tzp_evk_HolzgestalterMatthi
+
Auf Bestellung gestaltet Matthias Schmidt für eine Weihnachtskrippe sogar eine Fledermaus.

Arnoldshainer Künstler bessert seine Rente auf - und muss "Corona-Loch" überbrücken

Kunst-Verkauf durch Pandemie erschwert

  • vonEvelyn Kreutz
    schließen

Matthias Schmidt fehlen die Weihnachtsmärkte und damit Kontakte und Aufträge

In diesem Jahr sind wegen Corona sämtliche Weihnachtsmärkte abgesagt worden. Für viele Kleinkünstler entfallen wichtige Absatzmöglichkeiten. Für manche gerät damit ein Teil ihrer Existenzgrundlage ins Wanken und es ist Kreativität in Sachen Vermarktung gefragt. Unsere Zeitung stellt verschiedene Künstler und Kunsthandwerker vor und beleuchtet, wie sie mit dieser veränderten Situation umgehen.

Für den ausgebildeten Holzbildhauer Matthias Schmidt ist das Weihnachtsgeschäft normalerweise ein wichtiges finanzielles Polster für das kommende Jahr. Der Holzkünstler stammt aus dem Erzgebirge, ist kurz vor der Wende mit seiner Familie in den Westen geflohen und hat sich vor genau 30 Jahren selbständig gemacht. Sein traditionell gefertigter Weihnachtsschmuck ist vor allem auf den Märkten sehr begehrt. Dafür stellt er beinahe ein halbes Jahr lang Krippenfiguren und jede Menge Christbaumanhänger her.

"Die Kartons sind voll", sagt er. Im heißen Sommer hat er in seiner vergleichsweise kühlen Werkstatt, die direkt an den felsigen Taunusschiefer gebaut ist, gesägt, geschnitzt und poliert und viele Figuren auch angemalt. Da Schmidt über das Usinger Land hinaus bekannt ist, haben einige Stammkunden bei ihm Weihnachtsschmuck zur Abholung bestellt.

Fledermaus für die Krippe

Manche lassen sich von ihm jedes Jahr eine neue individuelle Krippenfigur herstellen. Die Bürgerkrippe in Schönberg hat schon praktisch die komplette Krippengrundausstattung und hat sich in diesem Jahr etwas ganz anderes gewünscht, und zwar eine Fledermaus. Für diesen ausgefallenen Auftrag hat Schmidt nach einem Foto zunächst eine Zeichnung angefertigt nach der er die Holzarbeit angefertigt hat.

Ohne die Märkte fehlen ihm nicht nur die direkten Umsätze, sondern auch die Aufträge fürs nächste Jahr. "Ich bin eigentlich schon im Ruhestand, aber mit der kleinen Renten weiterhin auf den Verkauf angewiesen", sagt der 66-Jährige und ergänzt: "Ich sehe es noch nicht dramatisch, aber im nächsten Jahr wird es schon schwieriger." Vor allem, weil die Weihnachtsmärkte für ihn auch immer eine wichtige Werbung für seine Holzkunstwerke mit anderen Motiven sind.

Auch da gibt es Stammkunden. So steht seit diesem Sommer aus seiner Werkstatt in der Arnoldshainer Kirche ein neuer Osterkerzenständer. Und für die Kirche in Rod am Berg hat er das Holzlesepult verkleinert und neu gestaltet. Da bei Schmidt jedes Werk ein Unikat ist und ein Eigenleben hat, geben seine Arbeiten, die er auf den Märkten anbietet, oft Impulse für individuelle Aufträge, die jetzt fehlen.

Auch seine jährliche Ausstellung "Advent in der Werkstatt", wo seine eindrucksvollen großen Schutzengel und andere Skulpturen zu sehen sind und die geplante große Herbstausstellung zu seinem 30-jährigen Jubiläum sind Corona zum Opfer gefallen. Die Jubiläumsausstellung will er, wenn es die Coronaentwicklung zulässt, im nächsten Jahr nachholen. "Das ist für mich auch künstlerisch wieder ein neues Ziel", meint er. Themen, die er in Holz umsetzt, gehen ihm praktisch nie aus. So hat er auch schon Bundeskanzlerin Angela Merkel in Holz geprägt und Menschen abstrahiert im Dialog dargestellt.

Weihnachtsschmuck vor der Werkstatt

Schmidts Skulpturen für den Garten sind so lebendig, wie das Material aus dem er sie geschaffen hat. "Leben wie ein Baum einzeln und frei und brüderlich wie ein Wald. Das ist unsere Sehnsucht", zitiert der Holzbildhauer Alexandra von Kaliningen. Und er hält es mit Richard von Weizsäcker, der einmal gesagt hat "Kultur ist kein entbehrlicher Zierrat, sondern humane Lebensweise der Bürger."

Auch unter Coronabedingungen ist es ihm wichtig seine Art von Weihnachtskultur zu vermitteln. Deshalb will er im Rahmen des Möglichen vor seiner Werkstatt im Freien wenigstens seinen Weihnachtsschmuck aufbauen und anbieten und zwar am dritten Adventswochenende, am Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 19 Uhr. Aus Erfahrung weiß er, dass nicht alle Kunden auf einmal kommen. Desinfektionsmittel stehen bereit, mit Absperrungen und Hinweisen stellt er die Abstände sicher und jeder muss sich in eine Liste eintragen. Kaffee, Glühwein und Weihnachtsgebäck wird es in diesem Jahr nicht geben.

Und wer an diesem Wochenende keine Zeit hat kann bis Weihnachten per Telefon unter Telefon (0 60 84) 94 97 97 oder per Mail unter m.u.schmidt@gmx.net einen Termin vereinbaren und schöne Dekorationen, Krippenfiguren oder kleine Geschenke erwerben. Evelyn Kreutz

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare