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Im Altarraum steht eine weiße Schüssel auf einem Handtuch zwischen den Hockern, auf denen Pfarrer und Messdiener Platz nehmen können. Denn von oben tropft es.

Sanierung der Kirche in Friedrichsdorf

Sanierung der St. Bonifatius Kirche in Friedrichsdorf: Kosten von rund 150.000 Euro erwartet 

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Die Sanierung des Dachs der St. Bonifatius Kirche in Friedrichsdorf kostet rund 150 000 Euro.

Friedrichsdorf - Eine große weiße Schüssel steht im Chorraum auf einem weißen Handtuch auf dem Boden. Und zwar rechts hinter dem Lesepult, genau vor den gepolsterten Hockern, auf denen Pfarrer und Messdiener Platz nehmen können. Der Grund: Eine ziemlich feuchte Stelle am Dach der katholischen Kirche St. Bonifatius. Die Sanierung ist in Arbeit, auch wenn sich die Sache zieht. Die Baugerüste an der Kirchen-Rückseite und an der Seitenmauer am Stettiner Ring stehen bereits seit geraumer Zeit. Ein weiteres Gerüst sieht man auf dem Zwischendach, wenn man zur Wandlungsglocke über dem Haupteingang hinaufschaut.

Horst Dörner, ehrenamtlicher Beauftragter für Bausanierung der Gemeinde St. Bonifatius, kennt die Feuchtigkeitsschäden an dem Gebäude und ihre Tücken inzwischen in- und auswendig. Und er erinnert sich noch gut an den Gottesdienst, in dem der nichtsahnende Pfarrer Rüdiger Guckelsberger plötzlich bemerkte, dass es auf sein Haupt tropfte. Halb ernst und halb scherzhaft habe er gesagt: "Das geht nicht, dass ich ungeweihtes Wasser von oben auf den Kopf bekomme. Da muss etwas getan werden."

Dörner weiß inzwischen: "Das ist Sickerwasser." Die Problemstelle sei eine Ecke an einem Fenster im Dach, durch das von oben eigentlich nur Licht in den Chorraum fallen soll. "Da ist offenbar der Ablauf nicht richtig gelegt worden", sagt er. Je nach Windrichtung sammle sich in der Ecke Wasser auf dem Fenster und dringe dann ins Gebäude ein. Das Dach selbst sei aber dicht.

Sanierung der Kirche in Friedrichsdorf: 150.000 Euro veranschlagt

Mitte August vorigen Jahres sei die Kalkulation für die Sanierung fertig gewesen. Aber dann sei die gelbliche Mineralwolle dazwischengekommen. "Das ist Dämmmaterial", erklärt Dörner. "Darunter ist eine dünne Aluminiumschicht, darüber sind Dachhaut und Bitumendecke."

Eine neue Vorschrift zum Umgang mit Mineralwolle habe das damals geplante Vorgehen von einem Tag auf den anderen unmöglich gemacht. "Wenn Mineralwolle abgebrochen wird, können sich lungengängige Fasern lösen. Wenn diese vom Wind verweht werden und jemand sie einatmet, kann er an Krebs erkranken", erklärt Dörner.

Daher sei der Umgang mit dem Material auf Baustellen, ähnlich wie die Beseitigung von Asbest-haltigen Baustoffen, inzwischen sehr streng geregelt. Asbest sei in der Kirche jedoch nicht verbaut worden, auch wenn anderslautende Gerüchte im Umlauf seien.

Aber zurück zur Steinwolle und der Suche nach einer neuen Lösung. "Zuerst hieß es, aufs Dach müsse ein riesiges Zelt gestellt werden, damit keine Steinwoll-Fasern davon fliegen können", erklärt Dörner. Aber das wäre furchtbar teuer gekommen. Die nächste Idee sei ein zweites Dach über dem ersten Dach gewesen. Nun aber stellte sich die Frage, ob die Statik der Kirche das aushalte. Die jetzt gefundene Lösung: "Auf das Dach kommt eine so genannte Regenerations-Dachdeckung, und zwar eine zusätzliche Bitumendecke."

