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Die allermeisten Radfahrer sind ? wie diese beiden Herren auf dem Weiltalweg ? mit reiner Muskelkraft oder mit elektronischer Unterstützung unterwegs. Aber es gibt auch schwarze Schafe.

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Polizei warnt vor frisierten E-Mountainbikes

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Zum Auftakt der Radsaison warnt die Polizei die E-Bike-Fahrer, ihre Räder auf mehr Geschwindigkeit zu frisieren. Auch im Usinger Land sind getunete Mountainbikes unterwegs – mit hohem Risikopotential.

Mofas frisieren und am ersten eigenen Auto in der heimischen Garage schrauben: In den 1980er Jahren trafen sich ganze Cliquen nächtelang zum Aufbrezeln ihrer fahrbaren Untersätze. Durch die Weiterentwicklung der Kfz-Technik ist heute kaum noch ein privates Tuning möglich.

Heute sind es vor allem Mountainbiker, die von dem Wunsch beseelt sind, ihr Gefährt technisch aufzumotzen. Eine Entwicklung, vor der die Polizei gerade jetzt zu Beginn der Radsaison eindringlich warnt.

„Wenn man mit 40 Stundenkilometer oder mehr ohne Helm unterwegs ist, besteht die Gefahr erheblicher Verletzungen“, sagt etwa Polizeisprecher Jörg Reinemer. „Werden E-Bikes getunt, um schneller als 25 Kilometer pro Stunde (km/h) zu fahren, drohen zudem Probleme wegen fehlender Fahrerlaubnis und Versicherung. Es drohen erhebliche Konsequenzen.“

Noch sind der Polizei bei Kontrollen kaum frisierte E-Bikes aufgefallen. Doch geht sie von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Das liegt wohl auch daran, dass es vor allem die Fahrer von so genannten E-Mountainbikes sind, die den batteriebetriebenen Elektro-Antrieb ihrer Räder frisieren. Und die sind zumeist im Taunuswald unterwegs, wo keine Kontrollen stattfinden können.

Doch auch im Usinger Land sind aufgemotzte E-Bikes unterwegs. „Es gibt einige wenige schwarze Schafe auch bei uns in der Region, die ihre E-Bikes frisieren“, sagt dazu Rolf Becker vom gleichnamigen Fahrrad-Geschäft in Usingen-Eschbach. „Das ist aus Sicherheitsgründen fahrlässig bis gefährlich, weil die Fahrradrahmen und die Statik der E-Bikes nicht auf deutlich höhere Geschwindigkeiten ausgerichtet sind.“

Besonders bedenklich ist seiner Einschätzung nach, dass es in der Szene sogar auch Händler gibt, die beim Tunen helfen. Es reicht demnach völlig aus, die Software der E-Bikes zu manipulieren. Die drohende Gefahr ist vorprogrammiert: Rahmenbrüche führen zu einem deutlich höheren Sturz- und Verletzungsrisiko. Auch der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) geht von einem „ernstzunehmenden Problem“ aus.

Die Gefahr ist auch deshalb ernst zu nehmen, weil nach Einschätzung der Polizei bereits 3,5 Millionen E-Bikes deutschlandweit unterwegs sind.

„E-Bikes, E-Bikes, E-Bikes. . . “, beschreibt auch Rolf Becker die aktuelle Nachfrage in seinem Fahrrad-Fachgeschäft. „E-Bikes werden längst nicht mehr nur als Tiefeinsteiger mit 7-Gang-Nabenschaltung von Senioren gekauft und gefahren. Längst bestimmen Rennräder, Trekking- und Cross-Räder als E-Bike das Sortiment – und vor allem E-Mountainbikes“, sagt der Fahrradhändler.

Vor dem Hintergrund der technologischen Entwicklung muss eigentlich bei den E-Bikes gar nicht getunet werden. Nach seinem aktuellen Top-Favoriten unter den neuen E-Mountainbikes gefragt, gerät Rolf Becker ins Schwärmen und lobt die Fahreigenschaften und Technik eines neuen Radmodells in der Art, wie man es sonst nur aus der Automobilbranche kennt.

„Wer das ,No Pogo E‘ einmal gefahren ist, spürt den Unterschied sofort. Die Fahreigenschaften sind genauso genial wie die Bodenhaftung, der Antrieb und die Abstimmung mit dem Fahrwerk“, sagt Becker.

Das legendäre All-Mountainbike „No Pogo E“ mit Full-Suspension-Federung sei durch den zusätzlichen, kraftvollen Bosch-Antrieb zu einem idealen Partner für den Taunus und vor allem die Trails in den Alpen weiter entwickelt worden. „Es macht alles mit, verzeiht fahrtechnische Sünden, gibt Sicherheit und hilft im richtigen Moment“, sagt Becker. Das „Fully“ habe ein so ruhiges Fahrwerk, dass man die Federung gar nicht spüre.

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