Weil sie derzeit keine Malkurse geben kann und Ausstellungen nicht möglich sind, hat Künstlerin Linda De Clercq von ihren Bildern Kalender drucken lassen.
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Weil sie derzeit keine Malkurse geben kann und Ausstellungen nicht möglich sind, hat Künstlerin Linda De Clercq von ihren Bildern Kalender drucken lassen.

Corona drängt Kunst im Usinger Land an den Rand

Malerin aus Schmitten hat eine Leidenschaft für Gesichter

  • vonEvelyn Kreutz
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Durch die Pandemie haben viele Kunstschaffenden keine Möglichkeit sich zu präsentieren. Deshalb stellen wir die Gruppe mit all ihren Problemen vorIn diesem Jahr sind wegen Corona nicht nur sämtliche Weihnachtsmärkte, sondern auch die meisten Ausstellungen abgesagt worden. Für viele Künstler entfallen damit wichtige Absatzmöglichkeiten. Wenn auch Malkurse nicht stattfinden können, gerät bei manchen ein Teil ihrer Existenzgrundlage ins Wanken. Die Taunus Zeitung stellt verschiedene Künstler vor und beleuchtet, wie sie mit dieser veränderten Situation umgehen.

Oberreifenberg -Linda De Clercq ist nicht nur in Schmitten als Künstlerin längst keine Unbekannte mehr. Sie malt seit ihrem achten Lebensjahr, hat in Belgien die Jugendakademie besucht und sich als Hobbymalerin in Kursen weiter entwickelt. Im August 2014 hat sie ihren früheren Beruf als Psychologin für internationale Unternehmen aufgegeben und sich als Künstlerin und Kleinunternehmerin selbstständig gemacht.

Um von ihrer Kunst leben zu können, ist sie auf verschiedenen Ebenen aktiv. Im eigenen Atelier in Oberreifenberg, ihres Wissens das höchstgelegene im Hochtaunuskreis, mit Blick auf den Feldberg, entstehen ihre eigenen Arbeiten. Dort gibt sie auch ihre Erfahrung weiter an ihre Malschüler. Während des ersten Lockdowns im März durfte sie gar keine Malkurse geben, danach nur Einzelunterricht. Größere Mal-Veranstaltungen für Geburtstagsfeiern oder in Firmen und in den Ferien in Schulen waren in diesem Jahr wegen Corona nicht möglich.

Unterricht Stück für Stück wieder eingestellt

Bis auf wenige Wochen im Sommer und Frühherbst hat sie seit 1. November wieder ihre Malkurse in zwei Senioreneinrichtungen in Oberursel und Königstein eingestellt, und nach der Verschärfung des Teil-Lockdowns erneut auch die privaten Unterrichtsstunden. "Die Schüler haben inzwischen ihre angefangenen Arbeiten abgeholt, um sie zu Hause fertigzumachen", erzählt die gebürtige Belgierin. Online-Malkurse wollte sie bisher nicht geben. "Ich brauche die Interaktion mit den Schülern", sagt die 59-Jährige, und dass sie daraus auch Anregungen für eigene Arbeiten schöpft.

Je nachdem, wie lange es nach Beginn der Impfungen mit der Corona-Entwicklung weitergehe, werde sie sich vielleicht doch damit beschäftigen müssen. Weil es schwierig ist, in Galerien in Frankfurt reinzukommen, hat De Clercq in den vergangenen Jahren bereits positive Erfahrungen auf digitalen Plattformen gesammelt. Fünf Bilder hat sie vor zwei Jahren bei den New Yorker internationalen "Artbox Projects" über einen digitalen Video-Screen der Öffentlichkeit gezeigt, jetzt ist sie bei dem gleichen Projekt in Zürich dabei. In diesem Jahr hat sie für den "Artbox-Talent-Adventskalender 2020" Bilder eingeschickt und hofft noch, dass, bis alle Türchen geöffnet sind, eines von ihr dabei ist.

Online funktioniert im Stil bekannter Kunst-Aktionen wie Christie's oder Sotheby's auch die Ausstellung in der Millennium-Gallery Barcelona, wo Angebote für die Werke gepostet werden. Verlängert ist ihre Ausstellung in der Commerzbank in Bad Homburg. Wegen Corona sei dort der Kundendurchlauf geringer.

Um auch vor Ort in den Blick des Betrachters zu kommen, hat Linda De Clercq für 2021 mit einer Auswahl ihrer Arbeiten einen eigenen Kunst-Kalender in zwei Formaten drucken lassen. Den Klassiker zum Hängen und eine Tisch- respektive Postkartenversion. In Planung ist außerdem eine Postkartenserie.

Unverkennbar auch hier: Linda De Clercqs Leidenschaft sind Gesichter oder Teile von ihnen wie ausdrucksstarke Augen sowie menschliche Figuren. Sie sind oft stark abstrahiert, aber immer als solche erkennbar. Und De Clercq transportiert mit ihren Bildern Gefühle.

Bevorzugt arbeitet sie mit Öl

Obwohl De Clercq bevorzugt in Öl arbeitet, sind ihre oft großformatigen Originale von seidig-schimmernder Transparenz. Und sie schwelgt gerne in leuchtenden Farben. Auch wenn Corona ihr künstlerisches Schaffen eine ganze Weile gelähmt hat, spürt sie, wie sich die Blockade langsam löst. "Die Zeit der Maskenbilder, die die Gesichter hart wirken lassen, sind vorbei", sagt sie.

Eines ihrer neuesten Bilder in besonders schmalem Hochformat zeigt zwar einen an den Wiener Maler Egon Schiele erinnernden ausgezehrt wirkenden Körper. Aber das Gesicht strahlt hingegen Ruhe und Hoffnung aus, was durch die verwendeten Metallfarben noch unterstützt wird.

Ihre Werke präsentiert die Künstlerin aus Oberreifenberg auf ihrer Homepage www.lindart.website. Den LindArt-Kalender für das Jahr 2021 können Interessierte bestellen per Mail unter lindeclercq@gmail.com oder telefonisch unter der Mobilnummer (01 76) 56 98 34 77.

Evelyn Kreutz

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