+
Thorsten Schorr (CDU) und Katrin Hechler (SPD) stellen sich am Montag zur Wahl.

Wahl

Schorr oder Hechler: Wer wird hauptamtliche Kreisbeigeordneter?

Der kommende Montag verspricht Spannung. Im Kreistag erfolgt dann die Wahl der beiden Kreisbeigeordneten. Die Koalition aus CDU und SPD weiß inzwischen genau, wen sie in den nächsten sechs Jahren als Dezernenten im Landratsamt sehen will - doch das Bündnis hat nur eine knappe Mehrheit.

Hochtaunus - Die wahrscheinlichste Variante geht so: Am kommenden Montag wählt der Kreistag mit breiter Mehrheit Thorsten Schorr (CDU) zum neuen Ersten Kreisbeigeordneten. Außer den Stimmen der schwarz-roten Koalition erhält der Oberurseler auch Unterstützung von der FDP und von Teilen der FWG, während sich die Grünen enthalten. Wenn die Kreisparlamentarier um 17 Uhr im Landratsamt zu ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammenkommen, gibt es natürlich noch viele weitere Möglichkeiten - selbst ein Scheitern der Wahl kann angesichts der knappen Ein-Stimmen-Mehrheit des Bündnisses aus CDU und SPD und dem Umstand, dass geheim gewählt wird, nicht ausgeschlossen werden. In der Kreispolitik geht davon aber derzeit niemand aus.

Thorsten Schorr hat sich bei FDP, FWG und Grünen vorgestellt, die weiteren Bewerbungen sind - so weit sie nicht zurückgezogen wurden - wohl nicht erfolgversprechend, und fachlich passt das Profil des aktuellen Oberurseler Stadtrats auch zur ausgeschriebenen Stelle. Bleiben Überraschungen aus, wird der Wahlvorbereitungsausschuss am Montag vor der Kreistagssitzung wohl eine Empfehlung zur Wahl Schorrs aussprechen, anschließend ist der Kreistag gefordert.

Einstimmig nominiert

Nach der Devise "Wiederwahl geht vor Neuwahl" steht zunächst die Abstimmung über eine weitere Amtszeit von Katrin Hechler (SPD) als Kreisbeigeordnete auf der Tagesordnung. Anschließend wird der Kreistag über die Kandidatur Schorrs als neuen Vize-Landrat und damit Nachfolger des zum Jahresende ausscheidenden Uwe Kraft (CDU) abstimmen. Zwar gab es in der Taunus-CDU in der Frage, wer in den kommenden sechs Jahren Erster Kreisbeigeordneter sein soll, unterschiedliche Strömungen und widerstrebende Interessen, doch die Nominierung Schorrs durch die Fraktion erfolgte letztlich einstimmig.

Während Hechler und Schorr die Unterstützung der Koalition erwarten dürfen, ist Hilfestellung durch die Opposition keine Selbstverständlichkeit. Die Liberalen sind offenkundig nicht abgeneigt und werden sich am kommenden Montag erklären. "Wir werden unser Abstimmungsverhalten im Kreistag erläutern", kündigte Parteichef Philipp Herbold an. Dass es in der Fraktion dazu einen einstimmigen Beschluss gab, bestätigte Herbold, zum Tenor äußerte er sich nicht.

Die FWG ist in der Frage, ob sie einen oder beide Koalitionskandidaten unterstützen wird, indes nicht festgelegt. "Wir haben keinen Fraktionszwang. Jeder unserer Mandatsträger entscheidet für sich, wie er wählt", sagte Fraktionschef Götz Esser, das gelte für beide Wahlen. Die Freien Wähler tauschten sich am Mittwochabend bei ihrer Fraktionssitzung mit Schorr über Gemeinsamkeiten und Differenzen aus. "Es war ein sehr intensives Gespräch", berichtet Esser und sprach von einer "guten Atmosphäre" und einem "positiven Gefühl" für die Wahl am Montag.

Auch bei den Grünen war Schorr zu Gast. "Er hat sich vorgestellt und für eine Unterstützung geworben", sagt Fraktionschef Norman Dießner. Ob er sie auch bekommt, ist noch offen. Darüber wollen die Grünen bei einer Fraktionssitzung am heutigen Freitag sprechen, und das gilt auch für die Abstimmung über eine Wiederwahl Hechlers. Dießner sieht bei beiden Personalien die Koalition am Zug, einen Blankoscheck der Grünen werde es nicht geben.

Die beiden Wahlen stehen weit oben auf der Tagesordnung für die Kreistagssitzung und werden in zwei getrennten Verfahren durchgeführt. Zunächst müssen die Parlamentarier ihre Stimmzettel beim Punkt "Wiederwahl der hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Katrin Hechler" in die Urne werfen. Danach wird ausgezählt und das Ergebnis verkündet, ehe dann die Neuwahl des Ersten Kreisbeigeordneten erfolgt. Schon Ende Mai hatte sich die Koalition im Kreistag für eine Wiederwahl Hechlers ausgesprochen und auf eine Ausschreibung der Stelle verzichtet. Beim Posten des Vize-Landrats musste ausgeschrieben werden, da es dort durch den Verzicht des aktuellen Amtsinhabers zu einem Wechsel kommt.

Sechs Jahre Amtszeit

Die neuen Amtszeiten beginnen jeweils am 1. Januar 2020 und dauern sechs Jahre. Da im März 2021 die nächste Kommunalwahl stattfindet, werden die beiden gewählten Dezernenten also voraussichtlich die komplette nächste Legislaturperiode als hauptamtliche Politiker in der Kreisverwaltung tätig sein - kein unwesentlicher Punkt für das Abstimmungsverhalten der derzeitigen Opposition.

VON MATTHIAS KLIEM

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare