Schlaglöcher, unebene Gehwege und gefährliche Steingeschosse: Dietmar Kubitza ist nicht der einzige Bürger, der die Arbeiten der Deutschen Glasfaser zumindest als "mangelhaft" einstuft.
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Schlaglöcher, unebene Gehwege und gefährliche Steingeschosse: Dietmar Kubitza ist nicht der einzige Bürger, der die Arbeiten der Deutschen Glasfaser zumindest als "mangelhaft" einstuft.

Ärger bei den Anwohnern

Schnelles Internet in Usingen - Beschwerde-Flut über kaputte Straßen

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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In Usingen gibt es eine Beschwerden-Flut über miserable Bauarbeiten nach Verlegung der Kabel durch die Deutsche Glasfaser.

Usingen – Aschaffenburg, Neuss, Schondorf - und nun Usingen. Wo die Deutsche Glasfaser (DG) ihre Leitungen verlegt, haben die Nutzer nicht nur schnelles Internet, sondern auch kaputte Straßen und Gehwege, Stolperfallen durch schlecht geschlossene Pflasterwege und Steingeschosse durch den groben Schotter, der die Quergräben in den Straßen provisorisch schließen soll. Soll.

Denn in stark befahrenen Straßen wie der Herzbergstraße, in der auch Dietmar Kubitza wohnt, kommen die Steine - durch die Autoreifen abgeschossen - nicht nur in die Vorgärten, sondern auch den geparkten Autos gefährlich nahe. Der Anwohner hat die Nase sozusagen gestrichen voll. Und nicht nur er.

Usingen: Massenhaft Beschwerden über Bauausführung

Aus ganz Usingen stapeln sich im Rathaus die Beschwerden über die mangelhaften Bauausführungen respektive Schließungen der Gräben durch die Glasfaserverlegung. Der Ärger geht so weit, dass die Stadt die Reißleine gezogen haben soll, wie zu vernehmen ist.

Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) hatte vor seinem Urlaub der DG bereits ein Ultimatum gesetzt, die Sache endlich ordentlich anzugehen, sonst gebe es einen Baustopp. Und der ist nun in Teilen erfolgt, wie man hört. Bevor die DG nicht die bereits angeschlossenen Straßenzüge wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt, sollen keine weiteren Straßen mehr aufgerissen werden. Hauptamtsleiter Michael Guth betont in diesem Zusammenhang, dass man auch noch keine einzige Baustelle seitens der Stadt abgenommen habe.

Schlechte Kommunikation bei Bauarbeiten in Usingen

Ihn wurmt vor allem, dass auch die Kommunikation mit den Bürgern so mangelhaft läuft. "Wir hatten ausgemacht, dass die betroffenen Anlieger zwei Wochen vor den Bauarbeiten informiert werden, damit sie sich darauf einstellen können, eventuell neue Parkplätze suchen für den Bauzeitraum. Das hat nicht geklappt. Der Vorlauf ist zu kurz."

Er hat die Info, dass noch in dieser Woche alle nun bereits angeschlossenen Straßenzüge wieder saniert und asphaltiert sowie die Gehwege geschlossen und in den Urzustand versetzt werden sollen. "Sind wir bei der Abnahme nicht zufrieden, muss nachgearbeitet werden." Das Problem ist aber auch die Kommunikation zwischen Bürgern und den ausführenden Firmen. Kubitza hat's versucht, aber die eigentlich spanische Firma "mit Sub-Sub-Unternehmen hat Armenier oder Usbeken dort arbeiten, die kein Wort Deutsch reden. Wie soll man denen erklären, dass es Mist ist, was sie da machen?", fragt er.

Auch Erster Stadtrat Dieter Fritz (CDU) ist mehr als genervt, wurde vom Bauleiter sogar angemacht, weil er Fotos von den miserablen Zuständen schoss, wie er berichtet. Immerhin hat die Stadt nun mit den Bautrupps vereinbart, dass in jeder Mannschaft einer arbeitet, der Deutsch spricht - und an einer entsprechenden Markierung an der Jacke zu erkennen ist. Sozusagen "Man spricht Deutsch 2.0".

Usingen: Straßen voll mit Stolperfallen und Löchern

"Mein Bruder ist Tiefbauingenieur. Der schlägt die Hände über dem Kopf zusammen über das, was hier vorgeht. Die dicken Schottersteine, mit denen die Gräben aufgefüllt werden, schießen wie Geschosse über die Straßen, wenn die Autoreifen sie entsprechend treffen. Nach dem Regenguss waren die Gräben ausgespült, teils entstanden tiefe Löcher. Und schauen Sie sich die Gehwege an. Die Pflastersteine, die man rausgenommen hat, schauen noch zentimeterhoch heraus. Das sind böse Stolperfallen", ärgert er sich. Bei rund 1500 Fahrzeugen am Tag alleine in der Herzbergstraße sei die Gefährdung durch den Schotter groß. "Und trotz der Schilder halten sich nur wenige an Tempo 30."

Michael Guth versucht, die Wogen zu glätten. "Dass es Nacharbeiten gab, das war bei vielen Bauarbeiten schon so, nicht nur bei der Deutschen Glasfaser. Und man hat versprochen, dass die Nachbesserungen diese Woche abgeschlossen werden."

Immerhin verhandelt die Stadt direkt mit der DG und muss nicht den Weg über die Baufirmen gehen. "Und die Kommunikation klappt gut", so Guth.

Bereits sanierte Straßen in Usinger Innenstadt bleiben unberührt

Ein Trost: Die Straßenzüge, die im Rahmen der Innenstadtsanierung grundlegend gemacht wurden - also etwa Kreuzgasse oder Neutorstraße, werden nicht angefasst, denn hier hat die Stadt in weiser Voraussicht Leerrohre legen lassen. "Damals haben wir kein Unternehmen gefunden, das die Leerrohre auch gleich gefüllt hätte, alle haben abgewunken", sagt Guth. Der übrigens noch eine Bitte hat: "Wir sind durch die Urlaubszeit im Rathaus personell etwas eng. Deshalb bitten wir die Bürger, die Beschwerden haben, diese per Mail zu senden, am besten an stadt@usingen.de."

Und was sagt die Deutsche Glasfaser zu den vielen Beschwerden und Vorwürfen. Gestern gar nichts, die Anfrage der TZ konnte wohl nicht rechtzeitig beantwortet werden.

Usingen: Neuer Stichtag für Nachfragebündelung - Ausbau soll Stadtteile attraktiv halten

Eschbach, Wernborn, Michelbach, Kransberg, Merzhausen und Wilhelmsdorf haben weiterhin die Chance auf einen kostenlosen Glasfaserausbau und damit auf die Internetanbindung mit Lichtgeschwindigkeit, um nicht von der Kernstadt abgehängt zu werden. Nachdem die erforderliche Vertragsquote von mindestens 40 Prozent der Haushalte im ersten Anlauf verpasst wurde, geht es jetzt in die Verlängerung. „Nachdem wir bereits für große Teile von Usingen ein Bau-Go verkünden konnten, möchten wir dies gerne auch in den Stadtteilen von Usingen fortsetzen“, erklärt Projektmanager Lennart Götte. „Darum geben wir so schnell nicht auf und schicken die Stadtteile in eine Verlängerung, um die noch fehlenden 65 Verträge zu den 40 Prozent zu erreichen“.

Die Frist der Nachfragebündelung wurde bis 14. August verlängert. Sollten bis zu diesem Datum die 40 Prozent nicht erreicht werden, müssen einzelne Gebiete und Stadtteile vom Ausbau ausgeschlossen werden. Bürger können sich an Joachim Wiedemeyer als Berater vor Ort wenden unter 0151- 54 60 12 34. „Wir müssen heute mit unserer Entscheidung für den Ausbau dafür sorgen, dass die Stadtteile morgen noch für jeden attraktiv sind“, so auch Erster Stadtrat Dieter Fritz (CDU). (Andreas Burger)

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