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Schlapp-Möbel in Not

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Westerfelder Firma hat im Mai Insolvenzantrag gestellt

Westerfeld -Dem Möbelhersteller Schlapp-Möbel aus Westerfeld droht das Aus. Bereits im Mai war von dem Geschäftsvorstand ein vorläufiger Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt worden. Dies wurde von einem Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters, dem Rechtsanwaltsbüro Frank Schmitt, bestätigt.

Nun wird zunächst nach einem Investor gesucht. Findet sich bis zum Ende des Monats kein neuer Geldgeber, so droht dem Betrieb die endgültige Schließung. Ohne einen neuen Investor ist ein Weiterbetrieb nicht mehr möglich, da ab August kein Insolvenzgeld mehr gezahlt wird. Dann würden auch alle 23 Mitarbeiter des Unternehmens ihren Job verlieren.

Gründe

sind unklar

Warum das Unternehmen, dessen Möbel sicherlich vielen Menschen wohlbekannt sind, finanziell in Schieflage geraten war, ist noch nicht ganz klar und wird abschließend ermittelt, sollte ein Insolvenzverfahren starten. Das Unternehmen fertigt vor allem Möbel für Bibliotheken, Kirchen und Jugendherbergen. Vermutlich seien es die Schließungen dieser Institutionen während der zweieinhalbjährigen Coronazeit, die zu starken Umsatzeinbrüchen geführt hätten, sagt der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters, Matthias Braun.

Zudem sei der normale Jugendherbergsbetrieb immer noch nicht wieder aufgenommen worden, da in vielen Jugendherbergen Ukraineflüchtlinge untergebracht worden sind. Ein anderer Punkt sei, dass Aufträge aus Frankreich vor der Präsidentenwahl zurückgehalten worden seien. Zuletzt befand sich der Betrieb wirtschaftlich wieder im Aufwind, trotzdem aber hätte eine Zahlungsunfähigkeit gedroht. Das Hauptanliegen des Insolvenzverwalters sei es nun, schnellstmöglich einen neuen Geldgeber zu finden. Gespräche mit Interessenten hätten stattgefunden, seien aber noch nicht spruchreif.

Auch der ehemalige Geschäftsführer des Möbelherstellers, Dr. Erich Alemany, der aus dem Betrieb erst 2021 ausgeschieden ist, zeigt sich schwer erschüttert. "Es ist frustrierend, zu sehen, dass klare Linie nicht fortgeführt wird, da habe ich mir damals beim Verkauf etwas anderes für die Mitarbeiter und die Firma vorgestellt", so Alemany im Gespräch mit dieser Zeitung.

Nach seinem Kenntnisstand sei der Betrieb nicht schwer überschuldet gewesen, weswegen er eine "Kurzschlussreaktion" vonseiten der neuen Geschäftsleitung vermutet.

Kritik an der

Geschäftsleitung

Mitarbeiter hingegen kritisieren die Zeitspanne, in der noch ein Investor gesucht werden kann, als viel zu kurz. "Normal sind etwa drei bis sechs Monate, uns aber lässt man nun de facto nur etwas mehr als einen Monat", kritisiert ein Mitarbeiter des Unternehmens. Aus Solidarität mit ihrem Arbeitgeber hat die Belegschaft ein Video auf Facebook hochgeladen, in dem sie den Möbelhersteller vorstellen und auf eigene Faust nach einem Investor suchen, da sie das Traditionsunternehmen nicht so einfach aufgeben wollen. Mehrere Angestellte arbeiten hier mittlerweile in der dritten Generation.

Ebenfalls bei der Belegschaft in der Kritik steht der bisherige Geschäftsführer Lothar Schäfer, der bereits seit April einen neuen Geschäftsführerposten übernommen hat. Schäfer habe sich selten im Betrieb sehen lassen und kaum mit möglichen Kunden gesprochen, heißt es vonseiten der Belegschaft. "Da hat sich die Priorität wohl schon vor Monaten verschoben. So können keine neuen Aufträge generiert werden", sagt ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen möchte, dieser Zeitung aber bekannt ist.

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