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Stefan Weber gewährte Anni Fischer eine Taunusfahrt in seinem Cabrio.

Cabriotour

Beim Oldie-Besuch in der Seniorenresidenz erfüllt sich Anni Pfister einen Traum

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Glänzender Lack einer hübsch aufpolierten Karosse kann schon manch sehnsüchtigen Glanz in die Augen zaubern. Zum Beispiel, wenn „Oldies“ Oldtimern begegnen.

Pflegedienstleiterin Claudia Gebhardt und Christel Müller, die die Leitung der sozialen Betreuung in der AGO-Seniorenresidenz inne hat, haben den Nagel auf den Kopf getroffen: Für ihre „Oldies“ haben sie andere „Oldies“ zu einem Besuch eingeladen. Und zwar solche, die auf vier Rädern daher kommen.

Für Christof Demuth, Sprecher des Cransberger Oldtimer Clubs (COC), passte diese Visite absolut in seine Vorstellung von einem gelungenen Miteinander zwischen den Generationen.

„Wir fahren zwar Oldtimer, aber wir recken unsere Nasen nicht großspurig in die Luft“, beschrieb er das Ansinnen der Clubmitglieder, mit den Karossen gerne in Tuchfühlung zu gehen mit jungen wie mit alten Menschen. „Das haben wir schon oft gemacht.“

Tuchfühlung hieß also, dass die betagten Gefährte nicht nur auf dem Rasen vor der Residenz abgestellt wurden, um sie den Senioren aus der Ferne vorzuführen. Stattdessen hatte keiner der Fahrer etwas dagegen, dass der glänzende Lack seines Lieblingsstückes auch mal berührt wurde. Oder dass sich der ein oder andere ältere Mensch sogar versuchsweise auf einen der Autositze sinken ließ.

Anni Pfister, mit ihren 96 Jahren die älteste Bewohnerin der Seniorenresidenz, hatte schon vor dem denkwürdigen Sonntagnachmittag ihren Plan ausposaunt. „Wenn die kommen, fahr ich eine Runde Cabrio“, hatte sie dem Pflegepersonal angekündigt.

Und das Glück war ihr hold: Stefan Weber lud Anni Pfister zu einer Taunus-Tour in sein Cabrio ein. Zwar räumte der Kronberger ein, dass es sich bei seinem leuchtend roten Peugeot 205 CTI eher um einen „Youngtimer“ handelte, da ihm noch zwei Jahre bis zum erreichen der erforderlichen Oldtimer-Reife fehle. Aber Anni Pfister störte dieses winzige Manko nicht, Hauptsache, die Fahrt im Cabrio war ihr sicher.

Prompt tauschte sie ihren Rollator gegen den gemütlichen Beifahrersitz und winkte lässig aus dem Fenster. Mit dieser Geste vermochte sie für einen kurzen Augenblick eine Erinnerung an die englische Königin zu erwecken.

Beobachtet und sogar geschätzt wurde sie von einer anderen Majestät, der Apfelblütenkönigin Celine I. aus Wehrheim. „Ich bin so froh, dass mich Christof Demuth hierher mitgenommen hat“, resümierte die junge Frau. Aus ihrer Bewunderung für die erstaunliche Energie und die Lebensfreude der alten Dame machte Celine keinen Hehl. Stattdessen zeigte sie sich beeindruckt von den vielen Erinnerungen aus einem langen und ereignisreichen Leben, von denen Anni Pfister erzählen konnte.

Wie es die alte Dame wohl geschafft haben mag, trotz des Krieges, der Krisen und anderer schlechten Erfahrungen ihre Lebensfreude nicht einzubüßen? Celine hat sie gefragt, und Anni Pfister zog ihr Ass sofort aus dem Ärmel: „Immer nach vorne schauen. Was geschehen ist, ist vorbei und nicht mehr zu ändern.“ Ihre Devise mag erklären, wie sie es selbst in ihrem Alter immer noch schafft, den Vorsitz im Heimbeirat zu führen.

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