Daniel Schwarzer, Kriminalhauptkommissar aus Usingen, spricht mit der TZ zum Tag des Puzzles – was hat sein Job mit dem Puzzeln gemeinsam?

Internationaler Tag des Puzzles

Ein Puzzle ohne Vorlage: Archäologen und Kriminalisten sind bei ihrer Arbeit ganz besonders gefordert

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Heute ist Internationaler Tag des Puzzles – zu Ehren dieses Spiels, das so wenig mit den meisten anderen Brettspielen gemein hat. Puzzeln ist eher ein individuelles Geduldstraining, vielleicht auch ein bisschen Meditation. Die TZ stellt aus diesem Anlass zwei Menschen vor, deren Beruf beziehungsweise Hobby es ist, Teile richtig zusammenzusetzen.

Hochtaunuskreis - Puzzeln ist ein schönes Hobby, manchmal aber sogar mehr als das. Denn die Tätigkeit des Zusammensetzens von Teilen, die irgendwann ein Gesamtbild ergeben sollen, ist auch ein Teil vieler Berufsgruppen. Der Journalist gehört zu denen, die beruflich puzzeln. Er sammelt Informationen von verschiedenen Akteuren und fügt sie dann sachlich richtig und inhaltlich verständlich zu einem Gesamtbild zum Beispiel von einer Person zusammen. Ein Foto kommt oft unterstützend dazu.

Aber auch Archäologen und Kriminologen puzzeln beruflich, um nur zwei weitere Beispiele zu nennen.

Eckhard Laufer ist privat Kriminalbeamter bei der Landespolizei in Wiesbaden und sein Hobby ist die Archäologie. Er hat von 1993 bis 2011 im Usinger Land gelebt, in Neu-Anspach und Merzhausen, Untersuchungen gemacht. Archäologisch unterwegs war er in erster Linie im sogenannten „Usinger Becken“. Die Ergebnisse der Arbeit sind auf der Internetseite des Geschichtsvereins nachzulesen.

Welche Teile hat er damals zusammengesetzt? „In erster Linie geht’s bei der Geländebegehung der Heimat um das Finden und Erfassen von Siedlungsplätzen und Gräberfelder unserer Vorfahren als Puzzleteile. Je mehr man davon dokumentiert, umso vollständiger wird das spannende Puzzle zur Besiedlungsgeschichte des Usinger Landes. Das heißt wer lebte dort wann und wo?“, so Laufer.

Die Puzzleteile wurden von ihm an die „Hessen-Archäologie“ weitergeleitet, die wiederum das vor- und frühgeschichtliche Landespuzzle zusammensetzen, sagt Laufer.

„In erster Linie findet man übrigens Scherben von kaputten Gefäßen und abgenutzte Steingeräte, selten Gerätschaften, Waffen und Schmuck aus Metall oder gar Münzen. Viel wichtiger sind tatsächlich die Scherben, die aufgrund ihrer Beschaffenheit, eventuelle Verzierungen und Form schnell verraten können, aus welcher Zeit sie stammen und damit eine Fundstelle datieren helfen.“

Klingt also aufwendiger, als ein Puzzle auszupacken und die Teile auf einem Tisch zu verteilen. Doch wo finden Archäologen im Usinger Land ihre Puzzleteile? „Dort, wo es für Menschen schon immer attraktiv war zu siedeln: entlang von Bächen, an nicht zu steilen Lagen und auf noch heute fruchtbaren Böden“, sagt der Hobby-Archäologe.

Viele Teile verloren

Bei einem normalen Puzzle weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist, wenn sich die zusammengesetzten Teile langsam aber sicher dem Motiv annähern, dass da auf der neben liegenden Puzzleschachtel zu sehen ist. Doch woher soll ein Archäologe wissen, wann er fertig ist? „Je mehr Lücken in einem Puzzle geschlossen werden können, umso zufriedener ist man. Aber . . ., das Puzzle wird nie ganz vollständig sein können, da bereits in der Vergangenheit sehr viel durch die intensive Bau-, Land- und zum Teil auch Forstwirtschaft verloren gegangen ist, zum anderen auch längst nicht alles erforscht ist beziehungsweise werden kann“, sagt Laufer. „Erfreulich wäre, wenn wir jetzt und auch in der Zukunft mit unserem kulturellen Erbe mit Bedacht umgehen . . ., das vermisse ich bisweilen sehr in unserer Gesellschaft.“

Auch Polizeihauptkommissar Daniel Schwarzer von der Polizeidirektion Hochtaunus puzzelt, allerdings beruflich und die Parallelen erschließen sich nicht auf den ersten Blick.

Denn anders als beim Puzzel, wo das Motiv auf dem Karton abgebildet ist, hat die Polizei zu Beginn ihrer Arbeit noch kein Motiv. Sondern Ziel ihrer Ermittlungen ist es das Motiv zu finden.Wichtig sei es bei jeder Ermittlung, dass man sich weder auf einen Täter noch auf ein Motiv zu früh festlege, so Schwarzer. Denn manches Puzzleteil könne auch auf eine falsche Fährte führen.

Insbesondere bei Phantombildern, die Spezialisten mit Hilfe von Täterbeschreibungen von Zeugen erstellen können, wird das deutlich. „Wenn sie zwei unterschiedliche Zeugen ein Phantombild ,zeichnen‘ lassen kommen immer zwei unterschiedliche Gesichter dabei heraus“, sagt Schwarzer.

Man hat also im Prinzip im Puzzle auch Teile, die womöglich zu einem anderen Puzzle gehören; das muss man aber erstmal erkennen.

Komplexe Aufgabe

Ein anderes Beispiel, warum das Puzzeln als Kriminalbeamter so komplex ist: Die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ kennt jeder, auch die Polizei im Hochtaunuskreis wirkt dort regelmäßig mit, dann sitzen auch ihre Beamten an den Telefonen, die Zuschauer für Zeugenhinweise wählen können. Es könne sein, dass jemand aus Oberbayern anrufe, der einem die krudesten Sachen über den angeblich von ihm gesichteten Täter erzähle – und die Nachbarin, die mit ihrem Mann vorm TV sitzt und den entscheidenden Hinweis hätte, traut sich nicht anzurufen, erläutert Schwarzer, weil sie denkt, dass das nicht der entscheidende Hinweis ist.

„Es hängt also auch vom Mut der Menschen ab, ob das Puzzleteil dazukommt oder nicht.“ Vollständig ist das Puzzle natürlich erst, wenn der Täter gefasst ist – man sieht ja in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“, dass so ein kriminologisches Puzzle manchmal erst Jahrzehnte später vollständig ist und ein Täter gefasst wird.

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