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Nur elf Schüler in Klasse eins bis vier

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Diego (links) und Artem (rechts) üben zusammen, wie man ohne Taschenrechner oder Computer Wurzeln ziehen kann, Paul vergewissert sich schon mal, dass Mathematik gar nicht so schwer ist. © Red

Schmitten-Oberreifenberg . Eltern, deren Kinder die Montessori EcoSchool (MES) besuchen, bangen um den Weiterbestand der Grundschule. »Während der Betrieb in Krippe und Kindergarten seit der Kooperation mit der Gemeinde sehr gut läuft, besuchen derzeit nur elf Schüler die erste bis vierte Klasse«, berichtet die pädagogische Leiterin Katja Gapp, die derzeit allein der altersgemischten Klassengemeinschaft unterrichtet.

Im nächsten Schuljahr kommt eine neue Kollegin dazu, damit Gapp sich auf die Leitungsaufgaben in der kompletten Einrichtung konzentrieren kann. Außerdem hat sie noch die Zusage einer weiteren Lehrkraft. Sorge bereitet ihr jedoch, dass es noch nicht genug Anmeldungen fürs neue Schuljahr gibt. Seit Corona gab es wenige Möglichkeiten für die ganzheitlich orientierte Bildungseinrichtung, die die besondere Pädagogik von Maria Montessori mit der Natur- und Waldpädagogik verbindet, zu werben.

Lernen und Spaß haben

Das hat jetzt Eltern auf den Plan gerufen, die sich dafür einsetzen, dass ihr Kind in der MES bleiben kann. Tim Schütrumpf bezeichnet sich als totalen Montessori-Verfechter. »Dieses Konzept lässt wie kein anderes Kinder zu selbstständigen Menschen heranwachsen und bereitet sie auf die Herausforderungen der modernen Gesellschaft vor«, ist er überzeugt und deshalb mit seiner Familie extra nach Schmitten gezogen.

Er sagt: »Mein vierjähriger Sohn Kiam, der schon im MES-Kindergarten die Freude am Lernen erfährt, soll auch hier zur Schule gehen, weil er hier das Lerntempo selbst bestimmt und Tagesformen aufgefangen werden.« Lernen und Spaß haben müssten sich nicht widersprechen, hier gehe beides Der sechsjährige Paul aus Niederreifenberg war schon in der MES-Krippe und geht jetzt auch hier in die Grundschule. Seine Mutter Pamela Mier hatte sich damals für die Kinderbetreuung in der MES entschieden weil sie das Gefühl hatte: »Das möchte man als Mama, hier darf man Kind sein und wächst doch in ein System hinein.« Damit meint sie, dass Kinder hier keineswegs tun und lassen können, was sie wollen. Sie sagt: »Hier gibt es nicht nur Streicheleinheiten, hier ist auch Zug dahinter, und die Kinder lernen so gut, dass sie anderen Schülern gleichen Alters oft voraus sind.«

Verena Uekermann hatte ihre Tochter Lilli bereits in Neu-Anspach in der Schule angemeldet und dann erst erfahren, dass es im Usinger Land auch eine Montessori Schule gibt. Lilli war im Hessenpark-Kindergarten »Pitsche Dappcher«, und ihrer Mutter war es wichtig, dass auch in der Grundschule Naturpädagogik eine wichtige Säule bleibt. Inzwischen geht Lilli in die zweite Klasse und fühlt sich rundum wohl. »Dass Schüler verschiedenen Alters sich auf Augenhöhe gegenseitig unterstützen motiviert, und es stärkt das Sozialverhalten«, stellt die Mutter fest.

Konflikte anders lösen

Das hat auch Melanie Mahnke bei ihrem sechsjährigen Sohn Luca beobachtet. Er habe das schon leicht ausgeprägte Ellenbogenverhalten abgelegt und inzwischen schnell gelernt, dass man Konflikte auch anders lösen kann. »Gerade die Interaktion ist entscheidend für die kindliche Entwicklung, und Kita und Grundschule sind die wichtigsten Jahre«, weiß Gapp.

Der zehnjährige Artem hat seine komplette Schulzeit in Oberreifenberg verbracht. Weil er einen Migrationshintergrund hat, war es für ihn die beste Möglichkeit, sich zu integrieren. Somit hat er beste Voraussetzungen für die weiterführende Schule. Denn Gapps Traum, dass man in der MES bis zur sechsten Klasse gemeinsam lernen kann, ist noch nicht in Erfüllung gegangen. Das Wichtigste sei erst einmal, dass die Schule überhaupt weitergeht.

Das wünschen sich vor allem die Eltern. Sie schätzen den flexiblen Eingang vom Kindergarten in die Schule. Und dass hier auch in der Grundschule die individuelle Entwicklung des Kindes der Maßstab ist. Welche Zweitklässlerin wie Lilli hält sonst schon Referate? Und der neunjährige Diego hat schon spielerisch gelernt, wie man ohne Taschenrechner Wurzeln ziehen kann. »Mit dem Material, was es hier gibt, macht ihm Mathematik einfach Spaß«, so seine Mutter Katharina Merkel. Sie hat es auch mit dem Rechnen und entkräftet das Argument, eine private Grundschule sei sehr teuer. Das Schulgeld entspreche etwa dem, was man in der Regelschule mit Betreuung bis 16 Uhr zahle.

Am Freitag Infonachmittag

Wer mehr über die Montessori EcoSchool im Burgweg 9 in Oberreifenberg erfahren will kann sich beim Info-Nachmittag am kommenden Freitag, 6. Mai, von 16 bis 18.30 Uhr informieren. Eine Anmeldung fürs neue Schuljahr ist möglich bis 31. Juli.

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