+
Auch von außen wieder sehr ansehnlich: das Gasthaus ?Rotes Kreuz?.

Zum Roten Kreuz

René Josef und Björn Dinges möbeln altes Gasthaus wieder auf

  • schließen

Überall schließen Gaststätten. Nicht so das Gasthaus „Zum Roten Kreuz“. Es ist seit 1895 im Besitz der Familie Dinges. Auch mit neuer Fassade und Ideen aus der modernen Küche fühlt sich die fünfte Generation der Tradition verpflichtet.

René Josef Dinges hatte als Kind wohl einen der höchstgelegenen wie auch ungewöhnlichsten Spielplätze im Taunus. Er wuchs im Schatten des Feldbergs, gleich um die Ecke vom Römer-Kastell auf.

Hier betrieben seine Eltern Roland und Maria das auf Glashüttener Gemarkung liegende Gasthaus „Zum Roten Kreuz“, so wie es zuvor seine Großeltern Josef und Katharina Dinges getan hatten. Heute ist aus dem Spielplatz von einst, der Arbeitsplatz von René Josef Dinges geworden, setzt er die Familientradition in 3. Generation fort. Obwohl er ursprünglich etwas ganz anderes machen wollte.

Der mittlerweile 38-Jährige ist gelernter Zweiradmechaniker. 2007 jedoch kehrte er zu seinen Wurzeln zurück, wohlwissend dass das nicht einfach werden würde. Die Jahre zuvor hatte das Ausflugslokal zwei verschiedene Pächter und nicht mehr den allerbesten Ruf. Schon die Außenfassade war alles andere als einladend. Aber René Josef Dinges war sicher: „Ich kriege das Geschäft wieder zum Laufen.“

Von seinem Vater, der im Schlosshotel in Kronberg seine Lehre als Koch absolviert hatte, hat er sich die Tricks abgeschaut. Er macht alles selbst, weiß wie man Fleisch ausbeint und Saucen ohne Fertigpulver macht. Bereits panierte Schnitzel lässt er sich nicht liefern. Wenn der Kunde bestellt, wird á la Minute zugeschnitten und paniert und in der Pfanne gebraten. Schnitzel aus der Fritteuse gibt es bei ihm nicht. „Bei uns ist auch alles frisch“, versichert er.

Doch das dauert immer ein bisschen länger in der Zubereitung und das konnten die Servicemitarbeiter am Anfang nicht so leicht vermitteln. Seitdem 2014 Björn Dinges, der Lebenspartner und inzwischen Ehemann von René Josef, mitarbeitet, hat sich da viel geändert. Der gelernte Florist und passionierte Verkäufer weiß, wie wichtig der richtige Umgang mit Kunden ist. Und er hat ein Händchen für stilvolle Dekorationen.

Dass Björn Dinges die saisonalen Gestecke alle selbst macht, ist selbstverständlich. Ihm ist es auch gelungen, dem Gastraum eine Art Wohnzimmercharakter zu verpassen. Vor allem ist die Gaststätte innen nicht mehr so dunkel wie 1895. Die neue Holzvertäfelung ist hell und freundlich. Das Besondere, was man sonst eher selten in einem Lokal findet: In Vitrinen sind Dinge aus dem Alltag vergangener Zeiten zu sehen, und sie stammen von Menschen, die mit diesem Haus zu tun hatten oder haben. Von einer Tante von René Josef Dinges, die schon bei den Großeltern gearbeitet hat, stammen Spielzeug, Gläser und ein alter Schallplattenspieler.

„Wir wollen kein Museum werden“, macht Björn Dinges deutlich. Aber er ist sich sicher, dass die Gäste wiederkommen, wenn sie sich wohl und ein bisschen wie zu Hause fühlen. Dazu trägt auch die Speisekarte bei. Sehr beliebt sind lokale Hauptspeisen wie einfache Eiergerichte. Viele Gäste kommen auch wegen der hausgemachten Kuchen.

Die beiden Männer haben hinter dem Haus 2014 zudem einen Biergarten eröffnet, mit dem sie in der warmen Jahreszeit die Zahl der Sitzplätze deutlich erweitern können. „Wir investieren Schritt für Schritt und wachsen dadurch langsam aber gesund, sind sich die beiden einig. Sie beschäftigen inzwischen sechs Aushilfen und seit einem Jahr auch einen Auszubildenden. Und dann kommen die beiden noch auf ein Thema zu sprechen, dass ihnen persönlich sehr am Herzen liegt. Ihr Schwulsein ist für sie das Normalste der Welt. Und sie sind erleichtert, dass auch ihre Gäste das so sehen. „Wir sind auch keine Szenegänger und werden das Rote garantiert nicht zum Rosa Kreuz machen.“

Weihnachtsmarkt hoch oben

Mit etwas ganz anderem wollen sie an diesem Wochenende auf sich aufmerksam machen. Dann laden sie am Roten Kreuz zum zweiten Mal zum Weihnachtsmarkt ein. Der ist 23 Meter höher als der im benachbarten Oberreifenberg und damit zumindest im Taunus der höchstgelegene – vielleicht sogar hessenweit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare