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Rund 250 Schüler, aber auch ein paar Erwachsene, zogen gestern bei der ersten "Friday for Future"-Demonstration im Hochtaunuskreis vom Bahnhof Oberursel durch die Vorstadt zum Rushmoor-Park.

Fridays for Future

Rund 250 Teilnehmer bei der ersten "Fridays for Future"-Demonstration im Kreis

Erstmals zogen auch Schüler im Hochtaunuskreis im Rahmen einer Freitags-Demo für einen besseren Klimaschutz durch die Straßen. In Oberursel zeigten nicht nur Schüler der weiterführenden Schulen Flagge. Eltern mit ihren Kindern im Grundschulalter protestierten ebenso, wie ältere Semester.

Hochtaunus - Regelmäßig schaut Elena die Logo-Kindernachrichten im Kika. "Mama, warum sitzt das Mädchen mit dem Pappschild eigentlich immer wieder und so lange da und protestiert?", fragte die Neunjährige ihre Mutter vor einigen Monaten. "Was ist da dran, an dem was sie sagt?"

Simona Papenbrock aus Oberursel findet das Interesse und die Neugier ihrer Tochter an dem, was in Deutschland und der Welt passiert, gut. Deshalb stellt sie sich den Fragen ihrer Tochter. "Es gibt einige Mitschüler, die miteinander über Greta Thunberg und die Freitags-Demos sprechen", berichtet Papenbrock.

Grundschullehrer ihrer Tochter hätten im Unterricht das viel beachtete Anliegen der Kinder leider überhaupt nicht aufgegriffen. Als die Mutter dann von der ersten Freitags-Demo im Hochtaunuskreis gehört hatte, stand der Entschluss nach einer kurzer Familienkonferenz fest.

Zusammen mit der sechsjährigen Schwester Jana, zwei Freunden und ihrer Mutter schloss sich Elena gestern dem Demonstrationszug des ersten "Fridays for Future"-Protestmarsch im Hochtaunuskreis vom Oberurseler Bahnhof durch die Innenstadt zum Rushmoor-Park an.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", ruft unterwegs Andreas Kißmehl durch sein Megafon. Der 26-Jährige ist zwar Mitglied im Kreisvorstand der Grünen Jugend, betont aber gegenüber dieser Zeitung, dass er als Privatperson die Demo angemeldet hat.

Lennart aus Usingen und seine Freunde Josuel, Julius, Paul und Jeremiah laufen an der Spitze des Demonstrationszuges und stimmen sofort mit ein. "Klimaschutz statt Eigennutz" steht auf ihrem Bettlaken geschrieben, das sie hochhalten.

"Wir gehen doch nicht in die Schule und lernen für eine zerstörte Zukunft", begründen sie ihre Motivation, nach dem letzten Schultag vor den Sommerferien mit der Taunusbahn zur Demo nach Oberursel zu fahren.

Bunt, laut, fröhlich

Es war eine bunte, laute und fröhliche Schülerschar, die kein Blatt vor den Mund nahm. "Viele Menschen im Taunus sagen, bei uns sollen keine Windkrafträder stehen, weil sie die Natur verschandeln würden", sagt Gaby, die zwar keine Schülerin mehr ist, aber ebenfalls deutlich ihre Meinung vertritt. "Dabei sehen wir doch in diesem Sommer überall die Folgen des Klimawandels vor unserer Haustür: Im Wald sterben die Fichten, weil sie nach dem Hitzesommer 2018 vom Borkenkäfer befallen sind." "Die Erde kocht vor Wut", steht auf einem anderen Schild, dessen Aussage angesichts der am Wochenende bevorstehenden zweiten Hitzewelle beklemmende Aktualität besitzt.

In der Fußgängerzone staunen die Passanten angesichts der Protestwelle, die nun auch durch die Brunnenstadt schwappt. Wie automatisch gesteuert zücken viele von ihnen die Handys und filmen das Spektakel. "Leute lasst das Glotzen sein, reiht Euch lieber in die Demo ein!", schallt es ihnen entgegen. Am Ende des Zuges halten ein paar ältere Semester ein Schild hoch. "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann", steht darauf - eine in der Umweltbewegung der 1980er Jahre gerne zitierte Aussage, deren Ursprung dem Häuptling Seattle der Suquamish zugesprochen wird.

"Auch für Rentner ist das Klima zu heiß geworden", steht auf dem Schild von Robert Kommraus, dem Leiter der Oberurseler Waldjugend. Die Kinder seiner Gruppenstunde, die weiter vorne im Zug mitlaufen, haben ihm das Schild gemalt und mit dem ironischen Spruch versehen.

VON MATTHIAS PIEREN

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