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Schießen wie einst Robin Hood

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140 Bogenschützen haben am Jubiläumsturnier des Schützenvereins teilgenommen und dabei mit ihren Präzisionswaffen beachtliche Ergebnisse erzielt. Dass es auch deutlich rustikaler geht, bewies Eberhard Rohn (Dritter von links) mit seinem "Primitivbogen". © schneider

Beim Turnier der Schützen kommen auch "Primitivbogen" zum Einsatz - 140 Teilnehmer

Usingen -Bogenschießen ist nicht gleich Bogenschießen. Während die einen mit eher schlichtem Gerät an den Start gehen, kommen andere mit High-Tech-Gebilden der Compound-Klasse (ab 1500 Euro aufwärts) daher, die nur noch entfernt an einen Flitzebogen erinnern. Bogensport-Puristen sprechen dann gerne von "Fahrradfahrern".

Beim 10. Bogenturnier der Usinger Schützen am Wochenende anlässlich der 600-Jahr-Feier waren "Fahrräder" gar nicht zugelassen, weil die Sicherheit entlang des viereinhalb Kilometer langen Parcours im Wald oberhalb der Schießanlage am Steinhöhlchen nicht gewährleistet war. Am Start waren aber etwa 140 Langbogen- und Recurve-Schützen und auch der eine oder andere mit einem "Primitivbogen". Das ist keine Beleidigung, diese aus einem einzigen Holzstück gefertigten Bögen heißen wirklich so. Eberhard Rohn aus Büdingen liebt es "primitiv", weil es, wie er sagt, dem ursprünglichen Bogenschießen, wie es in früheren Jahrhunderten zur Jagd angewendet wurde, am nächsten kommt. Das habe schon "etwas was von Robin Hood", lacht der Sportschütze, der er trotz der Rustikalität seines Bogens noch ist. Gefertigt werden diese Bögen idealerweise aus dem Holz des meist in den USA und Ungarn vorkommenden Osage- oder auch Milchorangenbaums. Dieses ist durch die hohe Elastizität und Härte besonders geeignet für Bögen. Das Besondere am Primitivbogenschießen ist, dass es keine Pfeilauflage gibt. "Der Pfeil liegt auf dem Zeigefinger der Bogenhand", erläutert Eberhard Rohn, der es mit seinem Bogen auf bis zu 70 Meter und Abschussgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometer bringt.

Zeltlager auf

dem Gelände

190 Bogenschützen aus ganz Mittelhessen hatten sich für das zweitägige Turnier angemeldet, gekommen waren rund 140. Da beide Turniertage zusammen gewertet wurden, blieben sie über Nacht. Viele schlugen entlang der Zufahrt zum Schützengelände ihr Zeltlager auf. Entlang des Waldparcours, der auf einem von den Schützen gepachteten Waldstück angelegt ist, galt es, 36 Ziele, alles Schaumstofftiere in Lebensgröße - von der Ratte über die Schildkröte bis zum Rothirsch - anzuvisieren, was hohe Konzentration, aber auch Fitness erforderte, denn viele, selbst erfahrene Bogenschützen kamen mit 36 Schuss nicht hin.

Am Samstag fand dann auch das Bürgerschießen aus Anlass des Vereinsjubiläums statt. Zugelassen waren Vereine, Stammtischgruppen und Einzelpersonen, einzige Voraussetzung: Sie durften keine aktiven Sportschützen sein. Die Beteiligung war "eher mau, am Vormittag war kaum jemand da", merkte Jens Kröger, Vorsitzender des ältesten Usinger Vereins, bedauernd an. Er erinnert sich noch gerne an die Zeit, als es in Usingen noch Kerbeschießen mit Dutzenden Mannschaften gab. Das letzte Kerbeschießen fand 2013 statt. Auch beim Disco-Abend am Freitag war die Beteiligung eher gering.

Am Freitagabend war "Zahltag": Jens Kröger ehrte alle Teilnehmer des Jubiläumsturniers am Vorwochenende mit Urkunden, die drei Besten der 13 Klassen erhielten jeweils einen Pokal. Was wer geschossen hatte, hatte sich schon vor der Siegerehrung herumgesprochen. Spannend war sie aber trotzdem, denn es ging um die drei Geldpreise von 1000, 500 und 250 Euro: Jeder Schütze, egal was und ob er überhaupt getroffen hat, kam mit einem Namenszettelchen in einen Lostopf, aus dem dann am Abend die von Kröger zufällig ausgewählte Glücksfee, die kleine Sofia Mayer aus Kelkheim, die drei Glückspilze zog. Da nur 80 Schützen im Topf waren, war die Chance, von Sofia gezogen zu werden, bei weitem höher als ins Schwarze zu treffen. Kröger hatte zuerst die 1000 Euro ziehen lassen, damit jeder im Topf die Chance auf den Hauptpreis hatte. Dass es mit Markus Bill ausgerechnet einen Usinger traf, noch dazu den amtierenden Hessenmeister und Sieger in der Kategorie Luftgewehr aufgelegt, war natürlich Zufall. Zufall war aber ganz sicher auch, dass Sofia beim Ziehen des 500-Euro-Gewinns plötzlich ihren Bruder Finn in der Hand hatte. Dritter Gewinner wurde mit 250 Euro Klaus Fischer vom Schützenverein Weilrod Winden, der mit dem Jubiläumsverein seit Jahren eng befreundet ist.

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