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Heute ist die ehemalige Schule ein Wohnhaus, in dem vier Familien leben. Es steht an der Straße zum Feldberg Richtung Arnoldshain.

Dorfschule

Der Bau stellte die Gemeinde vor schier unüberwindliche Schwierigkeiten

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Der erste Lehrer in Schmitten starb nach fünf Jahren an Auszehrung. Und es dauerte lange, bis das Dorf eine eigene Schule bekam. Trotz fast unüberwindlicher Schwierigkeiten wurde die erste Schule im Jahr 1827 gebaut. Sie war 140 Jahre lang in Betrieb.

Schmittens Einwohner schickten ihre Kinder zunächst in die Nachbarorte zur Schule. Da der Schulunterricht im 18. Jahrhundert noch eng mit der religiösen Unterweisung zusammenhing, mussten die evangelischen Schüler nach Arnoldshain, die katholischen nach Reifenberg. Erst im Jahr 1770 verdingte der Graf von Bassenheim den Schuhmacher August Fischer aus Camberg als ersten Lehrer im Dorf. Es war damals üblich Handwerker als Lehrer zu beschäftigen. Er bekam vier Gulden pro Jahr, drei Achtel Korn und eine kostenfreie Wohnung mit Gärtchen. Neben dem Schul- übernahm er den Glöcknerdienst, was ihm von den Gemeindemitgliedern noch ein wenig Brot einbrachte.

Fünf Jahre später starb er an Auszehrung. Erst der siebte Lehrer, den Schmitten bekam, Anton Christ, hatte ein Schullehrer-Seminar besucht und brachte als „Lehrergehülfe“ die nötige Kompetenz für den Unterricht mit. Ein Eintrag in der Schulchronik lautet: „Im Jahr 1819, den 15ten Merz tratt ich die Schule zu Schmitten an, wo ich sechsundachtzig rohe und zum Theil ganz unwissende Kinder zu unterrichten hatte.“

Der Schulraum war so klein, dass kaum 20 Kinder Platz hatten und so wurde der Ruf nach einem Schulhaus immer größer. 1823 waren 103 Kinder zu unterrichten und die Schülerzahl wuchs stetig an.

Doch eine eigene Schule stellte die Gemeinde vor schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Denn erstens fehlte ein geeignetes Grundstück und zweitens das Geld. Bereits vorhandene Gebäude stellten sich als ungeeignet für den Schulbetrieb heraus. Eine Anfrage bei der Landesregierung blieb ohne Reaktion. Im Winter 1825 erstellte die Gemeinde dennoch einen Bauetat, versteigerte die notwendigen Arbeiten und fällte bereits Bäume für das benötigte Bauholz. Auf mehrfache Anfragen blieb die Landesregierung immer noch ruhig, bis im Januar 1826 plötzlich ein positiver Bescheid kam.

Doch wo soll gebaut werden und mit welchen Mitteln? Im Frühjahr 1826 steckte der Herzogliche Amtmann Emminghaus aus Usingen einfach einen Bauplatz in der Nähe des „Totenhofes“ am Weiher ab, woraufhin ein Aufschrei durch die „Gemeindsglieder“ ging. Der Boden sei zu weich für ein Fundament und durch die Ausdünstung des Weihers würden die Räume im Winter zu kalt. Die Proteste und das Übergehen des Schulinspektors sowie des Schulvorstehers brachten den Plan zu Fall.

Letztlich wurde im Oberdorf and er Straße Richtung Arnoldshain gebaut. Gekostet hat das Gebäude 1800 Gulden und 46 Kreuzer. Es wurden die Handwerker mit den günstigsten Angeboten verpflichtet, die Gemeinde stellte das Material und eine Amtskollekte wurde durchgeführt. Im November 1827 war die Schule fertig. Zu der zweiflügligen Haustür führte eine aus schlechtem Fels gehauene, abgetretene Treppe. Links befand sich das sehr dunkle Wohnzimmer des Lehrers. Es war das einzige, das geheizt werden konnte. Das Klassenzimmer war recht groß und hatte sieben Fenster. Es war hell, doch durch den einen vorhanden Ofen nur unzureichend zu heizen.

Die Schülerzahl stieg und das Schulgebäude wurde 1861 aufgestockt. Allerdings gab es keine Wohnung für einen zweiten Lehrer. Vielleicht blieben sie aus diesem Grund nicht lange. An der Schule herrschte hohe Fluktuation. Rund 90 Jahre später entsprach die alte Schule nicht mehr den Anforderungen und wurde von 1914 bis 1915 umgebaut. Nach dem Krieg gingen 135 Kinder zur Schule und es fand Schichtunterricht von 8 bis 18 Uhr statt. Ein dritter Klassenraum schaffte Abhilfe. Er wurde nach den Weihnachtsferien 1952/53 in Betrieb genommen.

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