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Reiselust und Wartefrust

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Verharren statt verreisen: Am Düsseldorfer Flughafen gibt es lange Schlangen beim Check-in. Wenn in Hessen die Sommerferien in drei Wochen beginnen, könnte auch die Geduld der Reisenden aus dem Hochtaunus auf eine Probe gestellt werden. Symbolbild: DPA © dpa

Reisebüros versuchen, das Urlaubs-Chaos zu bewältigen

Hochtaunus -Reisepass, Badehose, Sonnencreme, ein gutes Buch - all das gehört zum Pflichtgepäck, wenn es in den Sommerurlaub geht. Die Hauptreisesaison hat begonnen, doch aktuell müssen viele Urlauber vor allem eines mit an die Flughäfen bringen: Geduld. Mit langen Schlangen am Check-in und einer teils um Tage verspäteten Ankunft der Koffer ist derzeit durchaus zu rechnen. Und wenn es ganz unglücklich läuft, dann kann unter Umständen auch eine vor Wochen gebuchte Flugverbindung kurzerhand gestrichen werden. Tritt das schlimmstmögliche Szenario ein, dann ist das Personal der lokalen Reisebüros - sofern nicht im Internet gebucht wurde - die erste Anlaufstation für gestresste Touristen.

"Aktuell hält es sich für uns noch in Grenzen, denn die Situation am Frankfurter Flughafen ist nicht ganz so schlimm, wie man es etwa aus Düsseldorf oder Köln mitbekommt", erklärt Susanne Küst. Dennoch ist für die Geschäftsführerin des Homburger Büros "City Reisen" eine gewisse Verunsicherung bei den Kunden bemerkbar. "Die Art der Medienberichterstattung trägt zu dieser Verunsicherung sicherlich bei, allerdings ist ja auch etwas dran. Es fehlt wirklich überall das benötigte Personal", sagt Küst. Sowohl die Flughäfen als auch die Airlines hatten die Belegschaft während der Pandemie, in der die Tourismusbranche schwere Umsatzeinbußen hinnehmen musste, reduziert. Zusätzlich sorgen die gestiegenen Inzidenzen jetzt für krankheitsbedingte Ausfälle.

Dass das Buchungsverhalten der Kunden nun sprunghaft wieder ansteigt, scheint viele Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften kalt zu erwischen. "Jetzt werden zwar Hilfsarbeiter an den Flughäfen eingestellt", berichtet Vivienne Pohl vom Usinger Reisebüro "DERPART", "allerdings müssen diese zunächst eine Sicherheitsprüfung und Einweisung absolvieren." Bis die Teilzeitkräfte das Stammpersonal im stressigen Arbeitsalltag an einem Airport tatsächlich entlasten können, vergehen wohl noch Wochen. Die Folgen von unterbesetztem Rollfeld-Personal und Kabinen-Crews sei derzeit für viele Urlauber nicht zu übersehen.

"Uns wurde von Kunden berichtet, dass am Flughafen immer wieder große Kofferstapel herumstehen, auch vorübergehend fehlendes Gepäck wurde schon beklagt", berichtet Marion Knebel, Expedientin des Reisebüros "Gerecht" in Oberursel. Anrufe beunruhigter Kunden häufen sich momentan. "Wir bemühen uns immer, Rat zu erteilen, doch das ist schwierig. Keiner weiß, was in zwei Wochen ist", so Knebel.

Extremer Boom bei Buchungen

"Es herrscht jetzt auf jeden Fall ein Mehraufwand für uns", berichtet auch Pohl. Dass eine Kollegin im vergangenen Oktober gekündigt hatte und andere jetzt krankheitsbedingt fehlen, mache die Situation nicht leichter. Auch für Küst sind die offiziellen Öffnungszeiten ihres Büros aktuell nur ein unverbindlicher Richtwert. "Um 18 Uhr Feierabend zu machen, das geht nicht", erklärt sie. "Gerade der Austausch mit den Kunden per E-Mail hat stark zugenommen. Im Grunde ist man den ganzen Tag am Tippen."

Beschweren über die Situation will sich aber keine der befragten Expertinnen. Nach wirtschaftlich angespannten zwei Jahren ist die Reiselust der Deutschen natürlich gerngesehen in den Reisebüros. "Jeder will jetzt in den Urlaub, es gibt einen extremen Boom", sagt Küst, skizziert aber das damit verbundene Problem für Reisende: Wenn alle im gleichen Zeitraum weg wollen, dann gibt es nicht nur lange Schlangen am Schalter, sondern auch stetig steigende Preise für die beliebten Destinationen, darunter erneut Griechenland, Spanien und Portugal. "Es geht Tag für Tag hoch, mittlerweile ist es mir fast schon unangenehm, den Kunden die Preise zu nennen", pflichtet auch Pohl bei. Eine Woche Türkei für 400 Euro - solche Schnäppchen waren vor Corona immer möglich, jetzt seien sie jedoch undenkbar. Wer es sich leisten kann, sei bereit, die Verteuerung für den Jahresurlaub mitzugehen. Für Geringverdiener oder Großfamilien droht der Auslandsurlaub in nächster Zeit aber zum unbezahlbaren Luxus zu werden. Apropos Familien: Am 25. Juli beginnt auch in Hessen die Urlaubszeit für Eltern mit schulpflichtigen Kindern, denn dann gehen auch hier die Sommerferien los. Es ist nicht auszuschließen, dass dann auch am Frankfurter Flughafen ein ähnliches Chaos wie in Düsseldorf oder Köln entstehen kann. Die Geduld bleibt 2022 mit Sicherheit für alle ein guter Reisebegleiter.

Gefeit vor Unannehmlichkeiten beim Verreisen ist in diesem Jahr wohl niemand. Dennoch kann man stressigen Situationen vorbeugen. Lange Schlangen am Check-in ließen sich umgehen, wenn mit Handgepäck geflogen wird. Selbst wer Koffer aufgibt, sollte einige Wechselklamotten mit in die Taschen an Bord nehmen, empfiehlt Reiseverkehrskauffrau Susanne Küst, denn mitunter komme das Gepäck aktuell später als der Passagier an. Fernreisen seien eine gute Möglichkeit, um überfüllten Stränden und Innenstädten zu entkommen. Und wer unbedingt raus möchte, sollte nicht zu lange mit der Buchung warten.

Das Preisniveau steige kontinuierlich, auch für nächstes Jahr sei keine Entspannung zu erwarten. Wer die Nebensaison buche, könne im Vergleich zur Hauptsaison Geld sparen. rk

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