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Der riesige Hirsch ist einer der Eyecatcher, den Steffen Schneider-Günter (links) sprayte. Felix Kunze hat andere Elemente aus der Natur beigefügt.

Kunst

So macht Graffiti den Feldbergturm schöner

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Über viele Jahre lang war der Aufstieg auf den Feldbergturm eine triste Angelegenheit. Zumindest von innen. Nun ist er wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Was sich hinter verschlossenen Türen abspielt wird am Ende für alle sehenswert.

Weit holt Steffen Schneider-Günter aus und sprüht dunkle Farbe über die graue Wand. Keine zwei Minuten dauert es, bis die ersten Konturen von Felsen sichtbar werden. Genauso schnell umhüllt ihn und seinen Kollegen Felix Kunze ein feiner Nebel, dessen Geruch die Sinne betäubt. „Bei dieser Menge sind Masken unerlässlich“, sagt der 25-jährige Schneider-Günter. Der Werbetechniker aus Kelkheim verdient seine Brötchen mit dem Erstellen von Schildern – und als Graffiti-Künstler. In Bad Vilbel hat er bereits mehrere Flächen gestaltet.

Schneller als die Besucher die Stufen auf die Spitze des Feldbergs erklimmen können, tauschen Schneider-Günter und Kunze die Sprühflaschen und die Farben. Die Gestaltung der Flächen sind nicht dem Zufall überlassen, sondern folgen einem genauen Gestaltungskonzept, das Schneider-Günter vorlegte. Und das dürfte sich den künftigen Besuchern des Taunuswanderheims nebst Turm nicht nur von selbst erschließen, sondern auch den bislang eher öden Aufstieg faszinierend gestalten.

„Wenn man sich auf den Weg zum Feldberg macht, dann ist das Tal noch sehr grün und bewaldet“, schildert Schneider-Günter, der aktuell in Kelsterbach wohnt. Je höher die Besucher kommen, desto lichter werde der Wald, das Areal felsiger und der Himmel deutlicher zu sehen. „Also lassen wir den Besucher den Feldberg über die Stufen noch einmal erklimmen, indem es unten im Tal noch recht grün, dann zunehmend lichter und felsiger wird, bis er schließlich im Himmel ankommt“, erzählt Schneider-Günter.

Beim Aufstieg geht’s nicht nur gerade hoch, sondern auch um einige Ecken. „Hinter vielen Ecken erwartet die Betrachter ein Eyecatcher“, sagt Schneider-Günter und zeigt auch schon die ersten tollen übergroßen Werke an der Wand. Auf den gigantischen Hirsch, der den Betrachter mit einem Blick aus Vorsicht und Dominanz entgegen schaut, ist Schneider-Günter besonders stolz. Doch auch andere Tiere wie der schelmisch blickende Fuchs oder die flinke Kohlmeise sind ein echter Blickfang die für den langen Weg entschädigen.

Rund 200 Stufen müssen die Besucher erklimmen, um auf der höchsten begehbaren Spitze auf dem Feldberg zu stehen. Schneider-Günter und Kunze laufen diese Treppen seit etwa einem Monat mehrmals in der Woche. An einigen Stellen mussten sie auf einer Leiter stehen und bis zur Decke arbeiten, an anderer Stelle um die Ecke zeichnen. Und obgleich beide Künstler ihre eigene Handschrift pflegen, verschmelzen ihre Werke in verschiedenen Grüntönen zusammen. „Absolute Ehrlichkeit dem anderen Gegenüber ist sehr wichtig“, sagt der 27-jährige Felix Kunze aus Frankfurt-Eschersheim. Wenn also etwas nicht gefalle, dann müsse es überarbeitet werden. Der Anspruch ist hoch. Wie der Baum in der Nähe des Taunusklub-Raumes. „Da bin ich noch nicht so zufrieden“, sagte Schneider-Günter. Nahezu täglich sind die beiden Künstler im Feldbergturm aktiv, „der längste Tag hatte acht Stunden“, sagen die beiden.

Geschwungene Linien, keine Buchstaben und den Bezug zum Taunus herstellen, „das haben sie erfüllt“, sagt auch Gerhard Uhl, Vorsitzender des Taunusklubs, der die beiden Künstler in Abstimmung mit dem Turminhaber, dem Hessischen Rundfunk, beauftragte. Finanziert wird die Arbeit der beiden sowie von Malermeister Michael Pfaff, der eine optisch graue Grundlage auf den etwa 250 Quadratmetern schuf, aus einer anonymen Spende von mehr als 28 000 Euro. Dafür gibt es mehrere Liter Farbe vom Maler und rund 500 Sprühdosen sowie die Arbeitszeit der drei Männer. Ende Juni soll der Treppenaufgang fertig sein die gesprühten Adler am Himmel kreisen. „Auf dem Plateau wollen wir dann ein

Gipfelbuch

auslegen, damit sich die Besucher nach ihrem Aufstieg verewigen können, anstelle die Wände dafür zu benutzen“, stellt Uhl in Aussicht. Bis dahin müssen die Künstler aber noch einige Male das Material rauf und runter tragen.

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