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Wenn Knochen und Gelenke schmerzen, kann eine Rheumtoide Arthritis die Ursache sein.

Medizin

Rheumatoide Arthritis: Heilung gelingt nur selten

Je schneller Rheumatoide Arthritis diagnostiziert wird, umso besser die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie. Das stellten die Experten beim Medizinischen Bürgerdialog klar. Allerdings kann es sechs Monate dauern, bis ein Patient von einem Experten untersucht werden kann.

Mit der Rheumatoiden Arthritis (RA) ist es so eine Sache. Denn obwohl sie die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung ist, ist die Diagnose dieser Autoimmunerkrankung, bei der eigene körperliche Strukturen angegriffen werden, alles andere als einfach.

Beim 84. Medizinischen Bürgerdialog des Forums Gesundheit machte das Dr. Norbert Schütz, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Hochtaunus Kliniken Usingen und Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie an diesem Beispiel klar: Bei einer Patientin mit Knoten in der Lunge ging man zunächst von einer möglichen Tumorerkrankung aus. Schließlich stellten sie sich als sogenannte Rheumaknoten heraus. Für Schütz ist Rheuma und speziell die RA deshalb „eine Erkrankung mit vielen Gesichtern“.

Um die RA von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden, ist eine genaue Diagnose nötig. Sie setzt mit einer Kombination aus der Untersuchung der befallenen Gelenke, der Bestimmung der Entzündungswerte im Blut und die Dauer der Beschwerden an. Die Untersuchung mit Ultraschall spielt dabei eine wichtige Rolle, denn damit, so Schütz „können wir uns das Gelenk in der Bewegung ansehen und die Beschwerden erkennen.“

Dagegen ist der sogenannte Rheumafaktor im Blut nicht so aussagekräftig. Denn nicht immer bedeutet ein positiver Rheumafaktor zugleich Rheumatoide Arthritis. Nach Aussagen des Rheumaexperten bringe der Nachweis von hochspezifischen Antikörpern, die schon in einem frühen Stadium der Erkrankung vorhanden sind, einen sehr viel eindeutigeren Aufschluss für die Diagnose.

Ist die da, kommt es auf einen schnellen Therapiebeginn an. Das Zeitfenster ist bei dieser chronischen Erkrankung klein, so Schütz: „Ein um sechs Monate verzögerter Therapiebeginn mit den entsprechenden Rheumamitteln verschlechtert die Prognose erheblich!“ Dazu kommt, dass eine nicht gut behandelte RA tatsächlich die Lebenserwartung verringern kann.

Das Problem vor Ort: Im Hochtaunuskreis sind niedergelassenen Rheumatologen mit Kassenzulassung selten. „Wir bekommen das immer wieder zu hören, dass Patienten oft mehr als ein halbes Jahr oder länger auf einen Termin in einer Spezialpraxis warten müssen“, bedauert Rosemarie Kramer vom Leitungsteam der Rheumaliga Hessen, Selbsthilfegruppe Hochtaunus. Hier ist die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) verantwortlich, die darüber bestimmt, wo sich welcher Arzt mit niederlassen darf. Sucht man auf der Homepage der KV Hessen einen niedergelassenen Rheumatologen im Kreis bekommt man genau ein Ergebnis. Anders sieht es in Frankfurt aus. Dort wirft die Suchmaske 15 Rheumatologen aus. Für die KV scheint diese Versorgungslage insgesamt auszureichen.

Dr. Norbert Schütz kennt die missliche Situation. Seine Versuche, eine Kassenzulassung als ambulanter Rheumatologe zu bekommen, waren bislang ohne Erfolg. „Das ist eine medizinpolitische Entscheidung“, sagte er den Zuhörern. „Die Bereitschaft bei den spezialisierten Ärzten, sich niederzulassen, ist jedenfalls da.“ Dem konnte Dr. Andreas Weiß, Leitender Arzt der internistischen Rheumatologie an der Homburger Wicker Klinik, nur zustimmen, der ebenfalls die Versorgung mit niedergelassenen Rheumatologen für Kassenpatienten als nicht ausreichend bewertete.

