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»Leider wird polarisiert«

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Ganze drei Motorradfahrer wurden am Wochenende von Polizeistreifen registriert. Sonst aber hielt das winterliche Wetter viele Biker davon ab, den Taunusgipfel zu besuchen. © Red

Schmitten . Zweiradfahrer machten an sich diesem Wochenende zu hunderten auf den Weg zum Großen Feldberg. Es waren hartgesottene und verwegene Radsportler beim Frühlingstraining, die sich per Pedale und Muskelkraft auf das 881 Meter hohe Plateau des Höchsten im Taunus emporschufteten. Ebenfalls vertreten waren einige E-Biker, die sich mit erlaubtem Elektro-Doping bereits früh im Jahr auf Waldwegen und Landstraßen auf den Weg machten, um den »Top of Taunus« auf zwei Rädern zu erklimmen.

Motorräder aber verirrten sich auch zur besten Ausflugszeit am Sonntag kaum dorthin.

Gerade mal drei Motorradfahrer

»Unsere rund um den Feldberg eingesetzten Kollegen haben bis Sonntagnachmittag keine Verstöße gegen die erste Lärmpause im Feldberggebiet festgestellt«, teilte Polizei-Pressesprecher Ingo Paul mit. Eine Streife habe gerade einmal drei Motorradfahrer gesehen. Während jener ersten »Lärmpause« dieses Jahres war die Auffahrt zum Feldberg-Plateau für Motorradfahrer über die gesamte Kanonenstraße gesperrt.

Grund für das totale Desinteresse der motorisierten Biker aber war ganz gewiss nicht die vom Hochtaunuskreis angekündigte erste von sieben Sperrungen. Vielmehr hielt wohl das spätwinterliche Wetter am mittlerweile vierten Frühlings-Wochenende die Lust an der ersten Ausfahrt auf absoluter Sparflamme.

Am Samstag hatte sich »der Berg« noch eine weiße Zipfelmütze übergestülpt, die er bis zum Sandplacken und zum Roten Kreuz tief heruntergezogen hatte. Der Anblick der auch von Frankfurt aus sichtbaren, schneebedeckten Bäume hielt am ersten Lärmpausen-Tag die Biker gewiss davon ab, ihre heißen Öfen aus der Garage zu holen.

Nur eine verschwindend geringe Anzahl an Bikern hatte sich entschlossen, über das Rote Kreuz bis in die Gipfelregion vorzudringen. Das war erlaubt. Die Auffahrt von Oberursel und Schmitten-Arnoldshain über die Kanonenstraße dagegen war, wie gesagt, für Motorradfahrer gesperrt. Von der Handvoll Biker, die am Sonntag zwischen 12 und 13 Uhr unter dem wuchtigen Feldberg-Fernmeldeturm eintrafen, blieb nur ein einziger dort stehen.

Für gewöhnlich stehen zu dieser Zeit an einem Sonntag dort oben dutzende PS-strotzender Maschinen fein säuberlich in Reih und Glied parkiert. »Leider wird die aktuelle Debatte um die Lärmbelästigung in der Feldbergregion von einem allseits bekannten Pensionär jedes Jahr aufs Neue hochgekocht. Er fühlt sich von Motorradfahrern in seiner Ruhe gestört«, sagte ein Motorradfahrer am Fuße des Feldbergturms, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. »Er hat es geschafft, Öffentlichkeit für das Thema herzustellen.«

Dieser Lokalpolitiker habe es ganz offensichtlich auch geschafft, dass sich seine Parteikollegen im Kreistag dieser Diskussion immer wieder annehmen würden und in seinem Interesse aktiv würden. Als Motorradfahrer bedauere er, dass »ein paar Heißsporne und Rowdys« unter den Bikern die gesamte Szene in Verruf zu brächten.

»Ich kann die Anwohner der Feldbergstraßen verstehen, wenn sich diese gerade an den schönen Wochenenden in der Saison von Motorradfahrern genervt fühlen, die hinter den Kurven hochtourig und lautstark beschleunigen«, so der Frankfurter im Gespräch mit dieser Zeitung. »Doch in dieser Debatte ist es, wie in so vielen Bereichen unseres Lebens: es wird nur noch polarisiert.«

Keine »Alibi-Debatte«

So finde der Mann es prinzipiell in Ordnung, wenn nun zwischen April und Oktober mit den »Lärmpausen« eine Art Langzeitstudie erstellt werde. Bekanntlich sollen einzelne Strecken im Feldberggebiet am jeweils zweiten Wochenende eines Monats bis einschließlich Oktober 2022 für Motorräder versuchsweise gesperrt werden.

»Doch darf das nicht eine Alibi-Aktion bleiben. Nach der Bilanz im Herbst müssen tatsächlich konkrete Ergebnisse diskutiert werden«, so der Biker. »Will man den Konflikt entschärfen, dann muss die Politik auch Geld in die Hand nehmen. Nur mit Blitzanlagen kontrollierte Tempolimits oder weitere Bodenschwellen bringen tatsächlich etwas.«

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»Heutzutage wird nur noch polarisiert«, sagte einer der wenigen Motorradfahrer, die es tatsächlich bis zum Gipfel geschafft hatten. © Red

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