Poller auf der Seite des Amtsgerichts, die das "wilde" Parken der abholenden Eltern am KFG verhindern sollen
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Poller auf der Seite des Amtsgerichts, die das "wilde" Parken der abholenden Eltern am KFG verhindern sollen

Verkehr

So soll der Schulweg im Hochtaunus sicherer werden

Mobilitätspläne für neun Schulen im Hochtaunuskreis sind offiziell übergeben worden. Problem-Sitationen sollen so verhindert werden.

Hochtaunuskreis - Für neun Schulen im Hochtaunuskreis liegen offiziell Schulmobilitätspläne vor, die unter fachlicher Begleitung im Rahmen des hessischen Beratungs- und Qualifizierungsprogramms "Besser zur Schule" erarbeitet wurden. Rund ein Jahr Arbeit steckt in den fertiggestellten Schulmobilitätsplänen, die nun von der Gesellschaft für integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement (ivm) als Fachzentrum Schulisches Mobilitätsmanagement und der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) an die Schulen und den Hochtaunuskreis als Schulträger übergeben wurden.

Damit machen das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium, die Humboldtschule und die Hölderlin-Schule in Bad Homburg, die Christian-Wirth-Schule in Usingen, das Taunusgymnasium in Königstein, die Grundschule Reifenberg in Schmitten, die Grundschule im Weiltal in Weilrod, die Grundschule Köppern in Friedrichsdorf und die Phorms Schule Frankfurt am Taunus Campus in Steinbach einen wichtigen Schritt in Richtung sichere und selbstständige Mobilität ihrer Schülerinnen und Schüler, heißt es in einer Mitteilung des Kreises.

Viele Kinder und Jugendliche werden täglich mit dem Auto zur Schule gefahren, obwohl sie laufen, mit dem Fahrrad oder dem Bus fahren könnten. Schülerinnen und Schülern mangelt es in der Folge häufig an Selbstständigkeit. Im Verkehr und im Schulumfeld entstehen außerdem oft problematische Situationen durch den Hol- und Bringverkehr. Jeder Weg, der nicht mit dem Auto zur Schule gefahren wird, leistet zudem noch einen Beitrag zum Klimaschutz. Diese Erkenntnis motivierte einige Schulen im Hochtaunuskreis, Schulmobilitätspläne zu erarbeiten. "Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Kinder und Jugendliche sicher und eigenständig unterwegs sein können. Hierfür braucht es eine adäquate und sichere Verkehrsinfrastruktur, aber auch ein gutes schulisches Angebot zur Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung", erläutert Landrat Ulrich Krebs (CDU) die Motivation des Kreises, sich aktiv an dem hessenweiten Beratungsprogramm zu beteiligen.

"Ich freue mich sehr, dass die Beratung von den Schulen so gut angenommen wird. Denn am Ende profitieren die Schüler von einem sicheren Schulweg, bei dem sie sich bewegen und das Klima schonen", ergänzt Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Mit dem Beratungsprogramm "Besser zur Schule", das man gemeinsam mit der ivm initiiert habe, "stärken wir die eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen in ihrem Alltag."

Im Zuge der Beratung durch das Fachzentrum "Schulisches Mobilitätsmanagement" werden Schulmobilitätspläne als ganzheitliche Mobilitätskonzepte für einen Schulstandort entwickelt. Sie bündeln alle mit Verkehr und Mobilität zusammenhängenden Maßnahmen. Gemeinsam mit den Schulleitungen, den Lehrer- und Schülerschaften, Elternvertretungen, den Städten und Gemeinden sowie dem Schulträger wurden Konzepte für die neun Teilnehmer-Schulen erarbeitet. Fachliche Begleitung lieferten die Büros "Verkehr mit Köpfchen" aus Heidelberg und "Mobilitätslösung" aus Darmstadt.

Die Ausgangssituation an den Schulen ist dabei sehr unterschiedlich. Die Schüler an den weiterführenden Schulen kommen bereits heute mehrheitlich (zwischen 82 und 90 Prozent) zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Bus und Bahn zur Schule. Der Anteil der Grundschüler, die regelmäßig mit dem Auto gebracht werden, liegt mit 24 bis 42 Prozent deutlich höher. Rechnet man die Anteile der "Elterntaxis" auf die Gesamtschülerzahl, wird das Problem deutlich: An den Schulen können zwischen 110 und 150 Anfahrten mit dem Auto zu Schulbeginn und Schulende entstehen, die nahezu zeitgleich stattfinden.

Zur Christian-Wirth-Schule in Usingen und zum Taunusgymnasium Königstein kommen jeweils mehr als 600 Schüler (fast) täglich mit dem Bus zur Schule. An der Humboldtschule und dem Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg sind es jeweils mehr als 600 Schüler, die (beinahe) täglich mit dem Rad zur Schule kommen.

Erste Maßnahmen bereits umgesetzt

"Die Schulmobilitätspläne umfassen bis zu 50 ineinandergreifende Sets an Maßnahmen. Sie sind passgenau auf die jeweilige Schule und das Schulumfeld zugeschnitten", fasst Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der ivm, die Ergebnisse der Schulmobilitätspläne zusammen. Und erste Maßnahmen zur Förderung von Fußgänger- und Radverkehr wurden von den Schulen, den Kommunen und dem Kreis bereits umgesetzt.

In der Grundschule im Weiltal etwa hat sich gezeigt, dass die Kinder bei der Vorbereitung auf die Radfahrprüfung in der vierten Klasse unsicher waren. Also wurde das Fahrradfahren in Bewegungsstunden ab der dritten Klasse eingeführt. Ergänzend unterstützte der Kreis als Schulträger die Anschaffung eines Klassensatzes Fahrräder. An der Hölderlinschule in Bad Homburg hat der Kreis unter anderem in der Schulzufahrt den Fuß-, Rad- und Autoverkehr durch neue Markierungen neu geordnet, um Konfliktsituationen zu reduzieren.

Die Stadt Bad Homburg hat ebenfalls bereits mehrere Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu zählen die Einführung der Fahrradstraße im Weinbergsweg und das Setzen von Pollern in Höhe des Amtsgerichts.

Die Querung der Zufahrt zum Hit-Markt nahe des Europa-Kreisels wurde für den Fuß- und Radverkehr durch breitflächige Markierung der Furt und ein Piktogramm auf dem Boden sicherer gemacht. Kurz vor den Herbstferien wurde zudem eine Hol- und Bringzone für Elterntaxis an der Kaiser-Friedrich-Promenade / Ecke Seedammweg eingerichtet, um den Verkehr im direkten Schulumfeld des KFG zu entzerren.

Die Stadt Steinbach hat im Bereich des Taunus Campus der Phorms-Schule während der Sommerferien 2020 Baumaßnahmen umgesetzt, deren Planungen im Rahmen des Programms zur Beseitigung der Defizite im Schulumfeld diskutiert worden waren. Wichtige Neuerungen für die Schule sind etwa die Verbreiterung des gemeinsamen Geh- und Radwegs an der Waldstraße, der Bau einer Buswendeschleife und ein niveaugleicher Fußgängerüberweg zum Schuleingang. Die Phorms-Schule selbst hat zudem zur Entzerrung der Schülerströme den Hauptschuleingang geöffnet. Informationen zum Programm gibt's im Internet unter www.besserzurschule.de. Von Sabine Münstermann

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