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Karl-Heinz Mielkes Herz schlägt für seine Brieftauben.

Taubenzucht

Karl-Heinz Mielke kümmert sich jeden Tag um seine Tiere

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Wenn man jungen Leuten etwas von der Taubenzucht erzählt, fällt ihnen vielleicht noch der eigene Opa ein, der solch ein Hobby pflegt. Nur wenige Jugendliche gehen selbst noch einem solchen Zeitvertreib nach. Anscheinend ist die Zahl junger Taubenzüchter im Sinkflug begriffen.

Karl-Heinz Mielke ist aufgefallen, dass es in ganz Deutschland rund 10 000 Züchter weniger gibt als noch vor einem Jahrzehnt. „Es gibt viele Gründe, warum sich junge Menschen nicht mehr so sehr für Brieftauben interessieren“, weiß er. Sie ziehen fort zu Studium und Ausbildung, und auch die Wohnverhältnisse lassen selten eine Taubenhaltung zu.

Mielke, der die Reisevereinigung „Goldener Grund“ als Vorsitzender leitet, hat allein schon wegen seines Amtes einen relativ guten Überblick und bestätigt daher auch, dass es nicht gerade rosig um die Zukunft der Brieftaubenzucht steht. „Die alten Züchter sterben, Nachrücker gibt’s kaum.“

Mielke ist in Laubach aufgewachsen und entwickelte seine Kenntnisse von den Vögeln schon als Bub, weil sein Vater Brieftauben hielt. Aber erst mit etwa 30 Jahren erwachte seine eigene Leidenschaft für dieses zeitintensive Hobby. Denn nicht nur das Füttern und das Säubern der Taubenschläge stehen jeden Tag auf dem Programm, schildert Mielke. Zudem müssten die Vögel regelmäßige Flugstunden bekommen, die er natürlich auch im Auge behalte.

Leistung ist wichtig

Und auch die Auslese, welcher Vogel mit welchem Weibchen die besten Zuchtergebnisse einbringen könne, versucht Mielke zu steuern. „Ich züchte nur nach Leistung“, betont er. Es gebe aber auch Taubenzüchter, denen die Farbe wichtiger sei, um etwa auf Geflügelausstellungen zu punkten. Die gingen aber mit ihren Tauben nicht mehr auf Reisen.

Der Reisevereinigung „Goldener Grund“, der er vorsteht, gehören in Laubach noch drei weitere Schläge an – die von Friedhelm Stamm, Hubert Ott und Klaus Fritz. Zudem zählt Manfred Jarkulisch aus Naunstadt dazu sowie ein Züchter aus Freienfels. Gemeinsam geht es zu entlegenen Orten, die Tauben befinden sich in eigens für ihren Transport ausgestatteten Hängern. Am Zielort werden die Tiere frei gelassen und treten von dort aus den Heimflug an. „508 Kilometer von Sattledt in Oberösterreich war die bislang weiteste Reise“, beschreibt Mielke. Manche Brieftaubenzüchter reisen auch noch weiter wie beispielsweise Bardo König aus Friedrichsthal, der seine Vögel auch schon in Spanien „aufgelassen hat“, wie es im Fachjargon heißt.

Wie schnell die Tauben heimkehren, hängt von ihrer Leistungsfähigkeit ab und die wiederum vom Futter, sagt Mielke. Er schwört auf eine fettreiche Körnermischung aus möglichst vielen Komponenten und gibt bei Bedarf zusätzliches Kraftfutter. Grundsätzlich müssten die Vögel kerngesund sein, um solch lange Flugreisen zu bewältigen, betont er zudem. Deshalb begreife er nicht, weshalb manche Leute Tauben für Krankheitsüberträger halten. „Wären die Vögel nicht völlig gesund, könnten sie die Strapazen des Fluges doch gar nicht ertragen.“

Einer Gefahr sind die Tauben stets ausgesetzt: Habicht, Sperber und sogar Wanderfalken können ziemlich viel Unruhe im Taubenschlag auslösen und dem Züchter große Verluste bescheren. „Mir hat einmal ein Habicht direkt am Haus 15 von 45 Tauben weg geholt“, klagt der Laubacher. Auf manch einem Heimflug blieben durchaus auch mal die besten Brieftauben auf der Strecke.

Trotz der steten Gefahr, die besten Greife zu verlieren, hatte Mielke allein in diesem Jahr schon drei Mal den schnellsten Heimkehrer. Um die Täuberiche zu einem möglichst zügigen Heimflug zu animieren, greifen Brieftaubenzüchter auch schon mal gerne in die Trickkiste: Zu Hause im heimischen Schlag erwartet die angebetene Täubin ihren Heimkehrer. Die Sehnsucht nach ihr treibe den Bräutigam an, so schnell wie möglich nach Hause zu gelangen.

So arbeitsintensiv die Brieftaubenzucht auch ist, Mielke nimmt sich zudem die Zeit, die Vogelwelt kleinen Kindern vorzustellen – wie beispielsweise im Kindergarten Löwenzahn in Riedelbach. Und auch die Aktion Mensch profitiert von Zeit zu Zeit von Zuwendungen der Brieftaubenfreunde.

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