Uwe Appel, der stellvertretende Stiftungsrat-Vorsitzende der Bürgerstiftung Schmitten, ist Initiator für die Impf-Fahrten und hat als erste Seniorin Hedwig Stabel zum Impfzentrum nach Frankfurt begleitet.
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Uwe Appel, der stellvertretende Stiftungsrat-Vorsitzende der Bürgerstiftung Schmitten, ist Initiator für die Impf-Fahrten und hat als erste Seniorin Hedwig Stabel zum Impfzentrum nach Frankfurt begleitet.

Usinger Land

81-Jährige nutzt als Erste den Fahrdienst der Bürgerstiftung Silbergrau Schmitten zum Impfzentrum

Aber der Fahrdienst ist nicht alles. Vielen Senioren im Usinger Land fällt es schwer, ohne Hilfe überhaupt einen Impftermin zu bekommen.

Usinger Land -Hedwig Stabel aus Schmitten hat morgen in der Messehalle in Frankfurt schon ihren zweiten Corona-Impftermin. Diesmal wird die 81-Jährige von ihrer Schwiegertochter gefahren. Sie hofft, dass es diesmal etwas schneller geht. Dass sie einen Tag, nachdem die Impfungen im damals einzigen regionalen Impfzentrum begonnen haben, schon ihre erste Impfdosis erhalten hat, verdankt sie ihrem Sohn Armin. Der war bei der Terminvergabe ausdauernd und hatte das nötige Quäntchen Glück, bekam aber zum ersten Impftermin keinen Urlaub.

Allein traute sich die Seniorin, die im Nahbereich noch selbst mit dem Auto unterwegs ist und auch nach Bad Homburg gefahren wäre, nicht in die Großstadt. Ihr Sohn hatte im Rathaus vom Angebot der Bürgerstiftung Schmitten in Zusammenarbeit mit dem Seniorennetzwerk Silbergrau erfahren. Die ehrenamtliche Hilfe wird seit Mitte Januar kommuniziert. Zu diesem Zeitpunkt baten die Verwaltungsleitungen im Usinger Land darum, von Anrufen in den Rathäusern abzusehen und sich zum Beispiel telefonisch an den ärztlichen Notdienst zu wenden.

Auf Initiative von Uwe Appel, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsrats, organisiert die Bürgerstiftung Fahrdienste zum jeweiligen Impfzentrum für hilfsbedürftige Senioren aus Schmitten, die keine Fahrgelegenheit haben. Silbergrau-Vorsitzende Silvia Heberlein übernimmt auch die Buchung von Impfterminen. Solange nur das Impfzentrum in Frankfurt in Betrieb war, hielten sich Anfragen in Grenzen.

Acht Stationen bis zum Ziel

Stabel war die erste Seniorin aus Schmitten, die den Fahrdienst der Bürgerstiftung in Anspruch nahm. "Die erste Fahrt wollte ich gerne selbst übernehmen", berichtet Appel, der dabei auch wichtige Erfahrungen gesammelt hat. Er ist übers Westkreuz Frankfurt reingefahren und hat im privaten Parkhaus, das mit Parkplätzen für das Impfzentrum warb, 14,50 Euro bezahlt. Er wusste nicht, dass vor dem Südeingang (Baseler Straße) kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen.

Appel war mit der Schmittener Seniorin extra früher losgefahren, um den Termin nicht zu verpassen - und war überpünktlich. Am zweiten Tag lief im Zentrum noch nicht alles reibungslos. Erst einmal war Schlangestehen angesagt. "Zum Glück konnte ich für meinen Schützling einen Rollstuhl ergattern, und Wasser hat man auch angeboten", erzählt er. Er berichtet von einer riesigen Administration an acht Stationen bis zum eigentlichen Pieks und meint: "Das kann vor allem Senioren ganz leicht überfordern."

Damit die Schmittenerin am zweiten Impftag in der Frankfurter Messehalle ihre erste Dosis erhielt, waren die beiden sage und schreibe fünf Stunden unterwegs. "Mein armer Herr Appel", sagt Hedwig Stabel immer wieder, ist froh, dass er die ganze Zeit an ihrer Seite blieb. Der Helfer weiß inzwischen, dass sich der Ablauf in Frankfurt auf zwei Stunden verkürzt hat.

Erste Schwierigkeiten überbrückt

Aber der Fahrdienst ist nicht alles. Vielen Senioren fällt es schwer, ohne Hilfe überhaupt einen Impftermin zu bekommen. Am ersten Tag, als Impftermine für Bad Homburg vereinbart werden konnten, waren die Telefonleitungen total überlastet. Heberlein hat sich lieber online eingewählt und von 7 Uhr bis 15 Uhr gebraucht, um den ersten Termin für einen der Schmittener Senioren zu erhalten. "Danach lief es", berichtet sie. Aber auch nur, weil sie vorher von den Hilfesuchenden die erforderlichen Informationen erhalten hatte.

Die Vermittlung von Fahrdiensten, egal ob die Termine privat oder über Silbergrau vereinbart wurden, funktioniert. Die Bürgerstiftung hat bis Montag 30 Senioren aus Schmitten für Impftermine eine Fahrgelegenheit organisiert. Genügend freiwillige Fahrer stehen zur Verfügung. "Wir haben sogar noch Fahrer auf der Liste für weitere Termine", so Stiftungsratsvorsitzender Bernhard Eschweiler. Er freut sich, dass alle Freiwilligen pragmatisch an die Sache rangehen und sagt: "Einfach toll. Die Bürgerstiftung Schmitten bedankt sich sehr herzlich bei allen Freiwilligen, und wir hoffen, dass so alle Senioren in Schmitten schnellstens geimpft werden."

Wer Hilfe benötigt und weder von Angehörigen noch Nachbarn unterstütz werden kann, kann über die Telefonnummer (0 60 82) 92 42 48 2 des Schmittener Seniorenmobils Name, Anschrift und Telefonnummer sowie Datum und Uhrzeit des Termins im Impfzentrum Bad Homburg hinterlassen oder die Bitte um Unterstützung bei der Vereinbarung eines Impftermins. Die Bürgerstiftung koordiniert die Anfragen, und ein registrierter Helfer meldet sich telefonisch bei den Betroffenen, um die Details zu besprechen. Freiwillige Fahrer/innen melden sich bei Bernhard Eschweiler unter bernhard.eschweiler@gmail.com.

Mehrere Ansprechpartner

Auch die Anfahrt zum Impfzentrum in Bad Homburg ist für über 80-Jährige aus dem Usinger Land nicht immer einfach. Eine Hürde bleibt zudem für einige Senioren die Terminbuchung. An wen wenden sie sich, wenn sie Hilfe brauchen, und wer hilft?

In Usingen hatte Monika Huschka, die Vorsitzende des Seniorenbeirats, bisher keine Anfrage. Sie kann sich aber vorstellen, dass die kommen, sobald es mehr Termine für das Bad Homburger Impfzentrum gibt. Als Fahrer seien Senioren für Senioren eher nicht geeignet. Trotzdem will sie im Gespräch mit Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) klären, ob freiwillige Helfer wie Studenten mit kleinen Fahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehr Einzelfahrten für Senioren übernehmen können.

Der Neu-Anspacher Vorsitzende des Seniorenbeirates Rolf Scherer leitet Anfragen zum Thema Impfen an die in der Kleeblattgemeinde ansässige ZAK- Generationenhilfe Usinger Land weiter. Deren Helfer gehören nach Information des Vorsitzenden Roland Liebler altersbedingt alle der Risikogruppe an und haben Aktivitäten mit persönlichen Kontakten wegen Corona aktuell eingestellt. Wer jedoch Hilfe beim Buchen von Impfterminen braucht, kann ZAK unter Telefon (01 57) 88 80 33 32 anrufen. Bei der Anspacher Pfarrerin Ursula Trippel sind bisher keine Anfragen nach Hilfe zum Thema Impftermine/-fahrten eingegangen. Sie führt das darauf zurück, dass die Hilfsbereitschaft im ländlichen Raum nicht nur innerhalb der Familien sehr groß sei. Ähnlich äußern sich das Pfarrbüro der katholischen Pfarrei St. Franziskus und Klara Usinger Land und die Seniorenberatungsstelle Novas-mobil.

In Wehrheim helfen die Mitglieder der Jungen Union (JU), die seit dem ersten Lockdown als Einkaufshelden aktiv sind, auch bei der Buchung eines Impftermins. Anfragen bei den Kirchengemeinden oder bei der Zivilgemeinde werden an sie weitergeleitet. JU-Vorsitzender Jan Krebs wusste, dass in Neu-Anspach und Weilrod das gleiche Angebot besteht, die Anfrage aber deutlich niedriger sei als in Wehrheim. Die JU Wehrheim ist erreichbar unter Telefonnummer (01 57) 38 79 88 40 oder per E-Mail unter jan.krebs@ju-hochtaunus.de.

Von Evelyn Kreutz

In der langen Schlange ging es an den ersten Tagen im Impfzentrum in Frankfurt nur langsam vorwärts.

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