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Auf der Bühne ist die Aufregung komplett weg

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Von: Evelyn Kreutz

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Max Moses Hoffmann (elf Jahre) aus Hunoldstal ist seit einem Jahr Domsingknabe in Frankfurt.
Max Moses Hoffmann (elf Jahre) aus Hunoldstal ist seit einem Jahr Domsingknabe in Frankfurt. © Evelyn Kreutz

Max Moses Hoffmann hat eine tolle Stimme und ist bei den Frankfurter Domsingknaben dabei.

Schmitten -Seit etwas über einem Jahr singt Max Moses Hoffmann bei den Frankfurter Domsingknaben. Der Elfjährige hatte vorher lediglich Erfahrungen aus dem Schulchor. Aber nachdem er kurz vor Corona eine Aufführung der Frankfurter Domsingschule mit dem Musical "Noah und die coole Arche" gesehen hatte, blieb der Wunsch: "Da würde ich auch gerne mitmachen."

Seine Eltern, Stefani und Christian Hoffmann, schrieben die Domsingschule an und bekamen wegen Corona lange Zeit keine Rückmeldung. Dann meldete sich im vergangenen Sommer Domkantorin Hermia Schlichtmann, die die Frankfurter Domsingschule und den Knabenchor leitet, und wollte Moses kennenlernen. Online durfte der Junge "Ich rufe Dich bei Deinem Namen" vorsingen. Danach musste er einzelne Töne nachsingen, die Schlichtmann ihm vorgesungen hatte.

"Dann ging es auch gleich los", erzählt Moses nicht ohne Stolz. Zunächst online mit Stimmbildner Fabian Kelly. Nach den Sommerferien auch in Präsenz und in der Gruppe der A-Sänger. Einmal in der Woche, vor Auftritten auch häufiger, fährt er nach dem Unterricht in der Integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Oberursel nach Frankfurt zur Stimmbildung und zur Chorprobe.

Dass ihr Sohn eine tolle Stimme hat, wussten seine Eltern, weil Moses auch zu Hause immer gerne singt. "Aber wir hätten nie gedacht, dass er mal in so einem renommierten Chor singen darf", meint seine Mutter. Doch sein Vater erzählt: "Der Opa wusste schon immer, dass Moses mal ein Sänger wird." Sein hoher Sopran klingt noch makellos. Aber Moses merkt selbst, dass seine Stimmlage immer ein bisschen tiefer wird und die Sprechstimme rauer. Der Stimmbruch naht, aber seine Mutter ist sicher: "Seine gute Stimme wird nicht verloren gehen."

Kantor in der Kirche

Da Moses nicht nur bei den Domsingknaben mit dem nötigen Ernst bei der Sache ist, darf er auch in der katholischen Kirche in Niederreifenberg als Kantor mitwirken, so wie in diesem Jahr beim großen Osterlob. Auf die tolle Stimme von Moses ist auch Edgar Oberhansl aufmerksam geworden, weil der Junge seinem kranken Vater immer mal wieder Marienlieder vorsingt. Zusammen mit Oberhansl stand der Junge deshalb bei der akademischen Feier anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Männergesangvereins Oberreifenberg auf der Bühne. Sein Solo "Wozu sind Kriege da" erzeugte bei vielen Zuhörern Gänsehaut.

Als nächstes wird Moses beim Jubiläumswochenende "50 Jahre Großgemeinde" am Samstagabend und am Sonntagmorgen zu hören sein. Dafür studiert er Udo Lindenbergs "Komm wir ziehen in den Frieden" ein und "Let it be" von den Beatles.

Auftritte mit den Domsingknaben stehen natürlich auch auf dem Programm. Einmal im Monat finden die sogenannten "Evensongs" mit der Frankfurter Domsingschule Uhr im Dom St. Bartholomäus statt. Der Evensong kommt aus der anglikanischen Tradition und verbindet Elemente aus Vesper und Komplet zu einem gesungenen Abendlob. Der "Advent Carol Service" ist für den 11. Dezember geplant. Und am 30. Dezember ist Moses bei der 65. Landesweiten Eröffnung des Dreikönigssingens dabei. Schon jetzt freut sich der junge Hunoldstaler, wenn er mit den Frankfurter Domsingknaben am 19. Mai 2023 von 11 bis 13 Uhr auf der großen Open-Air-Bühne am Römerberg singt, anlässlich 175 Jahre Paulskirche.

Und wie sieht es mit dem Lampenfieber bei dem jungen Sänger aus? "Vor jedem Auftritt singt er schon morgens ab 6 Uhr die Tonleiter rauf und runter", erzählen seine Eltern. Und Moses bekennt: "Wenn ich dann irgendwo auf der Bühne stehe ist die komplette Aufregung weg."

Domsingschule nimmt nach den Ferien neue Kinder auf

Nicht nur in Limburg gibt es talentierte Domsingknaben. Auch die Frankfurter Domsingschule führt seit 2011 Kinder ab fünf Jahren an das Singen und den Reichtum mehrstimmiger Chormusik heran. Der Schwerpunkt liegt auf der geistlichen Literatur. Das Angebot einer fundierten musikalisch-sängerischen Grundausbildung wird von den Kirchen, der Stadt und der Bürgergesellschaft unterstützt und ist kostenlos. Es richtet sich ausdrücklich an alle Kinder, unabhängig von ihrem religiösen Bekenntnis.

Nach Altersstruktur findet die Probenarbeit getrennt im Knaben- beziehungsweise Mädchenchor statt. Ergänzend dazu gibt es professionelle Stimmbildung in kleinen Gruppen. Die Kinder werden dabei spielerisch an die richtige Gesangstechnik herangeführt.

Eingeladen sind alle Jungen und Mädchen, die Freude am Singen haben und qualifizierte Musik im Umfeld des Kaiserdoms erleben wollen. Für die Vorschulgruppen werden keine besonderen Vorkenntnisse vorausgesetzt. Für die Aufnahme in den Knaben- und Mädchenchor sind stimmliche und musiktheoretische Kenntnisse wünschenswert. Wichtig ist auf jeden Fall die verlässliche und engagierte Teilnahme an der Stimmbildung, den Proben und Auftritten und großes Interesse und Freude am gemeinsamen Singen. Mit Schulbeginn nach den Sommerferien werden wieder neue Kinder aufgenommen. VON EVELYN KREUTZ

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