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Taunushotel-Affäre: Ehemaliger Witec-Geschäftsführer angeklagt

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Die Affäre, die in Südkorea ein politisches Erdbeben auslöste, trifft nun auch in Schmitten einen Geschäftsmann, der in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll.

  • Ein Geschäftsmann aus Schmitten soll in die Geldwäsche-Affäre um das Witec Taunushotel verwickelt sein
  • Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat gegen den Mann Anklage erhoben
  • Es ist der Korruptionsskandal, der zur Amtsenthebung der Präsidentin Südkoreas führte

Frankfurt - Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat gegen den früheren Geschäftsführer eines Unternehmens im Hochtaunuskreis beim Landgericht (Wirtschaftsstrafkammer) in Frankfurt Anklage wegen des Verdachts der Geldwäsche erhoben. Das hat Oberstaatsanwältin Nadja Niesen mitgeteilt. Die Mann wird zur Last gelegt, insgesamt 25.825 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen zu haben.

„Gegenstand der mittlerweile liquidierten ehemals in Schmitten ansässigen Firma war die Erbringung von Beratungsleistungen auf dem Gebiet des Sports, insbesondere Training und Fortbildung sowie Förderung von Sportlern. Der angeklagten Geldwäsche sollen in Südkorea begangene Bestechungshandlungen zugrunde liegen, die dort nicht nur zu strafrechtlichen Ermittlungen, sondern auch zu politischen Verwerfungen geführt haben“, heißt es in der Mitteilung. Bereits 2016 bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass gegen drei koreanische und einen deutschen Staatsbürger ermittelt werde. Die Schlüsselfigur des Korruptionsskandal, der zum Sturz der damaligen südkoreanischen Präsidentin führte, lebte mit ihrer Tochter in Arnoldshain, wo Choi Soon-Sil als Chefin des „Witec Taunushotel“ auftrat.

Taunushotel-Affäre von Schmitten: Geschäftsmann wegen Geldwäsche angeklagt

In der Pressemitteilung heißt es weiter: „Den Ermittlungen zufolge wandte sich der Vizepräsident eines in Südkorea geschäftsansässigen weltweit führenden Elektronikunternehmens zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt an die bis März 2017 amtierende Präsidentin der Republik Südkorea, damit durch ihre Einflussnahme auf politischer Ebene seine Macht innerhalb des Konzerns weiter gefestigt werde.

Für diese Tätigkeit soll die Präsidentin im Gegenzug eine finanzielle Unterstützung des nationalen Pferdesports und insbesondere die Förderung des Reittrainings und Wettkampfes der Tochter einer langjährigen Vertrauten gefordert haben“, heißt es. Später wurde bekannt, dass es sich bei dem Konzern um Samsung handelte. „In der Folgezeit soll der Elektronikkonzern entsprechend der Aufforderung der südkoreanischen Präsidentin Zahlungen in Höhe von insgesamt über 2,8 Millionen Euro an das besagte Sportunternehmen geleistet haben.“

Taunushotel-Affäre von Schmitten: 13 Millionen Euro Geldstrafe für Hotelchefin

Die Staatsanwaltschaft gibt eine Chronologie der Ereignisse: „Die Einleitung der Ermittlungen beruhte auf einer im Januar 2016 erstatteten Geldwäscheverdachtsanzeige der Frankfurter Filiale einer in Seoul ansässigen südkoreanischen Bank, welche zu der Zeit die Konten sowohl für die Schmittener Firma als auch für die beiden südkoreanischen Frauen (Mutter und Tochter) führte. Dem 56-jährigen Angeschuldigten in seiner Funktion als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer des besagten Unternehmens wird zur Last gelegt, im Zeitraum Dezember 2016 bis Mai 2017 von diesem Geld in Kenntnis dessen, dass es aus Korruptionsstraftaten stammt, in zehn Fällen insgesamt 25.825 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen zu haben. Die 62 Jahre alte Freundin der früheren Präsidentin soll sich in Kenntnis der Herkunft der Gelder knapp 111.000 Euro durch Überweisung verschafft haben, ihre 23-jährige Tochter etwa 50.000 Euro. In Höhe der genannten Beträge hat die Staatsanwaltschaft die Einziehung des Wertes des Erlangten beantragt.“ Choi Soon-Sil wurde in Südkorea bereits der Prozess gemacht.

Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren sowie einer Geldstrafe von umgerechnet über 13 Millionen Euro verurteilt und befindet sich in Haft, die Ermittlungen gegen die Tochter sind noch nicht abgeschlossen. Wegen desselben Komplexes, der in Südkorea gegen sie geführt wurde, hat die Staatsanwaltschaft in Frankfurt hat von einer strafrechtlichen Verfolgung abgesehen. Das ursprünglich auch gegen die ehemalige Präsidentin geführte Ermittlungsverfahren wurde, da die ihr vorgeworfenen Handlungen ausschließlich in Südkorea erfolgten, wo das deutsche Strafrecht nicht gilt, eingestellt. Einen Termin für die Hauptverhandlung gibt's noch nicht.

Taunushotel-Affäre von Schmitten: Chronologie des Korruptionsskandals

Zwischen Oktober 2016 und März 2017 überschlugen sich die Ereignisse in Südkorea, die ihren Ursprung in der Feldberggemeinde Schmitten hatten. Es geht unter anderem um Korruption, Nötigung und Machtmissbrauch. In Südkorea gab es wochenlange Straßenproteste, die die Absetzung der damaligen Präsidentin forderten.

Das „Witec Taunushotel“ (ehemaliges Haus Hattstein) in Schmitten-Arnoldshain stand ab Oktober im Mittelpunkt dessen, was sich zum Korruptionsskandal entwickelte. Die Hotelchefin hieß Choi Soon Sil, eine langjährigen Vertrauten von Ex-Präsidentin Park Geun-hye. Sie hat gemeinsam mit ihrer Tochter Chung Yoo-ra eine Zeit lang in Schmitten gewohnt. In den koreanischen Medien wurden damals vermutet, dass Choi Soon Sil von Arnoldshain aus Geldwäsche betrieb, das Hotel also eine Briefkastenfirma war. Die Vermutungen schienen sich zu bestätigen: Ende Oktober war das erst im August eröffnete Taunushotel bereits verwaist. Im November 2016 stellte sich die Südkoreanerin in Seoul den Behörden, etwas später war auch die zeitweise in Dänemark untergetauchte Tochter, damals Mitglied der südkoreanischen Dressurreiter-Equipe, verhaftet worden.

Taunushotel-Affäre von Schmitten gipfelte im Amtsenthebungsverfahren der südkoreanischen Präsidentin

Diese Zeitung berichtete am 22. Februar 2017: „Mit im Zentrum des Skandals stand von Anfang an ein großer südkoreanischer Elektronikkonzern, der über einen Spitzenmanager Sponsorengelder im zweistelligen Millionenbereich in das Konstrukt, beziehungsweise in Stiftungen der Park-Freundin eingezahlt haben soll. Mit dem Geld sollte, von der Schaltstelle in Schmitten aus, zumindest teilweise die Reitkarriere der Tochter finanziert werden. ( . . . ) Der 48-jährige Lenker des Elektronikriesen wurde im Februar 2017 in Korea verhaftet. Es wurde ihm von der Staatsanwaltschaft eine Verwicklung in den Korruptionsskandal vorgeworfen.“

In Südkorea selbst überschlugen sich parallel die Ereignisse: Park Geun Hye wurde im Dezember 2016 vom Parlament abgesetzt. Nachdem das Verfassungsgericht ihre Amtsenthebung im März 2017 bestätigt hatte, wurde sie festgenommen und später von einem Gericht schuldig gesprochen. Sie soll von mehreren Unternehmen - im Fokus standen die Konzerne Samsung, Lotte und SK - illegal umgerechnet etwa 18 Millionen Euro erhalten oder zugesagt bekommen haben. Sie wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. (Nina Fachinger)

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