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Nach großen oder kleinen Geschäften lassen Waldbesucher auch die zum Abwischen benutzten Papiertaschentücher im Schmittener Wald liegen.

Müll im Taunus 

„Chaotische Zustände“: Eklige Taschentücher am Feldberg empören nicht nur Umweltschützer

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Besucher hinterlassen Wanderwege am Feldberg im Taunus wie öffentliche Toiletten. Umweltschützer aus Schmitten sind empört.

  • Am Feldberg im Taunus finden Umweltschützer immer mehr benutzte Taschentücher und Müll 
  • Besucher verrichten im Taunus ihr Geschäft
  • Die Umpas aus Schmitten stellen nun Forderungen

Feldberg - Stinkende Pinkelecken rund um das Feldbergplateau sind den Schmittener Umweltpaten (Umpas) seit Jahren ein Dorn im Auge. Diese stammen nicht nur von Hunden, sondern vermehrt auch von Menschen. Und immer häufiger verrichten auch Ausflügler ihr großes Geschäft irgendwo in der Natur. "Das erkennt man daran, dass Tiere keine Papiertaschentücher als Toilettenpapier benutzen und alles zusammen einfach liegen lassen", meint Dr. Gudrun Urban von den Umpas.

Umweltschützer empört über Müll am Feldberg im Taunus 

Sie ist wie Ingeborg Ligner regelmäßig von den Parkplätzen in Richtung Gipfel mit Müllzange und -beutel unterwegs. Hinterlassenschaften von Hunden verteilten sich meist am Rande der Spazier- und Wanderwege. Aber wenn Zweibeiner ihre Notdurft verrichten, werde es oft richtig eklig für die freiwilligen Müllsammler. "Es gibt bestimmte Ecken und Bäume, da denkt man, man steht in einer öffentlichen Toilette in Frankfurt", stellt Dr. Urban im Gespräch mit dieser Zeitung fest.

Gegen solche ätzenden Gerüche hilft auch der in Corona-Zeiten verordnete Mund-Nasen-Schutz nicht. Aus Sicht von Dr. Urban liegen seit der Corona-Kontaktsperre deutlich mehr gebrauchte Papiertaschentücher in der Natur am Feldberg herum als sonst. "Die Leute haben mehr Zeit und gehen mehr und länger raus", meint sie. Für alle Fälle haben viele dann die weißen Tücher für den Einmalgebrauch dabei. "Egal für was sie verwendet wurden, gehören Papiertaschentücher nicht in die Landschaft, denn sie verrotten langsamer, als die meisten vermuten", weiß Dr. Urban.

Wandern am Feldberg im Taunus- Besucher hinterlassen benutzte Taschentücher und anderen Müll

Sie führt die Aktion "Bitte lasst uns nicht fallen" der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz an. Auf der Homepage der Sachsen ist nachzulesen, dass die vollständige Verrottung von Papiertaschentüchern, anders als der Name des Marktführers vielleicht vermuten lässt, gar nichts mit Tempo zu tun habe, sondern, bis zu drei Jahre dauern kann.

Besser als das häufig geäußerte Lob an die vielen ehrenamtlichen Müllsammler der Umpas am Feldberg wäre nach Auffassung von Dr. Urban, wenn diese gar nicht aktiv werden müssten, sondern jeder seinen eigenen Müll wieder mit nach Hause nimmt. Ähnlich wie bei Zigarettenstummeln sei den meisten Zeitgenossen auch bei Zellstofftüchern nicht bewusst, welchen Schaden sie anrichten. "Wer ein Päckchen Papiertaschentücher mitnimmt, kann auch einen kleinen Müllbeutel dabei haben und den Müll zu Hause entsorgen, die meisten Hundebesitzer können das inzwischen auch", appelliert Dr. Urban an die Vernunft zum Schutz der Natur.

Benutzte Taschentücher am Feldberg im Taunus: Umweltschützer besorgt

Was die Schmittener Umweltpaten beobachten, kann auch der Schmittener Bauhof bestätigen. Ob die Zunahme von Einmaltaschentüchern am Wegesrand mit Corona und einem anderen Freizeitverhalten zu tun hat, will Bauhofleiter Harald Kaduk jedoch nicht beschwören. Er berichtet: "Nach jedem Wochenende mit schönem Wetter haben wir am Feldberg chaotische Zustände und kommen gar nicht mehr nach, weil die Leute alles fallen lassen und nicht daran denken, wie eklig das ist, wenn andere das Einsammeln müssen." Ein gebrauchtes Taschentuch nach dem Naseputzen irgendwohin zu werfen sei nicht nur in Corona-Zeiten in höchstem Maße unverantwortlich.

"Die neueste Generation der echten Tempos ist sogar so reißfest, dass die Tücher auch nach dem Waschen nicht mehr auseinanderfallen." Zum Schutz seien die Mitarbeiter beim Einsammeln von Müll jeglicher Art und von Hundekotbeuteln immer mit Handschuhen und Tüten ausgestattet. Werden stark frequentierte Hundestrecken gemäht, arbeiten die Bauhofmitarbeiter mit Schutzmasken, um eine Infektion durch aufgewirbelten Feinstaub zu verhindern. 

Von Evelyn Kreutz

Die Standgenehmigung für die Hütte am Feldberg in Schmitten endet am 19. Mai. Eine Sondergenehmigung für eine Verlängerung in der Corona-Krise gibt es nicht.

Insgesamt meldet der Hochtaunuskreis am Feldberg gerade einen massiven Anstieg bei Müll. Aber nicht nur bei legal entsorgtem: Auch in der Natur wird mehr Müll im Hochtaunuskreis hinterlassen.

Auch in Frankfurt kämpft die Stadt gegen zunehmenden Müll in Straßen und Parks.

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