1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Schmitten

Nach dem Brand in Niederreifenberg: Jetzt soll die Hilfe für die Opfer anrollen

Erstellt:

Von: Philipp Keßler

Kommentare

ualoka_schmitten_brand_phk2
Erst als die Einsatzkräfte nach und nach das Dach des Wohn- und Geschäftsgebäudes öffnen, schlagen die Flammen empor. © pv

Seit Samstagabend ist ein Wohn- und Geschäftshaus in der Niederreifenberger Hauptstraße nach einem verheerenden Brand unbewohnbar. Die Gemeinde will nun den Opfern helfen.

Schmitten-Niederreifenberg. Es war ein Einsatz, der den Feuerwehrleuten aus Schmitten und Umgebung viel abverlangte: Am frühen Samstagabend brach in einem Wohn- und Geschäftsgebäude in der Niederreifenberger Hauptstraße ein Brand aus, das Ergebnis ist bekannt: rund 700 000 Euro Sachschaden, eine obdachlose Familie und eine Filiale einer Apotheke, die so schnell nicht wieder öffnen wird. Das Fachwerkhaus, gebaut um die Jahrhundertwende, scheint auf den ersten Blick abrissreif.

Brandursachenermittler haben ihre Arbeit aufgenommen

Gegen 17.45 Uhr ging die Alarmierung ein, im Schlafzimmer des ersten Obergeschosses war das Feuer ausgebrochen - warum, das sollen jetzt Brandursachenermittler der Kriminalpolizei klären, die am Montag mit einem Schmittener Feuerwehrmann das Gebäude inspizierten, nachdem es vom Technischen Hilfswerk gesichert und von einem Statiker zur Begehung freigegeben worden war.

ualoka_schmitten_brand_phk_
Mit den beiden Drehleitern der Feuerwehren Oberursel und Königstein wird das Feuer - erst mit Wasser, später auch mit Schaum - bis in die späten Abendstunden bekämpft. © pv

Das Problem für die Feuerwehrleute: die Bauweise aus Holz und Lehm in Kombination mit abgehängten Decken. Bereits bei Ankunft war vor allem die enorme Rauchentwicklung zu sehen, Flammen schlugen immer nur dort hinaus, wo Wände oder Decken geöffnet waren bzw. wurden und das Feuer Sauerstoff bekam. »Ein Feuer, das man nicht sieht, ist schlecht zu bekämpfen«, sagte Schmittens Gemeindebrandinspektor Christoph Brendel am Montag.

Rund 140 Kräfte im Einsatz aus dem gesamten Hochtaunuskreis

Als die ersten seiner Kameraden an der Einsatzstelle eintrafen, stand das erste Obergeschoss bereits von der Hofseite in Vollbrand, doch die Feuerwehrleute konnten die Flammen nur zu Beginn auch von innen bekämpfen, denn als sich Lehm und Holz mit Wasser vollgesogen hatten, wurde es zu gefährlich: Einsturzgefahr. So musste nach und nach das Dach geöffnet und von außen mit den Drehleitern der Feuerwehren Oberursel und Königstein gelöscht worden. Um auch die letzten Glutnester in dem als Abstellraum genutzten Speicher zu löschen, wurde schließlich Löschschaum eingesetzt, nachdem zuvor die Tür nach unten abgedichtet worden war. »Ein sehr aufwendiges Verfahren«, erklärte Brendel.

Erst gegen Mitternacht, nach über sechs Stunden Einsatz, war das Feuer gelöscht, mit Wärmebildkameras wurde anschließend im Zwei-Stunden-Takt nach weiteren Glutnestern gesucht, doch es blieb ruhig. Insgesamt waren rund 140 Einsatzkräfte aller neun Schmittener Feuerwehren, der Feuerwehren Neu-Anspach, Oberursel, Königstein, Kronberg, Glashütten und Weilrod, die derweil den Grundschutz der Gemeinde Schmitten sicherstellte, sowie des Deutschen Roten Kreuzes, das neben dem Rettungsdienst auch für die Verpflegung der Einsatzkräfte verantwortlich zeichnete, des Technischen Hilfswerkes und der Polizei im Einsatz. »Das war ein sehr guter Einsatz, die Zusammenarbeit hat reibungslos funktioniert«, bilanzierte Brendel.

Wohnungssuche für neun- und dreiköpfige Familien

Immerhin: Weder einer der Bewohner, eine neunköpfige Familie, noch ein Helfer wurden verletzt. Auch für die Bevölkerung, die Fenster und Türen geschlossen halten sollte, bestand keine Gefahr. »Die Anordnung war reine Vorsorge. Man muss eben immer einen Schritt schneller sein«, erklärte Brendel. Ein Grund: Die Chemikalien und Betäubungsmittel der Apotheke, die aber allesamt - sogar größtenteils unbeschädigt - aus dem Gebäude geholt werden konnten.

ualoka_schmitten_brand_phk1
Mit den beiden Drehleitern der Feuerwehren Oberursel und Königstein wird das Feuer - erst mit Wasser, später auch mit Schaum - bis in die späten Abendstunden bekämpft. © pv

Neben der Ermittlung der Ursache geht es nun für die Opfer des Brandes, die Familie aus dem Obergeschoss sowie eine dreiköpfige Familie in einem Anbau, in deren Wohnung Wasserschäden aufgetreten sind, darum, eine neue Bleibe zu finden - idealerweise in Niederreifenberg. Sie sind aktuell in einem Hotel in der Gemeinde untergebracht und von der Kleiderkammer, die für die Geflüchteten aus der Ukraine eingerichtet worden war (wir berichteten), mit dem Nötigsten ausgestattet worden. Am Montagvormittagen waren sie bei Bürgermeisterin Julia Krügers, die mit der Verwaltung nun die Hilfe koordiniert. Ein Spendenaufruf wurde bereits in den Sozialen Medien veröffentlicht (siehe Info-Box). Außerdem wurde ein Spendenkonto eingerichtet, von Sachspenden bittet die Rathauschefin aber fürs Erste abzusehen, denn »dafür ist es noch viel zu früh«.

Schmittener Bürgermeisterin Julia Krügers lobt die Helfer

Die CDU-Politikerin war selbst während des Einsatzes vor Ort. »Die Feuerwehr hatte mir im vergangenen Jahr eine eigene Einsatzjacke geschenkt, die ich immer im Auto liegen habe. Ich hatte gehofft, dass ich sie nicht brauche. Aber ich bin froh, dass niemand verletzt wurde, auch wenn es für die betroffenen Familien natürlich schlimm ist«, sagte sie. »Ein großes Dankeschön gilt allen Einsatzkräften. Aus meiner Sicht war das hoch professionell, wie dort zusammengearbeitet wurde.«

So kann man den Betroffenen helfen

Wohnungsangebote für die betroffenen Familien (neun- und dreiköpfig) sammelt die Gemeinde unter der E-Mail-Adresse gemeinde@schmitten.de oder unter Telefon 0 60 84/46 33. Geldspenden werden auf einem Spendenkonto bei der Nassauischen Sparkasse, Inhaber: Gemeinde Schmitten, Verwendungszweck: Hilfe für brandgeschädigte Familie NR, IBAN: DE 45 5105 0015 0285 0000 09 gesammelt. Kleidung und Schulsachen nimmt die Kleiderkammer im katholischen Pfarrzentrum entgegen.

Auch interessant

Kommentare