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Sie kommen immer wieder

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Steffen Sommer aus Hunoldstal füttert seine Jungtauben, die im Januar geschlüpft sind. Das besondere an Brieftauben: Sie können sich hervorragend orientieren und finden immer wieder zurück. © Red

Schmitten. Am Sonntag, 10. April, ist bundesweiter »Tag der Brieftaube«. Grund für Steffen Sommer aus Hunoldstal, der dem 28 000 Mitglieder zählenden Verband Deutscher Brieftaubenzüchter angehört, einen Einblick in sein Hobby zu gewähren, die intelligenten Tiere vorzustellen und über die Faszination des Brieftaubenwesens zu sprechen.

Schon wenn Sommer pfeifend den Garten betritt und seine gefiederten Lieblinge anlockt, flattern sie auf ihn zu. Auch die Jungtauben, die erst im Januar geschlüpft sind, wissen längst, dass es jetzt gleich Futter gibt. »Nach 24 Tagen sind sie erwachsen und werden nicht mehr von den Eltern versorgt«, erklärt der Schmittener. Was die spätere Eignung der Jungtiere als Reisetauben angeht, spricht Sommer liebevoll von »meinem Kindergarten«.

Die züchterischen Eigenschaften der Flieger sind nämlich nur eine Sache. Ihre außerordentliche Orientierungsfähigkeit und die Fähigkeit, in kürzester Zeit weite Strecken zurückzulegen, ist auch eine Sache des Trainings. In der ersten Eingewöhnungsphase lässt er die Neulinge raus, damit sie sich die Umgebung rund ums Haus einprägen. Nach und nach erweitert er dann die Entfernung. »Ihr Wille ist es, immer wieder in die Heimat zurückzukommen«, erläutert er und ergänzt: »Sie lernen durch Wiederholung.«

Die Richtung ist immer gleich

In Körben bringt er die Jungtauben erst 300 Meter entfernt ins Gelände. Dann fährt er mit ihnen einen Kilometer, danach acht und schließlich 22 Kilometer bis nach Idstein, bevor er sie freilässt. Die Richtung ist immer die gleiche, nach Südwesten. Zum Kurzstreckentraining von Idstein, vom 26 Kilometer entfernten Diedenbergen oder von Niederolm (46 Kilometer) bringt Sommer seine Schützlinge selbst. Wenn sie diese Distanzen schaffen, schließt er sich mit seinen gefiederten Freunden den Flügen der Reisevereinigung Frankfurt/Taunus an.

Zu Preisflügen schickt er seine Tauben von Oberursel aus. Hier befindet sich die Einsatzstelle, werden die teilnehmenden Tiere registriert und zusammen in einem Lastwagen zum Einsatzort transportiert. Die weiteste Strecke ist das 640 Kilometer entfernte Châteauroux in Zentralfrankreich. »Bei richtigem Training schafft ein Tier auch 1200 Kilometer vom spanischen Barcelona wieder zurück - allerdings mit einer Pause über Nacht. Denn die Vögel fliegen nur, wenn es auch hell ist«, erklärt der 46-Jährige.

Aber was ist das Geheimnis, warum die Tauben immer wieder nach Hause zurückkehren? Das ist ähnlich wie beim Vogelzug zwischen natürlichen Brutgebieten und Winterquartieren. »Von dort, wo die Reisetauben ausgesetzt werden, wollen sie immer wieder zurück. Dorthin, wo sie geschlüpft, aufgewachsen und vor allem zum ersten Mal frei geflogen sind«, berichtet der Züchter. »Sie merken sich visuelle Ortungspunkte wie den Feldberg, Flüsse, Straßen und Autobahnen.« Dann stellt er fest: »Noch nicht komplett erforscht ist die Orientierung am Magnetfeld der Erde.« Es passiere immer mal, dass sich eine Reisetaube verirre, weil sie sich beim Kreuzen von zwei Schwärmen dem falschen Schwarm in die entgegengesetzte Richtung angeschlossen hat und dann bei einem anderen Züchter landet. Dafür ist auf den Ringen außer der Verbands- und Vereinsnummer auch die Telefonnummer des Züchters angegeben, damit er von seinem Kollegen informiert werden kann. Verluste gebe es auch immer mal, wenn etwa der Habicht oder ein Falke zuschlägt.

Saison dauert 13 Wochen

Läuft alles gut, freut sich Sommer, der seit 2004 dieses Hobby ausübt und zusammen mit seinem Schwiegervater Gerald Schmidt als Schlaggemeinschaft auch Wettbewerbe bestreitet, über gute Platzierungen. Die Saison dauert ab 1. Mai 13 Wochen, weil dann die Tage lange genug sind, um die Vögel fliegen zu lassen. Im Vorjahr war er Fünfter im Regionalverband Hessen Mitte. Die Taube, die am schnellsten wieder zu Hause ist, gewinnt. Das wird genau gemessen und ausgerechnet. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 80 Stundenkilometer.

»Die Deutsche Meisterschaft wäre schon schön«, meint der Taubenfreund. Aber er sagt auch: »Man muss nicht immer vorn mit dabei sein.« Dafür sind ihm seine 70 erfahrenen Reisetauben, 14 Zuchtpaare und auch die 100 Jungtiere zu sehr ans Herz gewachsen. Morgens und abends braucht er je eine Stunde, um sie zu füttern. Die Reinigung macht relativ wenig Arbeit, weil ein Laufband den Kot abtransportiert.

Auch Sommer freut sich, dass das Brieftaubenwesen vor kurzem zum »Immateriellen Kulturerbe auf Bundesebene« ernannt worden ist. Und er nimmt am 7. und 8. Mai am deutschlandweiten Flugwochenende unter dem Motto »Brieftauben im Zeichen des Friedens« teil. Die Teilnahmegebühren des Fluges spenden die Züchter für Menschen in der Ukraine. Denn: Früher waren es Brieftauben, die im Krieg als Boten Nachrichten überbracht haben.

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