Außerdem müsste das Aluminiumband an der Kante des Daches breiter werden, um die Kirchenwände besser vor Regenwasser zu schützen. Denn die Außenmauer zum Stettiner Ring hin weist schon feuchte Stellen auf. "Rechts über dem Kreuz hat sich sogar Moos gebildet. Das schadet den Betonsteinen", erklärt Dörner.

"Die Dachsanierung kostet rund 150 000 Euro", berichtet Dr. Claus-Michael Denk, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Pfarrei St. Marien Bad Homburg-Friedrichsdorf.

Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten fertig werden. "Wir warten derzeit auf die schriftliche Freigabe des bischöflichen Ordinariats in Limburg." Dann könne es losgehen. Für sein Alter sei das Dach glücklicherweise in einem guten Zustand. 1991 war der Grundstein für die Kirche gelegt worden.

Sanierung der Kirche in Friedrichsdorf: Erste Schäden sind bereits behoben

Das Dach ist übrigens nicht das einzige Wasserproblem an dem Gebäude. Einige Schäden sind bereits behoben worden. "Die Seiten-Eingangstür am Stettiner Ring war feucht und verrottet. Jetzt hat sie ein neues Türblatt bekommen und ist wetterfest", berichtet die pastorale Mitarbeiterin Dr. Anne Kossatz.

Und die Vorsitzende des Ortsausschusses St. Bonifatius, Elke Riehl, fügt hinzu: "Der Kindergruppen-Raum St. Lioba im Gemeindezentrum ist komplett renoviert worden." Da sei Wasser von unten in die Wand gezogen, berichtet Dörner. Und die hölzerne Fenster-Verkleidung habe ein faustgroßes Loch gehabt. "Sie war durchgefault." Nun ist das Fundament abgedichtet und der Raum sieht aus, wie neu.

Auch der Versammlungsplatz draußen neben dem Gemeindezentrum, der mit seinen Sitzstufen einem antiken Theater ähnelt, bleibt jetzt trocken. Immer wieder war er aus unerfindlichen Gründen überschwemmt worden. Dörner hat dort eine Kanal-Reparatur veranlasst und zudem die Kanalschächte reinigen lassen.

Und dann sind da noch die Arbeiten, die nichts mit Wasserschäden zu tun haben, aber ebenfalls nötig sind. Derzeit wird der Besprechungsraum im Pfarrhaus renoviert, berichtet Kossatz. Und die Schiebewand im Gemeindezentrum, die den Sakralraum bei Bedarf vom Festsaal trennt, sei voriges Jahr saniert worden. Sie wird zum Beispiel für die beliebte Fastnachts-Sitzung "Karneval im Bonifaz" gebraucht.

Sehr froh ist Kossatz über Ehrenamtliche wie Dörner, Denk und Riehl, die sich um das Gebäude und vielfältige Aufgaben in der Gemeinde kümmern. - Damit St. Bonifatius gut in Schuss bleibt.

Christiane Paiement-Gensrich

Rund 15 000 Katholiken und insgesamt sechs Kirchen und Gemeinden gehören zur Pfarrei St. Marien Bad Homburg-Friedrichsdorf, eine davon ist St. Bonifatius. Diese Gemeinde ist, wie die pastorale Mitarbeiterin Dr. Anne Kossatz berichtet, mit 4563 Mitgliedern die größte der Pfarrei. Der Verwaltungsrat der Pfarrei ist für weltliche Aufgaben, wie Baustellen an den Kirchengebäuden, zuständig. Er hat elf Mitglieder. Aus jeder der sechs Gemeinden, die zur Pfarrei gehören, ist mindestens ein Vertreter im Verwaltungsrat. 

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