Auf dem Bahnhofsareal wurden schon Fakten geschaffen. Rechts oben sind die Bäume zu sehen, die zu den Schillergärten gehören.
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Auf dem Bahnhofsareal wurden schon Fakten geschaffen. Rechts oben sind die Bäume zu sehen, die zu den Schillergärten gehören.

Arbeiten am Bahnhofsquartier

Nun sind die Schillergärten dran

  • vonBoris Schöppner
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Bevor die endgültige Entscheidung zum Bebauungsplan an den Schillergärten fällt, werben KfB und Grüne für den Erhalt von Natur und für eine behutsame Bebauung.

Die Arbeiten auf dem Bahnhofsareal sind in vollem Gange, schwere Baufahrzeuge manövrieren dort, wo sich Hotel und Kammermusiksaal die Tiefgaragen teilen werden. Die Hügel sind kahl, die Bäume gefällt, ein alleinstehendes Haus abgerissen.

Diesseits der Schillerstraße gibt es nur noch wenige Pflanzen – sie gehören zum allergrößten Teil zu den Schillergärten. Und wenn es nach der Mehrheit der Stadtverordneten geht, werden dort wohl in naher Zukunft sechs Wohnhäuser mit 39 Wohneinheiten entstehen.

„Der entsprechende endgültige Stadtverordnetenbeschluss für diese Baumaßnahme steht noch aus, allerdings stehen sowohl die CDU/SPD/UBG-Koalition als auch die FDP dem Vorhaben bisher positiv gegenüber“, heißt es in einer Pressemitteilung der KfB. Wenn bei den genannten Fraktionen kein Umdenken mehr stattfinde, werde auch diese Bebauung bald Realität.

Doch so ganz haben Alexa Börner und Dr. Heide-Margaret Esen-Baur, die beide an der Spitze der Fraktion stehen, die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich zumindest bei der Baumasse noch etwas ändert. „Die KfB befürwortet eine moderatere Bebauung“, sagt Börner. Diese solle sich an den kleinen Einfamilienhäusern in der Umgebung orientieren. Dass 80 Prozent des Grundstückes zur Baugrube werden, findet Börner beängstigend.

Dass die massiveren Häuser an der Schillerstraße als Orientierungsgröße genommen wurden, ärgert sie. Und nicht nur das. Auch kann sie sich des Eindrucks nicht erwehren, dass getrickst wurde, um die Baumasse kleinzurechnen, während es doch die Intention des Fachausschusses im vergangenen Jahr gewesen sei, eine tatsächliche Reduzierung hinzubekommen. Auch Udo Keil, Fraktionsvize der Grünen, fühlt sich ausgetrickst (wir berichteten): Ihn stört, dass die zu rodende Fläche als Wald deklariert wurde, um sie dann wegen ihrer innerörtlichen Lage als „forstwirtschaftlich von geringer Bedeutung“ einzustufen, so dass eine Walderhaltungsabgabe in Höhe von knapp 53 000 Euro fällig wurde.

Keil ist überzeugt, dass das Gelände mit seinen ehemaligen Kleingärten und Streuobstwiesen mehr ist als Wildwuchs: „Das ist eine Fläche, die ökologisch nicht unwesentlich ist.“ Der artenschutzrechtlichen Prüfung, wonach in dem Gebiet „keine relevanten Arten durch das Vorhaben erheblich beeinträchtigt werden“, schenkt Keil kein Vertrauen. Mit großer Skepsis betrachtet der Grüne die Entwicklung, dass erst die Grünfläche an der Spitze zwischen Schiller-, Bahnhofs- und Bleichstraße und demnächst die Schillergärten zerstört werden.

Auch die KfB spricht sich „gegen die vollständige Rodung des erhaltenswerten Grünbestands in diesem städtebaulich besonders exponierten Areal an einem der wesentlichen Zugangsknotenpunkte der Stadt“ aus.

Sorgenvoll betrachtet Dietrich Jung das Bauvorhaben. Er ist Anwohner in der Ludwig-Sauer-Straße. Gegenüber seiner Ausfahrt soll die Einfahrt zur Tiefgarage für die sechs neuen Häuser entstehen. „Das wird zu eng“, prognostiziert er für die Straße, bei der es bereits jetzt an manchen Stellen schwierig ist, am Begegnungsverkehr vorbeizukommen.

Derzeit verhandeln Stadt und Vertragspartner Wilma über den Durchführungsvertrag, in dem unter anderem die öffentliche Zugänglichkeit der Wege geregelt werden soll. Zudem laufe der Abwägungsprozess der einzelnen Einwendungen, wie Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) gegenüber dieser Zeitung sagte. Er gehe nicht davon aus, dass dabei Grundsätzliches des Bauvorhabens in Frage gestellt werde. Unklar ist, wann die endgültige Entscheidung über den B-Plan fällt und wann mit dem Roden begonnen werden kann.

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