthelferin. Klein lebt in Glan Conwy an der Nordküste, „einer der landschaftlich schönsten Gegenden der britischen Inseln“, sagt Klein.

Eigentlich wollte die Pfaffenwiesbacherin in Australien leben 

Der große Traum der gebürtigen Pfaffenwiesbacherin war es, sich ein Leben in Australien aufzubauen. Nur deshalb wurde sie auch Tierkrankenschwester, um in Australien leben zu können. Doch leider platzte der Traum. „Die Einwanderungsbestimmungen in Australien sind sehr streng. Wenn man über 30 ist, keine Blutsverwandten dort hat und nicht gerade ein Arzt, ein Ingenieur, ein Handwerker oder ein Koch ist, hat man es schwer, in Australien eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung zu bekommen“, sagt die 50-Jährige. Einziger Weg: Studium.

Darum wurde Tanja Klein "Vet Nurse"

Da Klein zu dem Zeitpunkt, als sie sich entschloss, in Australien Fuß zu fassen, bereits über 40 Jahre alt war und damals ihre früheren Tätigkeiten in Deutschland nicht auf der Liste der gesuchten Berufe standen, gab es für Klein nur den Weg des Studiums. „Zum Glück stand ,Vet Nurse‘ damals noch auf der australischen Liste der ,gesuchten Berufe‘, so dass die Studienwahl in diesem Fall für mich einfach war, da sie nicht nur bezahlbar war, sondern auch meinen Neigungen entsprach und in dem Gebiet Australiens angeboten wurde, wo ich bereits Bekannte hatte und mich sehr wohl fühlte“, berichtet die Tierfreundin. 

Es war ein langer bürokratischer Prozess

Nach Abschluss des zweijährigen Studiums hätte Klein laut Studenten-Visum normalerweise drei Monate Zeit gehabt, einen „Sponsor“ zu finden. Um einen ausländischen Mitarbeiter sponsern zu dürfen, müssen australische Arbeitgeber viele bürokratische Prozesse durchlaufen und Gebühren an den Staat zahlen, sagt Klein. Sie hatte Glück, und nach einem Praktikum wurde ihr eine Anstellung als „Vet Nurse“ bei einem landesweit operierenden „Tiermedizinischen Notfall Service Provider“ angeboten, der sich unter anderem in einer örtlichen Klinik in Adelaide eingemietet hatte. 

Immer wieder zieht es sie nach Australien

Jedoch war nur eine Stelle mit 24 Wochenstunden frei. Für ein Visum hätte Klein aber eine mit mindestens 36 Wochenstunden benötigt. Dies war dem Unternehmen jedoch nicht möglich. „Nachdem ich Australien verlassen musste, hatte ich vielmehr Heimweh nach Down Under, als ich es jemals nach Deutschland hatte. Daher bin ich auch froh und dankbar, dass mir mein aktueller Job die Möglichkeit gibt, einmal im Jahr für drei bis vier Wochen nach Australien zu reisen, um meine Freunde dort zu besuchen“, sagt Klein. Doch mittlerweile sei ihre Heimat auch ihr aktueller Wohnort Glan Conwy mit dem nahe gelegenen Nationalpark „Snowdonia“, der nur zehn Auto-Minuten entfernt liegt. 

In Nord-Wales lebt sie in einer kleinen Hütte zusammen mit ihrem Kater Wilson. Das „Schmierentheater namens Brexit“ verfolgt Klein natürlich. Sie findet es beängstigend. Um sich selbst macht sie sich keine Sorgen, seit Anfang Februar besitzt Klein nämlich ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht. „Nach einem weiteren Jahr kann ich mich ab Februar 2020 für eine doppelte Staatsbürgerschaft bewerben – sofern Theresa Mays ausgehandelter Deal mit der EU nicht ein drittes Mal vom Britischen Parlament blockiert wird und UK die EU ohne einen Deal dieses Jahr verlässt.“ 

Dank akzentfreiem Englisch hat sie sich gut integriert

Mit dem Referendumsergebnis habe der Fremdenhass spürbar zugenommen, er wird seitdem „nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand offenbart, sondern öffentlich praktiziert – in Wort und Tat“, berichtet die Tierkrankenschwester. „Ich habe noch Glück; Dank meiner Hautfarbe und meines fast akzentfreien Englischs gehe ich als ,gut integriert‘ durch und werde hier im ländlichen Nord-Wales in der kleinen Dorfgemeinschaft, in der ich lebe, gut akzeptiert. Das wäre vermutlich etwas anders, wenn ich eine andere Hautfarbe hätte und eine fremdländische Kopfbedeckung tragen würde . . .“, sagt Klein. 

Etwas könne sie den EU-Frust der „Brexiters“ verstehen, doch in der zunehmenden Globalisierung brauche Großbritannien die Europäische Handelsunion mehr denn je. Eine Rückkehr nach Deutschland ist kein Thema. Nur falls ihr Vater (81), bei dem sie aufgewachsen ist, pflegebedürftig werden würde, käme das in Frage. Mit einer doppelten Staatsbürgerschaft könnte sie auch nach einem längeren Deutschlandaufenthalt wieder nach Wales zurückkehren. Sowohl ihren Vater als auch ihre Mutter (75) besucht Klein in Wehrheim regelmäßig. „Dank WhatsApp, E-Mail & Co wissen meine Eltern immer, was bei mir los ist.“

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