Bahnverkehr im Rhein-Main-Gebiet.

Regionaltangente West: 2023 soll die erste Bahn rollen

Prognosen sind schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Das weiß auch Rolf Valussi, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft der Regionaltangente West (RTW).

Prognosen sind schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Das weiß auch Rolf Valussi, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft der Regionaltangente West (RTW). Trotzdem war es nicht verwunderlich, dass die Frage, wann denn die erste Bahn fährt, bei der Dialog- und Infoveranstaltung am Montagabend in der Oberurseler Stadthalle wiederholt gestellt wurde. „2023 oder 2024“, lautet Valussis Einschätzung. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der sogenannte Planfeststellungsabschnitt Nord, der vom Bad Homburger Bahnhof bis zur Dunantsiedlung in Frankfurt-Sossenheim führt. Experten für das Gesamtprojekt, die technische Planung und zu Umweltthemen standen bereit, um Fragen der Bürger zu beantworten und Stellungnahmen entgegenzunehmen. Diese sollen in die weitere Planung einfließen.

Die Politik habe das Projekt akzeptiert, berichtete Valussi: „Man sieht das große Ganze.“ In der Tat sind die Gesellschaftsanteile bunt gemischt: Die Stadt Frankfurt ist mit 33,33 Prozent beteiligt, zu den weiteren größeren Anteilseignern zählen der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), das Land Hessen, die Stadt Bad Homburg und der Hochtaunuskreis. Unter den rund 150 Besuchern waren auch zahlreiche Amtsträger aus den tangierten Kommunen. „Je wahrscheinlicher die RTW wird, desto größer ist der Drang, in die Gesellschaft zu gehen“, zeigte sich Valussi optimistisch.

 

Dass Zeit Geld ist, stellte Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) heraus: „Die Regionaltangente ist für die gesamte Region überlebenswichtig.“ Nicht nur, dass die Brunnenstadt eine Bevölkerung habe, die viel reist. In Oberursel gebe es, wie in Bad Homburg oder Eschborn auch, zudem viele Unternehmen, die auf schnelle, sichere und zuverlässige Verbindungen angewiesen seien. Wenn es derzeit eine Störung im Frankfurter Tunnel gebe, wirke sich das gleich auf alle Strecken aus.

In der Detailplanung liegt aber noch viel Arbeit vor den Beteiligten, das wurde am Montagabend deutlich. Oftmals zeigten sich die Herausforderungen im Detail. Wie beispielsweise bei einer fehlenden Fahrradbrücke, die nach Ansicht eines Bürgers leicht mitzuplanen und -bauen sei. „Wir haben solche Fragen an vielen Stellen“, antwortete Jörg Maurer von Schüssler Plan, einer der Experten für die technische Planung für Schiene und Straße. Die Planrechtfertigung werde beim Regierungspräsidium jedoch sehr eng gefasst. Es werde mittlerweile sehr genau geschaut, was für die RTW wirklich notwendig ist.

Weitere Anregungen bezüglich der technischen Seite kamen zur Anbindung zusätzlicher Gebiete wie etwa der Erschließung des Gewerbegebiets Rödelheim oder des Nordwestzentrums. Beim Thema Umwelt trieb die Bürger unter anderem die Zerschneidung von Äckern und die Vereinbarkeit des Baus mit der Naherholung um.

Am vollsten war die Tafel bei den allgemeinen Anmerkungen zum Gesamtprojekt: „Verlängerung Friedrichsdorf?“, stand auf einer, „Wann fängt der Bau an?“ und „Werden Häuser abgerissen?“ auf anderen. Auch wurde darauf hingewiesen, dass der RTW-Verkehr zu einer häufigeren Schließung der Schranke in Oberursel führen werde, was sich wiederum auf den Berufsverkehr auswirken werde.

„Die Diskussion von Angesicht zu Angesicht, das ist ganz wichtig“, hatte Valussi eingangs gesagt. Mangelnde Transparenz kann man den Machern tatsächlich nicht vorwerfen. Sie versuchten, auf alle Fragen einzugehen, auch wenn manche noch nicht abschließend beantwortet werden konnten. Kein Verständnis zeigte Brum allerdings für jene, die sich auf „kleine Nachteile“ fokussierten und dadurch dafür sorgten, dass das ganze Projekt nicht vorankomme. Ihnen sollte man selbstbewusst mit Argumenten entgegentreten.

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