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Skurriles zum Auftakt der Schmittener Literaturtage

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Die erste Lesung von Meddi Müller eröffnet die Schmittener Literaturtage. © Red

Schmitten. Mit Spannung warteten am Samstagnachmittag die Besucher auf Meddi Müller. Er ist längst nicht mehr nur bekannt für Krimis aus dem historischen Frankfurt. Seine Fans lieben auch die zeitgenössischen Fälle seines Ermittlerduos. Bei seiner Lesung im Gerätehaus der Niederreifenberger Wehr zum Auftakt der ersten Schmittener Literaturtage zeigte sich der Autor von einer ganz anderen Seite.

Die neueste seiner skurrilen Kurzgeschichten las er sogar zum ersten Mal. Initiatorin Heidi Gebhardt hat dank des Preisgeldes beim jüngsten Ideenwettbewerbes der Bürgerstiftung und mit Spenden von ortsansässigen Firmen und der Unterstützung des Tourismus- und Kulturvereins Schmitten für dieses Jahr neun Lesungen in neun Ortsteilen organisiert. Als Veranstaltungsort für den schreibenden Feuerwehrmann war das Gerätehaus in Niederreifenberg bestens geeignet.

Die Kameraden stellten nicht nur ihren Schulungsraum zur Verfügung, sondern versorgten über 30 Gäste auch vor der Lesung mit Getränken und Würstchen vom Grill. Bevor der Autor loslegte, hatte Stiftungsratsvorsitzender Bernhard Eschweiler das Wort. Er freute sich, dass Gebhardt das erfolgreiche Konzept von Konzerten in den Schmittener Ortsteilen aufgegriffen hat und mit den Literaturtagen ebenfalls zur kulturellen Belebung in der Gemeinde beiträgt. »Wundert euch nicht, meine Gedankengänge sind manchmal etwas schräg«, sagte Müller vor der ersten Geschichte »Lotte«. »Frischer geht’s nicht«, meinte er und verriet, dass der Text erst am Morgen fertig geworden war. Und er war selbst gespannt, wie »Ach Gottchen sprachs Lottchen« ankommen würde.

Der Autor stellte die Frage in den Raum, warum das Lottchen überhaupt »ach Gottche« gesagt hat. Wenn man wisse, wie der Spruch weitergehe, verstehe man, warum Lottchen verzweifelt sei, denn es heißt: »Sieben Kinder und kein Mann. Die Kinder ham Flöhe und Lottchen kein Kamm.«

Warum hat Lotte keinen Kamm?

Das warf für den Schreiber unzählige Fragen auf: Warum hat sie sieben Kinder? Wie alt ist sie selbst und sind die Kinder? Wo ist überhaupt der Mann dazu? Gibt es vielleicht mehrere Väter? Warum hat sie eigentlich keinen Kamm? Und wie soll sie die Läuse wegkriegen? »Alle meine Gedankengänge dazu bringen keinen Schritt weiter - ach Gottchen«, beendete Müller diese humorige Geschichte. Bevor er aus dem »Tagebuch einer Eintagsfliege« las, verriet er, woher er seine Ideen bekommt. Beim Blick in die Runde sagte er: »In diesem Raum stecken rund 20 Geschichten, Inspiration ist überall.« Die Eintagsfliege Kurt ließ er im Minutentakt Partnersuche, Hochzeit und Trennung, den permanenten Kampf ums Essen, Alterungsprozess und Todesängste durchleben.

Auch in weiteren Kurzgeschichten trieb Müller alltägliche Szenen herrlich auf die Spitze, sehr zum Gefallen des Publikums, das viel zu lachen hatte und sich nach der Lesung erst einmal mit signierten Büchern versorgte. »Die Feuerwehr war ein perfekter Gastgeber«, dankte Gebhardt Feuerwehrvereinschef Sascha Jäger. Bei einem Schoppen blieben zahlreiche Besucher noch gerne vor dem Gerätehaus sitzen. Literaturfreunde, die schon Karten für alle neun Lesungen haben, freuen sich schon auf die nächste Veranstaltung, wenn Nele Neuhaus am 12. Juni im neuen Studio879 im Feldberghaus liest.

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