1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Schmitten

Haft für alten Osterbrauch?

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

ualoka_schmitten_osterkl_4c
Hermann-Josef Klosterhalfen ist als junger Mann noch mit dem Rumpelkasten durch die Niederreifenberger Straßen gezogen. © Red

Schmitten-Niederreifenberg. Osterbräuche gibt es viele. Doch die meisten, wie das Schmücken von Osterbrunnen oder das Feiern am Osterfeuer, haben im Usinger Land keine wirkliche Tradition, sondern sich erst in den vergangenen Jahren etabliert. Einen uralten Brauch, der heute nicht mehr praktiziert wird, gab es in Reifenberg zum Ende der Karwoche. Bis vor etwa 20 Jahren zog die Jugend des Dorfes mit dem Rumpelkasten durch die Straßen, um in der Frühe an den Beginn des Karfreitagsgottesdienstes zu erinnern.

Weil von Karfreitag bis Ostersonntag die Kirchenglocken nicht läuten, wird in vielen katholischen Gemeinden auch heute noch das Geläut durch andere Geräusche ersetzt. In der Regel werden dafür hölzerne Klappern oder Ratschen benutzt. In Reifenberg heißt diese Konstruktion Rumpelkasten. Was es damit auf sich hat, wie er funktioniert, und wann und wie der verwendet wurde, weiß noch der 89-jährige Hermann-Josef Klosterhalfen aus Niederreifenberg.

An Gründonnerstag beim Gloria haben damals zum letzten Mal die Kirchenglocken geläutet und die Orgel gespielt. Danach sind die jungen Burschen, wie die Jünger nach dem Abendmahl, die Nacht über gemeinsam wach geblieben. Am frühen Karfreitagsmorgen zogen sie dann um 4.30 Uhr mit dem Rumpelkasten durchs Dorf, begleiteten mit lauten klackernden Geräuschen das Ave Maria und riefen die Bewohner zum Gebet und zum Gottesdienst. »Zum Mittagsläuten um 12 Uhr, um 15 Uhr und zum Abendläuten haben wir dann noch einmal gerumpelt«, erzählt Klosterhalfen. »Es gab im Dorf bestimmt 15 Rumpelkästen, fast jeder junge Kerl hatte einen eigenen. Meinen hat der Schreiner Lorenz Sturm hergestellt«, erinnert er sich. Er hat ihn allerdings irgendwann nicht mehr zurückbekommen, nachdem er ihn verliehen hatte.

Und wie funktioniert so ein Rumpelkasten? In einem Resonanzkasten aus Holz befinden sich mehrere Hämmerchen oder Kugeln, die von außen mit einer Kurbel angetrieben werden. »Innen trifft dann die Holzwelle mit Noppen auf die beweglichen Holzteile und es entsteht ein lautes klackerndes Geräusch« erläutert Klosterhalfen.

Wenn auf Kommando mehr als zehn junge Leute gleichzeitig den Rumpelkasten ankurbelten, wurde es schon laut. Das brachte Klosterhalfen und anderen »jugendlichen Herren« 1947 sogar eine Anzeige wegen Ruhestörung und Keilerei ein. Jeder sollte 20 Reichsmark Strafe zahlen oder eine viertägige Haft absitzen. Doch die jungen Niederreifenberger waren mit ihrem Widerspruch erfolgreich. Dafür gab es drei Gründe: Es handelte sich schließlich um einen uralten Brauch. Außerdem waren sie sich nicht bewusst, dass das Absingen von Versen als Weckruf an Karfreitag rechtswidrig war. Vor allem sollten nur die Rumpelkastengänger in Niederreifenberg bestraft werden und nicht die in Oberreifenberg. »Die Strafsache Rumpeln wurden dann im Sommer eingestellt«, erzählt Klosterhalfen.

Er weiß aber auch, dass sich im Lauf der Zeit immer öfter Anwohner wegen Ruhestörung beschwert haben. Wie viele Rumpelkästen noch heute in Kellern oder auf Speichern lagern, ist unbekannt. Ein Exemplar ist im Bestand der Interessengemeinschaft Pfarr- und Ortsarchiv Reifenberg« (IG PFORA). Für das Archiv hat Klosterhalfen auch seine Karfreitags- und Ostererinnerungen aufgeschrieben. Denn am Karsamstag war damals kein Gottesdienst, aber die Jugend zündete am Abend das Osterfeuer an. Und nach dem Hochamt an Ostersonntag wurde dann das Weihwasser in Milchkannen mit nach Hause genommen.

Auch interessant

Kommentare