Wurde eine RA erkannt, stehen eine Reihe von Möglichkeiten der Behandlung zur Verfügung. „Dabei muss es immer unser Ziel sein, die Erkrankung zum Stillstand zu bringen und so die Zerstörung der Gelenke zu verhindern“, betont Schütz. Eine Heilung gelingt allerdings nur in seltenen Fällen.

Trotzdem habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan, rechnete Dr. Andreas Weiß vor. Nach seinen Angaben kann durch frühere Diagnosen und schnellere und verbesserte Therapien eine Remission, also eine Abschwächung oder Rückbildung der Symptome, bei rund 30 Prozent der Fälle erreicht werden.

Bei der Behandlung, so zeigte es Dr. Norbert Schütz, spielt das Cortison eine wichtige Rolle, das für ihn „das Mittel der Wahl“ ist, wenn es darum geht, bei akuten Entzündungsschüben schnell Linderung zu bekommen. Allerdings dürfen cortisonhaltige Medikamente wegen Nebenwirkungen nur für kurze Zeit und genau dosiert eingenommen werden.

Auch wenn es im Einzelfall wegen den verschiedenen Ausprägungen einer RA und der unterschiedlichen Verträglichkeiten bei den Betroffenen lange dauern kann, bis die richtigen Medikamente gefunden werden, haben sich bestimmte Wirkstoffe als gut wirksam herausgestellt. Dazu gehören Methotrexat (MTX) und Leflunomid, durch die die akute Entzündungsreaktion und damit Symptome wie starke Schmerzen, Bewegungsprobleme und Schwellungen unterdrückt werden. Große Hoffnung liegt zurzeit auf sogenannten Biologica. Das sind gentechnisch hergestellte Stoffe, die entzündungshemmend wirken und gezielt ins gestörte Immunsystem eingreifen.

Wer an einer RA erkrankt ist, weiß, was Schmerzen, massive Problem mit der Beweglichkeit und Erschöpfungszustände bedeuten können. Reaktionen wie der Rückzug aus dem sozialen Leben bis hin zur Depression sind bekannte Folgen. Eine Reha-Maßnahme kann dabei helfen, sich trotzdem ein gutes Stück Lebensqualität zu erhalten, machte Weiß deutlich.

Am jeweiligen Patienten ausgerichtete physikalischen Therapien wie Krankengymnastik, Ergotherapie, spezielle Reiz-Druck-Massagen oder Kälte- und Wärmebehandlungen können für eine bessere Mobilität sorgen. „Auch die Osteopathie kann gute Ergebnisse erzielen“, berichtete Weiß. Insgesamt machte er deutlich, dass es nicht den einen richtigen Weg bei der Rehabilitation von RA-Patienten geben kann. Vielmehr handele es sich um einen ganzen Strauß von Möglichkeiten.

Außer der psychologischen Unterstützung können erkrankte Arbeitnehmer über den Sozialdienst der Reha-Einrichtung sich über ihre berufliche Zukunft beraten lassen. „Das ist wichtig, denn auch wenn es in der Reha gut läuft“, so Weiß, „kann es bei der Rückkehr ins Berufsleben mit seinen hohen Anforderung schnell zu Problemen kommen.“ Stichworte sind: Die Anpassung des Arbeitsplatzes an die körperlichen Erfordernisse oder gar ein Wechsel des Arbeitsplatzes. Auch hier könnten bereits in der Reha die richtigen Weichen gestellt werden.

„Insgesamt“, so das Fazit von Weiß in der sich an die Vorträge anschließenden Fragerunde, „nutzen wir in der Rehabilitation jedes Tröpfchen, um am Ende für de Patienten einen guten Schluck zu bekommen.“

Veranstaltet wird der Bürgerdialog übrigens vom Forum Gesundheit, einer Initiative der Hochtaunus-Kliniken und der Kur- und Kongress GmbH. Unterstützt wird dieses Forum von dem Unternehmen Rosenkranz-Scherer sowie der Taunus Zeitung. Die Organisation und Moderation des Bürgerdialogs erfolgt durch die Agentur medandmore communications GmbH.

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