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Die Kassiererin des Reitvereins Oberstedten, Kati Schäfer (links), und Vorsitzende Julia Maaß hoffen, dass der Verein die gepachteten Koppeln weiter nutzen kann.

Vorstand befürchtet Bebauung des Hasengärten-Areals

Reitverein bangt um seine Existenz

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Eigentlich hat der Reitverein Oberstedten allen Grund zur Freude: Gerade erst wurde er im Rahmen des Wettbewerbs „Gesunde Haltung – Gesunde Pferde“ als bundesweit zweitbester Pferdebetrieb prämiert. Doch die Aktiven treibt ein ganz anderes Thema um: die Zukunft des Vereins.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – so beschreibt Julia Maaß, Vorsitzende des Reitvereins Oberstedten (RVO), ihre aktuelle Stimmungslage. Gerade erst haben die Aktiven etwas geschafft, das ihnen so schnell kein anderer Verein nachmacht: Mit einem zweiten Platz im bundesweit ausgeschriebenen Qualitätsbetriebe-Wettbewerb „Gesunde Haltung – Gesunde Pferde“ hat der RVO schwarz auf weiß, dass er sich in die Riege Deutschlands bester Pferdebetriebe einreiht.

Im Sommer hatte man sich beworben, „und als wir in die nächste Runde kamen, war die Freude riesig“, sagt Maaß. Nach der Besichtigung der Anlage durch eine Fachjury – „da wurden wir auf Herz und Nieren geprüft, im Fokus standen Bewegung, Fütterung und Gesundheitsvorsorge“ – ging es weiter in die Endrunde des Wettbewerbs, der vom Beratungsunternehmen für Pferdebetriebe Schade und Partner sowie dem Zuchtverband für Hannoveraner Pferde ausgeschrieben worden war. Im niedersächsischen Verden präsentierten sich die besten sechs Betriebe dann erneut einem Fachpublikum – und dem RVO gelang der Sprung aufs Treppchen, „unter Wahnsinnsbetrieben, alle gewerblich, neu gebaut und mit Größen von 30 Hektar und mehr“, freut sich die Vereinschefin und Reitlehrerin.

Dennoch ist die Stimmung getrübt, als Maaß und Vorstandskollegin Kati Schäfer die Taunus Zeitung auf der Reitanlage empfangen, die an der Grenze zu Bad Homburg liegt, unweit des Gotischen Hauses. „Wir fühlen uns nicht sicher – da schwebt ein Damoklesschwert über uns“, sagt Maaß. Damit meint die Chefin des 275 Mitglieder starken und seit mehr als 40 Jahren bestehenden Vereins, der insgesamt 8,5 Hektar bewirtschaftet, 7 eigene Schulpferde und 28 von privat eingestellte Tiere versorgt, eine mögliche Bebauung des an den Reitstall angrenzenden Hasengärten-Areals, auf dem sich die Koppeln des RVO befinden: Die war in der Vergangenheit, wie berichtet, immer mal wieder ein heiß diskutiertes Thema – unter anderem engagierte sich eine Bürgerinitiative gegen eine Baumaßnahme auf der schon vor Jahren als ökologisch wertvoll eingestuften Fläche.

Kürzlich machten erneut Gerüchte die Runde, die Maaß und ihre Mitstreiter verunsichern. Schäfer hatte im Ortsbeirat nachgehakt, und dort hatte Kämmerer Thorsten Schorr (CDU) erklärt: „Es gibt keine aktiven Anstrengungen vonseiten der Stadtverwaltung, eine Bebauung der Hasengärten zu forcieren – auch wenn der Eigentümer dort bauen will.“

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) indes hatte per Facebook klargestellt: „Auch mit der Wohnungsbauinitiative ist keine Bebauung in den Hasengärten geplant.“ Um aber die „Angreifbarkeit“ zu nehmen, wie Schorr gesagt hatte, gab es ein Gespräch zwischen Vereinsführung und Magistrat, in dem es auch um Alternativflächen ging. „Die wären allerdings zu weit weg gewesen – viele Kinder kommen mit dem Fahrrad zu uns. Aber wir haben uns ernst genommen gefühlt und konnten unsere Lage gut darstellen, auch wenn es kein konkretes Ergebnis gab“, so Maaß.

Das Problem – im Übrigen nicht das einzige, das den RVO in diesen Tagen umtreibt (siehe ZUM THEMA) – ist einfach und komplex zugleich: Einer möglichen Wohnbebauung würden Teile der insgesamt sieben Hektar umfassenden Koppelfläche zum Opfer fallen, und zwar die jetzigen Winterkoppeln, erklären Maaß und Kassiererin Schäfer. Ein Großteil des aktuell als Koppeln bewirtschafteten Areals gehört der Gleko Wohnbau GmbH (München).

Die Vereinschefin spricht von einem vertragslosen Zustand: „Schon vor drei Jahren ist der Pachtvertag ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Aber wir zahlen weiter, halten das Gelände in Ordnung, und die Nutzung ist geduldet.“ Allein: „Von heute auf morgen könnte da ein Schild stehen, dass wir nicht mehr drauf dürfen – und das war’s dann.“ Schließlich könnten die Pferde nicht 23 Stunden am Tag im Stall stehen, erklärt Maaß. „Die Pferde stehen hier, weil wir Sommer- und Winterkoppel anbieten können. Wenn gebaut wird, ist Schluss. Dann fallen Einsteller weg, und dann ist auch die Prämierung nichts mehr wert“, bangen die Frauen um die Existenz des Vereins. Auch den Betrieb zu verkleinern, sprich die Zahl der Pferde zu reduzieren, wenn Koppelfläche wegfällt, wäre keine Lösung. „Die Anlage läuft nur bei 35 Pferden – mit weniger lohnt es sich nicht“, wissen Maaß und Schäfer, die sich wünschen: „Dass wir wieder einen Vertrag bekommen und dass der Verein so bestehen bleiben kann, wie er ist. Wir sind ein Kinderverein, die Wartelisten sind lang. Wir leisten Jugendarbeit, bilden eigene Übungsleiter aus, haben mehrere fest angestellte Mitarbeiter und zahlen Gewerbesteuer.“

Bei der Gleko war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Rathauschef Brum indes unterstrich: „Wir stehen weiterhin in engem Kontakt mit dem Verein und wollen ihn unterstützen. Aber es gibt da nichts Neues. Wir haben keine Absicht, dort ein Baugebiet auszuweisen oder Ähnliches. Wir bemühen uns vielmehr, diese Flächen zu erhalten.“

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