+
Nach der Umwidmung zum Mischgebiet entstehen in Hunoldstal in direkter Nachbarschaft zu Gewerbebetrieben Wohnhäuser.

Leerstand

Bürgermeister Kinkel: Erst Bestand nutzen statt neu bauen

  • schließen

Der Bauboom um den Speckgürtel von Frankfurt hat die Feldberggemeinde Schmitten längst erreicht. Dort wird gebaut, was das Zeug hält. Freie Bauplätze gibt es schon lange nicht mehr.

„Ausverkauft! Zur Zeit keine Bauplätze“, so steht es in auffälligem Rot im Kommunalen Immobilienportal der Gemeinde Schmitten. Wer sich weiter durchklickt, wird doch fündig. Doch eine richtig große Auswahl gibt es nicht. Gerade einmal acht Grundstücke sind hier eingestellt, sieben davon von privat.

Während in allen neun Ortsteilen selbst an bisher scheinbar unmöglichen Hanglagen und in Mischgebieten in unmittelbarer Nähe zu Gewerbebetrieben gebaut wird, will das letzte gemeindeeigene Grundstück in der Forsthausstraße in Arnoldshain offensichtlich immer noch niemand haben. Knapp unter dem Bodenrichtwert wurde die Fläche seit dem Jahr 2000 erfolglos für 153 850 Euro angeboten. Für nicht einmal die Hälfte, nämlich 70 000 Euro, wollten die Schmittener Gemeindevertreter die 1003 Quadratmeter im September an den einzigen Interessenten aber nicht abgeben. Die politisch Verantwortlichen wollen nicht unter Preis verkaufen, sondern auf Zeit setzen und den derzeitigen Bauboom nutzen, um einen höheren Preis zu erzielen.

Aber bis neue Baugebiete überhaupt ausgewiesen werden können, wird noch reichlich Zeit durchs bergige Schmittener Land gehen. Die Fortschreibung des Regionalen Flächennutzungsplans wird erst 2020 angegangen (siehe Infobox). „Die Anmeldung von potenziellen Flächen geht bald los“, kündigt Kinkel an und sagt: „Wir bereiten das gerade mit Hochdruck vor.“

Der jüngste Antrag des parteilosen Dr. Werner Templin, sei zwar gut gemeint gewesen, können den Vorgang aber nicht wirklich beschleunigen. „Viele haben diesen langwierigen Prozess noch nicht mitgemacht, einige vielleicht inzwischen schon wieder vergessen“, mutmaßt der Rathauschef und verspricht: „Wir arbeiten das ganz sauber ab.“ Denn bevor über den Regionalverband überhaupt neue Flächen zur Bebauung freigegeben würden, müsse das bestehende Bebauungspotenzial optimal ausgenutzt werden, macht Kinkel deutlich.

In der Feldberggemeinde neu zu bauen, ist dennoch nicht unmöglich. „Innerörtlich haben wir großes Potenzial, natürlich alles privat“, teilt der Rathauschef mit. Das sei das Ergebnis des vom Regionalverband vorgeschriebenen Wohnraum-Monitorings. Dabei wurden via Leerstandskataster leer stehende Häuser und solche Flächen erfasst, die ungenügend oder nur geringfügig bebaut sind. Kinkel kennt jedoch etliche Eigentümer, die schlichtweg gar nicht verkaufen wollen. „Wir können das ja nicht vorschreiben“, sagt er. Aber Werbung dafür machen, kann die Gemeinde schon, und wird es im zweiten Halbjahr auch tun.

Über einen Zuschuss aus dem LEADER-Programm, einem Maßnahmenprogramm der Europäischen Union zur Stärkung des ländlichen Raum, wird das Bauamt zwei

Informationsveranstaltung

en organisieren. Ziel müsse es sein Eigentümer von leerstehenden Häusern und unbebauten Grundstücken zu motivieren, ihre Immobilien und Flächen anzubieten. „Wenn die Besitzer das jedoch für ihre Enkel aufheben wollen, können wir auch nichts machen“, so der Verwaltungschef. Kinkel weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass auch Privatpersonen und gewerbliche Anbieter ihre Angebote auf dem Kommunalen Immobilienportal der Gemeinde einstellen können. „Die umfassende Darstellung unserer Wohn- und Gewerbeflächen wird uns bei der Gewinnung von Neubürgern und der Ansiedlung neuer Firmen durchaus begünstigen“, so der Bürgermeister. Er ist sich auch nicht sicher, ob der aktuelle Bauboom noch lange anhalten wird. Er ist sich sicher: „Wenn erst mal die Zinsen steigen ist es damit sowieso vorbei.“ Die Gemeinde könne, egal was passiert immer nur reagieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare