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TSV-Schriftführerin Bettina Tille (57) und ihr Mann Trevor Warren (68) ließen Henry (5), Westisland-Terrier aus der Tiernothilfe Ibiza, segnen.

Ein Segen für Henry

Ein Gottesdienst für Hunde 

Die Erde gehört uns nicht allein - unter diesem Motto hatten der Tierschutzverein Bad Homburg und die katholische Pfarrei St. Marien für Samstag zu einem Segnungsgottesdienst für Tiere geladen. Denn diese bedürfen des Schutzes der Menschen.

Bad Homburg – Dieser Gottesdienst ist anders als die anderen. Hunde in den verschiedensten Größen und Farben haben mit ihren Herrchen alle Plätze des Kirchenvorraums belegt. Die Gebete und das Singen von Liedern wie "Laudato si, o mi Signore" und "Schenke mir, Gott", werden von fröhlichem Hundegebell begleitet.

Bettina Tille (57), Schriftführerin und Vorstand im Tierschutzverein (TSV) Bad Homburg, ist mit ihrem Mann Trevor Warren (68) und Hund Henry zur Feier gekommen. Der fünf Jahre alte Westisland-White-Terrier ist ein echter Spanier; er stammt aus der Tiernothilfe auf der Insel Ibiza. "Wir möchten unseren Henry segnen und freuen uns, dass wir mit Gleichgesinnten zusammen sind, denen das Tierwohl auch wichtig ist", erklärt das Paar einhellig. "Wir waren alle vier Jahre dabei, und es ist immer wunderbar. Die Tiere spüren auch, dass etwas Besonderes für sie kommt."

Tiere seien besonders empfänglich für die Natur

Dr. Anne Kossatz-Pompé, Pastorale Mitarbeiterin in St. Marien, leitet den Gottesdienst. Tiere seien besonders empfänglich für die Natur, erklärt die Geistliche; deshalb sei es umso schlimmer, wenn die Natur von Menschen immer wieder mit Füßen getreten werde.

"Am Anfang der Schöpfungsgeschichte, in Genesis 1, 28, segnet Gott die Menschen und gibt ihnen den Auftrag, über alle Tiere zu herrschen", erläutert sie. Diese Stelle sei in der Auslegungsgeschichte zu Ungunsten der Tier- und Umwelt oft missverstanden worden. Es gehe vielmehr darum, verantwortlich und fürsorglich zugunsten der Schwächeren zu handeln. Dies könne in vielfältiger Weise geschehen, etwa durchs Benennen von Missständen und eine achtsame Lebensweise. "Lebewesen ohne Stimme brauchen uns Menschen, damit wir sie und ihre Anliegen vertreten."

Zur Segnung gab es für die Hunde ein paar Streicheleinheiten von Dr. Anne Kossatz-Pompé dazu. 

Kritik an Tierschutzgesetz

Die TSV-Vorsitzende Renate Echterdiek sieht die Sache auch aus dem rechtlichen Blickwinkel. "Im deutschen Tierschutzgesetz gelten Tiere immer noch als Sachen", gibt sie zu bedenken. "Es gibt auch wirklich Tiere, die nicht gut gehalten werden." Insbesondere Hunde, die nicht aus dem Haus gelassen würden oder in Messie-Wohnungen lebten. "Wir werden immer wieder angerufen. Mit dem Gottesdienst wollen wir deshalb ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Erde uns nicht allein gehört."

Zum Schluss segnete Dr. Anne Kossatz-Pompé alle Menschen und Hunde. Auch Tiere, die nicht anwesend waren, wurden stellvertretend durch ihren menschlichen Begleiter gesegnet. Jeder Hund bekam außerdem ein Würstchen als Leckerli.

Surka, Charly und Sandra geht es gut - für diese Hunde und Katzen hat der Bad Homburger Tierschutzverein zuletzt ein Zuhause gefunden. Neue Besitzer für heimatlose Tiere vermitteln ist eine der Aufgaben des bereits 1878 von Homburgern und Kurgästen gegründeten Vereins. Auch überwachen die Ehrenamtlichen, dass das Tierschutzgesetz eingehalten wird. Sie haben ein Auge auf Straßenhunde, sammeln Spenden und gehen Hinweisen zu misshandelten Tieren - auch zweibeinigen oder Geschöpfen ohne Beine - nach. Auch mit dem Tierheim Hochtaunus in Oberursel arbeitet der Verein zusammen.

Informationen zum TSV gibt es unter (06172) 68868 und www.tierschutzverein-bad-homburg. Spätestens 2020 soll erneut ein Tiergottesdienst gefeiert werden. 

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