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Beim Einmarsch der Samba-Jünger machen alle Platz, und am Gipfelkreuz legen die Trommler richtig los.

Weihnachtsritual

Taunusgipfel-Parade ist Love-Parade für kuriose Vehikel an Heiligabend auf dem Feldberg

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Der Heiligabend ist ein besonderer Tag im Jahr. Gläubige Christen feiern die Geburt des Heilands, und die meisten Menschen haben ihre Rituale, zu denen zumeist auch der Kirchgang gehört. Auch tagsüber gibt es immer noch etwas zu tun, und so manches wird im Laufe der Jahre zu einem festen Ritual.

Für viele Menschen gibt es seit über zehn Jahren ein Ritual, ohne das bei der Einstimmung auf den Heiligen Abend etwas fehlen würde: die Taunusgipfel-Parade. Mit den Bikern fing es an, aber aus dem Bikertreffen ist eine Love-Parade der Vehikel geworden, der schrägen Typen und der Schaulustigen.

Und so wurde es auf dem Plateau auch in diesem Jahr am Vormittag ziemlich eng. Eigentlich ist es für Kraftfahrzeuge über Stunden hinweg gesperrt, aber eben nicht für alle. Die Verkehrswacht trifft die Auslese und das bedeutet: Ein „normales Auto“ muss unten bleiben, Motorräder allerdings haben freie Fahrt, so weit sie durchkommen, denn etwa ab 10 Uhr wird es von Minute zu Minute enger, bis Neuankömmlinge nur im Kriechgang vorwärtskommen.

Kawasaki-Weihnachtsmann verteilt Berliner

Der Weihnachtsmann fährt Bike.

Wie gesagt, für viele ist die Taunusgipfel-Parade inzwischen ein Ritual, und deshalb sieht man auch Jahr für Jahr die gleichen Typen wieder, das trifft sowohl auf die Modelle zu als auch auf deren Fahrer. So ist der Kawasaki-Weihnachtsmann immer dabei und verteilt Berliner, ebenso das kleine rote Goggomobil Coupé mit dem weihnachtlich geschmückten Koffer auf dem Gepäckträger, und so manches andere Gefährt mit Wiedererkennungswert springt hier und da ins Auge. Die Biker sind schon lange nicht mehr unter sich: Traktoren haben ihnen zahlenmäßig starke Konkurrenz gemacht, Einachser auch sowie Geländefahrzeuge, auffällig müssen sie allerdings schon sein. Zu den diesjährigen Hinguckern gehörte ein Wartburg 1000, der als Volkspolizei-Auto zurechtgemacht war und mit Blaulicht einfuhr. „Echtes Blaulicht“ gab es auch, denn einige Zweiradpolizisten waren mitten im Gewühl und schauten nach dem Rechten.

Friedlich wie im Gottesdienst, ausgelassen wie auf der Love-Parade

Der Engel kam aus Ortenberg herüber geflogen.

So weit es ging und nötig war, möchte man sagen, denn an Heiligabend auf dem Feldberg geht es friedlich zu wie im Kindergottesdienst oder so ausgelassen wie auf der Love-Parade. Weißbärtige Weihnachtsmänner, Engel, Elche und alle möglichen Kopfbedeckungen sorgen für eine stimmungsvolles Bild, alle sind gut drauf, es wird gegrillt, Musik schallt durch die Rauch- und Nebelschwaden, man schwätzt und trinkt zusammen, besonders die Mitfahrer kommen hier auf ihre Kosten und die vielen Schaulustigen. Die Parkplätze rund um den Taunusgipfel sind voll, denn viele Ausflügler haben den Besuch ritualisiert und scheuen auch den mehr oder weniger weiten Weg zu Fuß hinauf nicht.

Einachser brauchten ein bisschen länger, kamen aber auch ganz oben an.

Zumindest das letzte Stück laufen auch die Samba-Jünger aus Neuenhain. Sie sind die Kultband der Taunusgipfel-Parade und marschieren stets trommelnd ein, und jeder ist gespannt, in welchem Aufzug sie diesmal erscheinen: Diesmal kamen sie in Mönchskutten und nahmen, wie immer zwar, aber diesmal passte es eben noch besser, unter dem Gipfelkreuz Aufstellung, trommelten und rasselten Sambarhythmen, umgeben von mehreren hundert Schaulustigen. Und das war der Höhepunkt. Danach lichtete sich der Gipfel sogleich auch schon wieder, und der Heiligabend zu Hause kann kommen.

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