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Politik ist sauer auf die Bahn

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Mobilitätsausschuss macht seinem Unmut über die geplanten Einschränkungen Luft

Hochtaunus -Einstimmig und vor allem nachdrücklich hat der Mobilitätsausschuss den Magistrat aufgefordert, bei RMV und Bahn darauf hinzuwirken, das drohende Chaos auf den Bahnstrecken zwischen Taunus und Frankfurt abzuwenden. Dabei solle die Verwaltung nicht darauf warten, dass der Beschluss am 21. Juli vom Parlament formal bestätigt wird.

Der Tenor: Es ist Eile geboten, aber zumindest könne man "die große Katastrophe", wie Philipp Herbold (FDP) die in den Ferien anstehende Häufung von Streckensperrungen und Fahrplan-Ausdünnungen auf S5, U-Bahnen und Taunusbahn bezeichnete, noch abwenden.

Zwei Anträge der CDU und der Grünen lagen dem Gremium vor, die zusammengeführt und auch von den Vertretern der anderen Fraktionen unterstützt wurden. Sich mit der CDU zusammentun? In diesem Fall: gern. Frauke Thiel (Grüne) schlug vor, CDU-Punkte zu übernehmen. Auch Dr. Roland Mittmann (CDU) zeigte sich offen, betonte aber: "Wir sollten beide Anträge in Gänze zusammenführen - in der Hoffnung, dass wenigstens irgendwas davon umgesetzt wird . . . "

Der Magistrat soll sich demnach bei den "verantwortlichen Behörden und Institutionen dafür einsetzen, dass die S 5 auch in den kommenden drei Monaten durchgehend ohne Umstieg zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof und Bad Homburg verkehrt". Wegen der Dringlichkeit solle er sich direkt mit der Geschäftsleitung der DB Netz AG, Niederlassung Mitte, und dem RMV in Verbindung setzen. Außerdem solle zumindest die Fahrtdauer angeboten werden, die seit Januar trotz der beschädigten Brücke über die A 5 möglich war. Dafür müssten die "notwendigen technischen und personellen Maßnahmen zur sicheren Durchführung des Betriebs" seitens der Bahn getroffen werden.

Sollte ein Umstieg in Frankfurt-Rödelheim zwingend nötig sein, wäre zumindest eine Verlagerung des Umsteigeortes von Oberursel nach Bad Homburg das Ziel. Die 20 Minuten lange Umsteigezeit in Richtung Frankfurt müsse in jedem Fall deutlich reduziert, die Taunusbahn bis Oberursel verlängert werden, so lange bei der S 5 ein Umstieg in Oberursel nötig ist. Alternativ soll der 15-Minuten-Takt zwischen Bad Homburg und Oberursel wieder aufgenommen werden, heißt es in dem Antrag.

FDP warnt vor "Katastrophe"

Übergeordnetes Ziel müsse es sein, dass die Anbindung der betroffenen Stationen im Hochtaunuskreis nicht über die Baumaßnahmen hinaus erschwert wird. Der Ausschuss plädiert für ein gemeinsames Auftreten aller betroffenen Kommunen und des Kreises. Grünen-Politikerin Thiel betonte, dass es an der Bahn-Brücke über die Autobahn zunächst keine Bautätigkeit gebe, sondern die Bahn für den aktuellen Pendelverkehr Kapazitätsgründe geltend mache.

Herbold sagte, die FDP bringe einen Antrag mit gleicher Stoßrichtung in den Ausschuss des Kreistags ein. "Es ist für den Hochtaunuskreis ein Problem." Bei allem Verständnis für Reparaturen, ja sogar vor dem Hintergrund, dass im Sommer die Fahrgastzahlen niedriger lägen: "Alles gleichzeitig zu machen ist eine grobe Fehlplanung!" Und egal, was man vom 9-Euro-Ticket halte: "Man will damit für den ÖPNV werben - aber nach der Planung fahren die Leute nicht mehr mit dem ÖPNV." Er erinnerte daran, dass zumindest der RMV "kein Elfenbein-Turm" sei, die Gesellschafter, also die Gebietskörperschaften, dort auch Plätze im Aufsichtsrat hätten. "Da ist zu erwarten, dass sie die Stimme erheben."

Armin Johnert (BLB) stellte sich hinter Herbold ("das, was jetzt passiert, ist das Gegenteil von ÖPNV-Förderung"), merkte jedoch an, dass das Rathaus von sich aus hätte aktiv werden sollen. Jetzt sei es reichlich spät.

Dem entgegnete Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak (CDU): "Wir waren schon aktiv, aber nicht erfolgreich - und ich fürchte, das bleibt so." Vom jetzt beschlossenen Antrag dürfe man sich nicht zu viel versprechen. "Wenn die Bahn einmal etwas beschlossen hat, rückt die nicht davon ab - egal, wer da was macht."

Vielleicht wird ja wenigstens der Appell von Beate Denfeld (SPD) gehört, über eine Gleis-Änderung in Rödelheim nachzudenken. "Derzeit müssen alle Leute zum Umsteigen durch die Unterführung." Das sei für gehbehinderte Menschen ohnehin problematisch, doch bei lediglich vier Minuten Umsteigezeit auch gar nicht zu schaffen . . . Dem schloss sich der Ausschuss an. In Oberursel auf den Anschluss 20 Minuten zu warten, um in Rödelheim - inklusive Gleiswechsel und Gang durch die Unterführung vier Minuten zu haben -, das sei suboptimal gelöst. hko

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