Hans Kurdum (vorne links), Christel Kinkel (hinten links), Rainer Löw (Mitte) und Bernhard Eschweiler (rechts) haben sich in Dorfweil mit Bürgern getroffen, die unter Verkehrslärm leiden.
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Hans Kurdum (vorne links), Christel Kinkel (hinten links), Rainer Löw (Mitte) und Bernhard Eschweiler (rechts) haben sich in Dorfweil mit Bürgern getroffen, die unter Verkehrslärm leiden.

Schmitten

Klirrende Scheiben und bebende Häuser

Bürger in Schmitten klagen über zunehmenden Verkehr und viel zu schnelle Autofahrer

Schmitten -Der Verkehr auf Schmittens Straßen nimmt besonders in den Ortsdurchfahrten ständig zu. Lärm- und Umweltbelastung sowie Sicherheitsgefährdung steigen. Die FWG will das ändern und hatte einen Antrag für die Gemeindevertretersitzung am gestrigen Mittwoch gestellt.

FWG-Fraktionsvorsitzender Rainer Löw befürchtet, dass nach der weiteren Sanierung der Landesstraßen die Belastung noch mehr steigt. Tempo-30-Zonen sollen den Lärm für die Anwohner erträglicher machen und die Sicherheit erhöhen. Start soll möglichst zeitnah sein in Dorfweil in der Brombacher Straße, in Schmitten in der Dorfweiler Straße, der Kanonenstraße und der Schillerstraße und in Niederreifenberg in der Schmittener Straße und der Brunhildestraße. Außerdem sollen weitere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung geprüft werden.

Die FWG sieht in Niederreifenberg Handlungsbedarf, weil die Landesstraße sich nach der Sanierung zur Rennstrecke entwickelt hat. Zudem entstehen dort gefährliche Situationen, weil Parkbuchten und somit Ausweichstellen fehlen, Anwohner oft dicht an dicht auf der Straße parken und das Ordnungsamt regelmäßig kontrolliert, wer verbotenerweise auf dem Bürgersteigen parkt. "Verkehrsberuhigung und Parksituation dürfen nicht länger ein Provisorium bleiben", fordert Gemeindevertreter Bernhard Eschweiler.

Um die Dringlichkeit ihres Antrages deutlich die zu machen, hat die FWG-Fraktion betroffene Bürger zu einem Pressetermin im Freien eingeladen. Aus Niederreifenberg berichteten Astrid Rother und Anna Kiehl, wie es ist, wenn morgens ab 5 Uhr Schwertransporter durch die Brunhildestraße donnern oder Fahrzeuge ab dem Abzweig Hauptstraße noch mal richtig Gas gaben. "Aus Richtung Schmitten kommend denken alle sie haben Vorfahrt und Tempo 50 hält da keiner ein", so Rother. Für Kiehl ist bedenklich, dass in den Stoßzeiten auch Schulkinder unterwegs sind. Seit August hat Kiehl mit Mitgliedern einer Interessengemeinschaft über 200 Unterschriften gesammelt für Tempo 30 kombiniert mit temporären Kontrollen. Vor 14 Tagen hat sie die Liste an Bürgermeisterin Julia Krügers (CDU) gegeben, diese wolle das Thema in die Begehung der Verkehrskommission aufnehmen.

Dramatische Szenen schilderte auch Eva-Maria Jäger aus der Dorfweiler Straße. "Wenn Lkws vorbeifahren, klirren die Scheiben und das ganze Haus bebt." Vor ihrem Haus ist der Bürgersteig nur 40 Zentimeter breit und sie befürchtet, dass nach der Erneuerung der Straße noch schneller gefahren wird. Das kennt sie von der letzten Sanierung, als ein Auto in der Kurve in ihr Haus gefahren ist. Dass sie eine gefährliche Ausfahrt habe, erlebe sie immer wieder. "Seitdem die Straße aus Niederreifenberg neu gemacht ist, fahren auch viele von dort viel zu schnell in Schmitten rein und sehen nicht, wenn jemand aus Richtung Seelenberg oder vom Rewe-Markt kommt", berichtete Anwohnerin und FWG-Vertreterin Christel Kinkel.

