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Der Rhein-Main-Verkehrsverbund und das Land Hessen hatten einen Prototyp des mit Wasserstoff angetriebenen Triebfahrzeugs bereits im vergangenen Jahr in Wiesbaden vorgestellt.

Start 2022

Pilotprojekt: RMV kauft 26 durch Wasserstoff angetriebene Züge für die Taunusbahn

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Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 sollen neue, mit Wasserstoff angetriebene Triebfahrzeuge auf der Taunusbahn und drei weiteren Bahnlinien im Taunus an den Start gehen.

Dem Zugverkehr im Taunus steht ein Epochenwechsel bevor. Parallel zu den S-Bahnen der Linie S 5, die ab Dezember 2022 bis Usingen fahren sollen – die rechtzeitige Elektrifizierung der Strecke vorausgesetzt – sollen dann sogenannte Wasserstoff-Züge die derzeitigen Diesel-Triebwagen ersetzen.

Noch ziehen auch die gelbengrauen HLB-Triebfahrzeuge der Taunusbahn eine leichte (Diesel-)Rußfahne hinter sich her, wenn sie über die kurvige Bahnlinie aus dem Vordertaunus ins Usinger Land fahren. Die Dieseltriebwagen der Hessischen Landesbahn sind zwar gewiss nicht mehr mit den alten „Dieselschleudern“ der damaligen Deutschen Bundesbahn zu vergleichen. Doch sie sollen durch einen komplett emissionsfreien Zugverkehr ersetzt werden.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und das Land Hessen haben den Taunus als hessische Pilotregion für diesen Wandel vorgesehen. Vergangenes Jahr hatte der RMV die Anschaffung von 26 Wasserstoff-Triebfahrzeugen mitsamt der benötigten Instandhaltung europaweit ausgeschrieben.

Neue Infrastruktur

RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann teilte auf TZ-Anfrage mit, dass noch in der ersten Jahreshälfte der Kaufvertrag für das entsprechende Gesamt-Paket unterzeichnet werden soll. Doch bis die mit Wasserstoff getriebenen Züge im Dezember 2022 auf Achse gehen, muss erst einmal die Infrastruktur geschaffen werden.

Für die erforderliche Infrastruktur werden derzeit verschiedene Optionen geprüft. Eine davon befindet sich im Industriepark Höchst der Infraserv. „Dort fallen jeden Tag sieben Tonnen Wasserstoff als Nebenprodukt an – eine Menge, die für den voraussichtlich benötigten Verbrauch mehr als ausreicht. Das passende Tankstellen-Konzept liegt bereits vor“, teilt dazu der RMV mit (siehe Info-Box).

Doch wie sicher ist eigentlich die neue Technik? Die emissionsfreien Züge haben auf dem Dach einen Wasserstofftank und eine Brennstoffzelle. Diese gewinnt elektrische Energie aus der Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser. Dabei entsteht Strom, der wiederum die Lithium-Akkus an Bord auflädt und treibt den Elektromotor an.

Sichere Technik

Anstelle von Dieselschwaden kommt Wasserdampf aus dem Auspuff. Außerdem ist der Zug mit einer Batterie ausgestattet, die die an Bord erzeugte elektrische Energie zwischenspeichert und Bremsenergie rückgewinnt. Laien, die den Begriff Wasserstoff hören, haben dabei eventuell die Bilder der Zeppelin-Katastrophe von Lakehurst vor Augen.

Doch Infraserv-Projektleiter Prof. Dr. Thomas Bayer kann eventuelle Ängste der Anwohner zerstreuen. „Gefahren gibt es auch bei klassischen Verbrennungsmotoren. Die Menschen haben längst gelernt, damit zu leben“, so Bayer. „Jede Form von Treibstoff hat ein Risiko. Es ist die Aufgabe von Experten, die Technik sicher zu machen.“

Im Industriepark Höchst ist die Brennstoffzellen-Technik längst Alltag. Dort wird in der Industrieproduktion anfallender Wasserstoff zum Beispiel dafür genutzt, um Brennstoffzellen-Busse zu betanken. Der Wasserstoff wird also wiederverwendet.

Bei Benzinmotoren von Kraftfahrzeugen bestehe viel eher die Gefahr einer Explosion, wenn ein Tank leckt und eine Gas- und Dampfwolke entweicht und diese mit einer Flamme entzündet werde, so Bayer. „Der Vorteil beim Wasserstoff ist es, dass dieser bei einem etwaigen Leck nach oben austritt“, erläutert der Projektleiter. „Da sich der Tank auf dem Dach des Zuges befindet, wird entweichendes Gas nach oben austreten und lediglich wie eine Fackel verbrennen.“

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