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Forst

Das Prestigeprojekt „Holzagentur“: Neue Konkurrenz im Wald - 20 Kommunen sind dabei

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Der Taunus wird hessische Forst-Geschichte schreiben. Mit der „Holzagentur Taunus“ wird erstmals in Hessen eine gemeinsame Vermarktungsstelle das im Kommunalwald „geerntete“ Holz zentral verkaufen. Dabei geht es um richtig viel Geld.

Es geht um Geld – viel Geld. Konkret sind es Millioneneinnahmen, die alle sechs Städte und Kommunen des Usinger Landes aus dem Verkauf von Holz aus ihren Kommunalwäldern erzielen.

So weist der Haushalt 2018 von Weilrod Umsatzerlöse aus dem Holzverkauf in Höhe von 981 600 Euro aus. Im Grävenwiesbacher Haushalt waren im vergangenen Jahr Einnahmen in Höhe von 743 337 Euro angesetzt. In Usingen waren es 600 000 Euro. Auch in Wehrheim (340 900 Euro), Neu-Anspach (rund 340 000 Euro) und Schmitten (rund 300 000 Euro) ist der Holzverkauf auf der Haben-Seite eine wichtige Position.

Die Forstämter in Weilrod (beauftragt von Grävenwiesbach, Neu-Anspach, Wehrheim und Weilrod) und Königstein (für Schmitten) verkauften bislang das eingeschlagene Taunus-Holz der Kommunen. Nur der Usinger Stadtwald wird in Eigenregie der Stadt beförstert.

Startschuss 1. März

Natürlich stehen demgegenüber die Kosten für die Pflege und das Durchforsten des Waldes sowie das Holzfällen (siehe Info-Box). Bislang hatte Hessen Forst beim Verkauf des Holzes ein Quasi-Monopol.Nun lautet die Vorgabe des Kartellamtes, dass auch auf dem Holzmarkt künftig Konkurrenz das Geschäft beleben soll.

Mit der Holzagentur Taunus wird nach Zustimmung der Kommunalparlamente ab 1. März ein gemeinsamer Vermarkter von 20 Städten und Kommunen aus dem Hochtaunus, dem Main-Taunus-Kreis, der Wetterau und einer Kommune aus dem Landkreis Limburg-Weilburg an den Start gehen.

Einzig die Städte Bad Homburg, Oberursel und Usingen verkaufen ihr Holz weiterhin in Eigenregie. Die Forstämter Weilrod und Königstein werden auch weiterhin das Holz aus dem Staatswald und – mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren – Holz aus privater Hand vermarkten.

Welche Auswirkungen die verstärkte wirtschaftliche Konkurrenz im Taunus-Wald und der zunehmende Druck, die Forstwirtschaft und den Holzeinschlag gewinnbringender zu betreiben, auf den Wald im Naturpark Taunus hat, kann und will heute freilich keiner der beteiligten Akteure beantworten.

„Aufmerksam begleiten“

Vor allem die Forstämter und die Beteiligten der neuen Holzagentur halten sich bedeckt. „Wir werden den Übergang des Verkaufs auf die Holzagentur aufmerksam begleiten, weil Hessen Forst natürlich genauso wie das Kartellamt Interesse daran hat, dass der Rohstoff Holz auch weiterhin zum Kunden kommt“, sagt etwa Thomas Götz vom Forstamt Weilrod.

Die Befürchtung, dass die eh schon schwierige Balance der unterschiedlichen Interessen im Taunus-Wald durch die neue Marktlage aus dem Gleichgewicht gerät, ist nicht aus der Luft gegriffen.

Dass unter Kommunalpolitikern der an der Holzagentur beteiligten Kommunen wirtschaftliche Begehrlichkeiten geweckt werden, will freilich niemand bestätigen.

Natürlich ist der Naturpark auch ein sensibler Naturraum für schützenswerte Tiere und Pflanzen. Zudem kommen jährlich Millionen Besucher zur Erholung in den Naturpark Taunus mit seinem Besuchermagnet Großer Feldberg. Alleine das birgt bereits ein ordentliches Konfliktpotential. Nun rückt die dritte Interessenslage, das im Taunus eingeschlagene Holz gewinnbringend zu vermarkten, stärker in den Fokus.

Groß appelliert

„Auch in Zukunft muss im Naturpark Taunus der Dreiklang ,Ökologie‘, ,Freizeit- und Erholungsraum‘ sowie ,Wirtschaftlichkeit des ökologischen Rohstoffes Holz‘ im Lebensraum Wald Bestand haben“, appelliert Förster Karl-Matthias Groß, der den Usinger Stadtwald in Eigenregie der Stadt bewirtschaftet.

Forstwirtschaft im Naturpark müsse nach wie vor achtsam und verantwortungsvoll erfolgen. Der Wald im Taunus dürfe nicht aufgrund vermeintlicher wirtschaftlicher Sachzwänge leiden, sondern das Prinzip der Nachhaltigkeit müsse weiterhin oberste Priorität haben.

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