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Jasmin, Michael und Meike Gutacker (von links) leiten gemeinsam das Familienunternehmen und springen auch bei Bedarf als Fahrer ein.

Liniengeschäft

Gutacker-Reisen will sich vergrößern und schließt Wegzug nicht aus

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Gutacker-Reisen ist weit über Schmitten hinaus bekannt. Das Familienunternehmen möchte gerne expandieren, denn die Busse fahren inzwischen für die Hessische Landesbahn auch im Liniengeschäft. Wo es weitergehen kann, ist noch offen.

Die fünf Reisebusse der Josef Adam Gutacker OHG (Offene Handelsgesellschaft) und sieben Linienbusse der Gutacker Touristik GmbH passen nicht mehr in die Omnibushalle und den Betriebshof in der Siegfriedstraße 31 in Schmitten-Oberreifenberg. Aber Michael Gutacker kann sich vorstellen noch zu wachsen. „Wenn wir noch ein bisschen größer aufgestellt sind, ist es leichter sich auf dem Markt zu behaupten“, meint er. Der Betrieb sei in einer Größenordnung, wo mit ein paar Mitarbeitern mehr der Ablauf der gleiche ist. Aber es fehlt an Platz.

Wie und vor allem wo es weitergeht, weiß der Unternehmer noch nicht. Derzeit steht ein Teil der Busse auf dem Festplatz in Niederreifenberg oberhalb der Grundschule. Der Standort im Freien ist aber für ihn keine Dauerlösung. „Wir hoffen, dass wir in der Gemeinde Schmitten ein Gewerbegrundstück finden“, sagt er und schließt einen Wegzug in eine andere Gemeinde nicht aus.

Michael Gutacker führt in der dritten Generation das traditionsreiche familiäre Busunternehmen mit eigener Kfz-Werkstatt. Viele Jahre lang stand der internationale Reiseverkehr im Fokus. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters hat der heute 33-Jährige seit 2009 mit seiner Mutter Meike erst im kleinen Stil im internationalen Reiseverkehr weitergemacht. Das bedeutete, er und seine Mutter steuerten je einen Bus. Bei Bedarf engagierten sie einen Aushilfsfahrer.

Der Betrieb wuchs langsam, bis seine Frau Jasmin mit ihrem Fingerspitzengefühl für Auftrieb im Reisegeschäft sorgte. Die Gutackers modernisierten den Fuhrpark und erweiterten das Reiseprogramm. Das soll weiterhin Kerngeschäft bleiben. „Wir fahren alles, was auf sechs Rädern zu erreichen ist, sogar in Nordamerika“, berichtet er und erzählt wie das funktioniert. Mit dem Gutacker-Bus geht es zum Frankfurter Flughafen. In den USA mietet er einen mitteleuropäischen Reisebus, den er im Wechsel mit seiner Frau steuert.

Ein großer Einschnitt war im vergangenen Jahr der Einstieg als Subunternehmer ins Liniengeschäft. Im Auftrag der Hessischen Landesbahn fahren Gutacker-Busse inzwischen auf allen Linien, die es im Hochtaunuskreis gibt. Morgens bringen sie Pendler und Schüler aus dem ganzen Usinger Land zum nächsten Bahnhof der zur Schule. Nachmittags und abends geht das Ganze in die andere Richtung.

Gutacker hat seinen neuen Geschäftszweig langsam aufgebaut. „Als die Ausschreibung vorlag, habe ich zuerst Mitarbeiter gesucht und dann das Angebot abgegeben“, so Gutacker. Anfangs sind seine Fahrer mit für den Linienverkehr geeigneten Leihfahrzeugen gefahren. Denn Linienbusse, pro Stock mit mindestens 200 000 Euro zu kalkulieren, gibt es nicht von der Stange. Sie werden auf Bestellungen ausgestattet.

Im Vergleich zu Stadtbussen mit nur 28 Sitzplätzen, haben die neuen Gutacker-Linienbusse 40 Sitzgelegenheiten, dazu je einen Rollstuhl- und Kinderwagenplatz. „Die Abstände zwischen den Haltestellen sind auf dem Land größer und die Fahrgäste steigen selten nach zwei Stationen wieder aus“, erläutert Gutacker. Auf längeren Strecken im Usinger Land oder von dort in den Vordertaunus, sollen die Fahrgäste gut sitzen können. Behindertengerecht ausgestattet sind die Fahrzeuge auch.

„Gutes Personal zu finden ist mit das Schwierigste“, verrät der Chef und ergänzt: „Der Taunus ist schwer zu fahren.“ Mindestens 14 Tage dauert bei ihm die Anlernzeit. „Erst sitzt der neue Mitarbeiter nebendran, dann fährt er selbst und ein erfahrener Kollege fährt mit“, schildert Gutacker die Einarbeitungsphase. Erst wenn er fehlerfrei eine Linie beherrscht, fährt er sie alleine. „Nacheinander kommen weitere Linien dazu, erst nach einem Jahr kennt ein Fahrer den ganzen Taunus.“

Für die Dienstpläne, also wer wann welche Linie fährt, ist seine Frau zuständig. Da spielen neben den in den Fahrplänen vorgegebenen Touren auch Lenkzeiten und das Arbeitsschutzgesetz eine Rolle. Zu den Aufgabe der Fahrer gehört nicht nur das Lenken des Busses, sondern auch die morgendliche Abfahrtskontrolle, die abendliche Reinigung und Dokumentation.

„Wir sind mit insgesamt 15 Angestellten personell inzwischen so gut aufgestellt, dass wir trotz Grippewelle keine Probleme hatten, alle unsere Linien zu besetzten“, erzählt Gutacker und ergänzt nicht ohne Stolz: „Als etliche Bahnverbindungen wegen kranker Lokführer ausfielen, sind wir sogar Schienenersatzverkehr gefahren.“ Für den Sommer hat er den ersten großen Auftrag außerhalb des Taunus an Land gezogen. Wenn in Frankfurt im U-Bahn-System große Bauarbeiten stattfinden, übernimmt er mit seinem Team 50 Tage am Stück den Schienenersatzverkehr.

Gerade im ländlichen Raum wird bemängelt, dass Busse dann nicht fahren, wenn man sie braucht. Michael Gutacker ist überzeugt: „Wenn der öffentliche Personennahverkehr besser genutzt wird, könnte man die Fahrpläne noch interessanter gestalten.“

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