Nicht viel besser sieht es in Dorfweil aus. Manuela Kahlert, Anette Henrich und Christina Löw hoffen auf eine Induktionsschleife an der Ampel, damit die auf Rot springt, wenn Fahrzeuge zu schnell sind. Das scheint bei Verkehrsexperten der Polizei nicht unumstritten zu sein. Löw monierte, dass das Orteingangsschild bereits mehrmals versetzt worden sei. Die aktuelle Situation: Nach dem Blitzer geben die meisten Autofahrer wieder Gas.

FWG: Es gibt auch Alternativen zu einem Kindergarten-Neubau

Nach wie vor fehlen Kindergartenplätze in der Gemeinde Schmitten. Der Ausbau der Betreuungsplätze duldet für die FWG keinen Aufschub. Vor allem sollte nicht nur eine einzige Option, deren Realisierung noch dazu fraglich ist, verfolgt werden. Deshalb stellt die FWG einen Antrag, um weitere konkrete Möglichkeiten zur Erweiterung des Betreuungsangebotes prüfen zu lassen.

"Wir dürfen keine Scheuklappen haben, es ist alles auf den Prüfstand zu stellen, um noch in dieser Legislaturperiode das Loch zu schließen", fordert Bernhard Eschweiler. "Wir haben keine Präferenz für einen bestimmten Anbieter", sagt er und erinnert daran: "Das Neubauvorhaben von accadis wurde breit diskutiert und von uns mitgetragen." Jedoch seien durch die aktuelle finanzielle Lage in Bund, Land und Kommunen zukünftige Förderungen zum Ausbau von Kindergartenplätzen perspektivisch deutlich geringer einzuschätzen als in den vergangenen Jahren.

"Unter diesen Bedingungen ist in Frage zu stellen, ob sich die Gemeinde eine Kooperation mit accadis und den damit verbundenen Neubau weiterhin leisten kann, ohne die Grundsteuer erneut anheben zu müssen", so Fraktionschef Rainer Löw. Eschweiler betont: "Das heißt nicht, dass wir die von accadis verfolgte Variante ablehnen, aber wir wollen nicht alles auf eine Karte setzen." Ökologisch wie ökonomisch könnte es sinnvoll sein, neue Plätze in bestehenden Gebäuden zu schaffen. Davon abgesehen ließe sich so zeitnah dem Notstand entgegenwirken.

Die FWG hat auch konkrete Vorschläge. Im Kindergarten Oberreifenberg ließe sich mit kleinen räumlichen Veränderungen eine neue Gruppe angliedern. Für Räume der katholischen Kirche in Niederreifenberg gebe es bereits eine Planung, die man aufgreifen könnte. Ob die Kita Niederreifenberg oder ein weiterer interessierter Betreiber das Vorhaben angehen und die Betreuung und übernehmen könne, sei zu prüfen.

Auch den Ausbau von Betreuungsplätzen im Kindergarten der Montessori Eco School solle man weiterverfolgen. "Es sieht ganz so aus, als ob Montessori sich ganz auf die Kindergartenbetreuung konzentriert", weiß Eschweiler.

Die Erweiterungsmöglichkeiten in den einzelnen Einrichtungen sollen mit den Betreibern sowie den Eigentümern der Liegenschaften erörtert werden. Zur Beratung in den Ausschüssen sollen außerdem Zahlen zur Verfügung gestellt werden über die Belegung aller Einrichtungen auch mit Nicht-Schmittener Kindern, über Wartelisten für Kinder mit Wohnsitz in der Gemeinde sowie über die von Tagesmüttern betreuten Kinder.

"Wenn es gelingt, auf diesem Weg drei neue Gruppen zu schaffen, sind wir nicht mehr weit weg von den vier Gruppen, die ein Neubau bringen würde", so Eschweiler. Es werde auch immer von 60 Kindern auf der Warteliste geredet. Aber auch das schwanke. "Am Ende haben wir vielleicht nur noch eine kleine Lücke und die lässt sich schließen, ohne die von accadis geplanten fünf Millionen Euro in die Hand zu nehmen und eine neue große Immobilie hinzustellen", sagt der FWG-Finanzexperte.

Von Evelyn Kreutz

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